Die Frau und der Fjord von Anette Strohmeyer

Im April 2025 haben wir eher zufällig erfahren, dass Anette Strohmeyer ihren ersten Roman Die Frau und der Fjord veröffentlicht hat. Bekannt war sie uns vor allem als Koproduzentin der großartigen Mystery-Thriller-Hörspielserie Monster 1983 und auch als Autorin spannender Thriller.

Umso neugieriger waren wir, als wir von Die Frau und der Fjord erfahren haben. Schon allein das Cover hat unsere Aufmerksamkeit geweckt. Denn mal ehrlich: Wie wunderschön ist bitte dieses Cover? Aber auch die Geschichte selbst hat uns an diesen Sehnsuchtsort entführt, auf die Lofoten, mitten in die faszinierende Natur Norwegens.

Worum geht es in Anette Strohmeyers Buch?


Klappentext: Die Frau und der Fjord

Ein Holzhäuschen mit Blick auf den Fjord, ein kleines Boot und die atemberaubende Landschaft Norwegens. Mehr braucht Gro Kristjánsdóttir nicht für ihren Neuanfang auf den Lofoten, nachdem ihr Mann überraschend verstorben ist.

Die Natur am Polarkreis ist rau und unbarmherzig, doch mit der Zeit lernt Gro, ihr neues Leben zu lieben, die Eiseskälte des Winters und die hellen Nächte des Sommers. Als sie eines stürmischen Abends über Funk einen Notruf erhält, ist es mit der Einsamkeit vorbei. Ein Fischer ist an den Felsen ihres Fjords havariert. Gro pflegt ihn gesund und ist selbst überrascht, dass dieser fremde Mann ihr wieder eine Ahnung von Nähe vermittelt …


Fakten

Genre:

Roman

Verlag:

Wunderlich

Hörbuchverlag:

argon hörbuch

Gesamtspiellänge:

10 Stunden 59 Minuten

Erscheinungsdatum:

15.04.2025 (Buch)

22.04.2025 (Hörbuch)

Sprecherin:

Sandrine Mittelstädt


Fazit

Die Frau und der Fjord ist ein fantastischer Roman, bei dem man sich vollends auf die Natur und das Leben in Norwegen einlassen kann. Man begleitet Gro durch ihre Zeit der Trauer um ihren Ehemann Nicklas, den sie ganz plötzlich und unerwartet verloren hat. In einem einsamen Haus direkt am Fjord findet sie Zuflucht und versucht dort zur Ruhe zu kommen und mit der “neuen” Situation zurecht zu kommen. Nicklas ist seit zwei Jahren tot, doch Gro hat noch keinen Weg gefunden, mit dem Verlust umzugehen. Sie steckt weiterhin tief in ihrer Trauer. Dass ihr Umfeld ihr immer öfter das Gefühl gibt, sie solle ihre Trauer jetzt auch mal hinter sich lassen, denn “Das wird schon wieder”, macht alles nur noch schwerer für sie.

Sie möchte sich an “ihrem” Fjord ein neues Leben aufbauen, in Ruhe und Abgeschiedenheit, fernab von anderen Menschen. Unabhängigkeit ist ihr wichtig: Sie will allein über ihr Leben entscheiden, ohne auf andere Rücksicht nehmen zu müssen. Dabei wird sie aber immer wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt. Natürlich, denn das Leben, das sie zurückgelassen hat, ist nicht stehen geblieben. Die Menschen aus ihrer Vergangenheit existieren weiter, auch wenn sie und auch Nicklas nicht mehr dort sind.

Gleichzeitig steht die Frage im Raum, ob Gro wirklich schon bereit ist, sich auf ein neues Leben einzulassen.

Anette Strohmeyer entführt uns mit viel Feingefühl in dieses beeindruckende Land. Selbst wenn man Norwegen noch nie bereist hat, spürt man beim Lesen, wie magisch und rau zugleich die Lofoten sein müssen. Der perfekte Ort, um zur Ruhe zu kommen und klare Gedanken zu fassen. Es ist jedes Mal eine wohltuende Pause von der Realität, wenn man das Buch aufschlägt und gemeinsam mit Gro in diese weite Welt eintaucht. Ein Ort, der LeserInnen, aber ggf. auch die Protagonistin zum Loslassen einlädt.

Die Hörbuchfassung ist ebenso gelungen: Sandrine Mittelstädt führt mit ihrer klaren und ruhigen Stimme souverän durch die Geschichte und verleiht ihr eine zusätzliche Tiefe.

Ob gelesen oder gehört – die Geschichte mit der Frau und dem Fjord hat uns auf beiden Wegen sehr berührt. Romy Fölck sagt es in ihrem Blurb schon ganz richtig: “Dieses Buch ist ein Sehnsuchtsort, den man nicht mehr verlassen will.”

 

Laetitia Colombani – Der Zopf

Neues Jahr, neues Glück oder auf zu neuen Ufern! Wir möchten uns in diesem Jahr inhaltlich breiter aufstellen, weshalb wir die Zeit direkt genutzt haben, um uns das Hörbuch zu Der Zopf von Laetitia Colombani anzuhören.


Worum geht’s?

Drei Frauen, drei Leben, drei Kontinente – und dieselbe Sehnsucht nach Freiheit

Drei Lebenswege, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und dennoch teilen Smita, Giulia und Sarah das gleiche Schicksal: Alle drei kämpfen mutig gegen die Widerstände des Lebens. Smita, die Unberührbare, opfert in Indien ihr Haar dem Gott Vishnu, denn ihrer Tochter soll es einmal besser ergehen. In Palermo rettet Giulia die Perückenfabrik ihres Vaters vor dem Bankrott. Und als in Montreal die erfolgreiche Anwältin und alleinerziehende Mutter Sarah erkrankt, schöpft sie mit ihrer Perücke neuen Lebensmut. In leuchtenden Bildern nehmen uns Andrea Sawatzki, Eva Gosciejewicz und Valery Tscheplanowa mit auf eine Reise rund um den Globus – eine Hymne auf das Leben und den Mut aller Frauen dieser Welt.

Quelle: Argon Verlag


Fakten

Genre:

Internationale Literatur, Belletristik

Label:

Argon Verlag

Gesamtspiellänge:

5 Stunden 42 Minuten

Erscheinungsdatum:

31. März 2018

Besetzung: 

Smita gesprochen von Valery Tscheplanowa

Giulia gesprochen von Eva Gosciejewicz

Sarah gesprochen von Andrea Sawatzki


Fazit

Sprecherinnenleistung:

Valery Tscheplanowa, Andrea Sawatzki und Eva Gosciejewicz führen uns durch die Geschichte von Laetitia Colombani. Drei sehr unterschiedliche Stimmen für drei sehr unterschiedliche Charaktere. Und genau das ist der entscheidende Punkt, weshalb wir dieses Hörbuch auch Hörspielliebenden empfehlen können. Die drei Sprecherinnen kommen immer abwechselnd zum Zug und lockern die Geschichte von Smita, Giulia und Sarah extrem auf. Langeweile kommt hier nicht auf. Im Gegenteil. Wir haben uns rund um die Uhr gut unterhalten gefühlt (sofern man bei diesen drei krassen Schicksalen von Unterhaltung sprechen kann), weil man sofort eintaucht in die Leben der drei Frauen.

Valery Tscheplanowa liest die Geschichte um Smita in gesenkter Stimme, nahezu flüsternd. Das Schicksal der indischen Frau bekommt man als Europäer gar nicht zu fassen und das Schlimme daran ist, dass es sich natürlich um keinen Einzelfall handelt. Tscheplanowa schafft es, Smitas Geschichte noch mehr Stärke zu verleihen. Die Figur Giulia wird von Eva Gosciejewicz in aufgewecktem und mediterranem Ton gelesen. Hier hört man sofort raus, dass es sich um eine junge, motivierte Frau handelt. Andrea Sawatzki liest die Sarah. Sawatzki unterstreicht in ihrem Tun die verzweifelte Situation, in der sich Sarah befindet. Wir können uns hier sofort reinfühlen – aber das trifft auf alle drei Inhaltsstränge zu.

Mit wem haben wir es konkret zu tun?

Valery Tscheplanowa ist Schauspielerin und hat bei einigen Radio-Hörspielen u. a. beim WDR und Deutschlandradio Kultur mitgewirkt. 2018 gewann sie in der Kategorie “Beste Interpretin” den Deutschen Hörbuchpreis für Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war von Paulus Hochgatterer.

Andrea Sawatzki kennen wir vor allem als Tatort-Schauspielerin des Frankfurter Tatorts (bis 2009), aber natürlich auch aus vielen weiteren Filmen. Sie hat bereits einige Hörbücher gelesen, so auch den anderen Roman von Laetitia Colombani “Das Haus der Frauen”, der 2020 erschienen ist.

Eva Gosciejewicz ist ebenso wie ihre Kolleginnen Schauspielerin. Neben ihrer Arbeit vor der Kamera ist sie vor allem als Sprecherin für Hörspiele und Hörbücher tätig. Zuletzt ist Anne Gesthuysen – Wir sind schließlich wer mit ihr als Sprecherin – ebenfalls im Argon Verlag – erschienen.

Cover und Titel:

Das Hörbuchcover entspricht – wie gewöhnlich – dem Buchcover. Es ist sehr ästhetisch, aber nicht kitschig (!). Zu sehen ist ein Zopf, der von schmalen, femininen Händen geflochten wird. Im Hintergrund befinden sich Blumenzweige und Schmetterlinge. Der Stil ist sehr bedacht gewählt und wirkt stimmig. Die Romane von Laetitia Colombani Das Haus der Frauen (2020) und auch Das Mädchen mit dem Drachen (2022) haben Cover in ähnlichem Stil.

Handlung:

Drei Frauen, drei Leben, ein Zopf. Das fasst die Geschichte von Laetitia Colombani gut zusammen. Die Erste spendet ihre Haare, die Zweite verarbeitet sie und die Dritte benötigt sie aufgrund ihrer Krankheit. In verschiedenen Abschnitten werden wir in die Welt der drei Frauen eingeführt. Unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche Ziele, unterschiedliche Gefühle und Hoffnungen. Das macht das Buch und auch das Hörbuch aus. Man steigt emotional sofort ein in die Leben der Frauen, die unterschiedlicher nicht seinen könnten. Und dennoch hat jede dieser Frauen – ganz individuell – große Päckchen zu tragen.

Der Zopf ist ein feministischer Roman, der alltägliche Situationen von Frauen auf drei verschiedenen Kontinenten und damit Kulturen aufzeigt. Hier geht es u. a. um die katastrophale Behandlung von Frauen in Indien und die Tatsache, dass Frauen auch in unserer Kultur immer noch Nachteile haben, etwa, wenn es darum geht, sich in hohen Positionen in Wirtschaft und Politik zu etablieren. Vor allem dann, wenn Schwangerschaft und/oder Krankheit ins Spiel kommen. Laetitia Colombani gelingt es, die Probleme auf den Punkt zu bringen und flicht aus diesen drei Geschichten einen gelungenen Zopf.


Zur XXL-Hörprobe von Der Zopf