Mystery-Podcast Verrückte Zeit – Interview mit Hörspielautor Victor Redman

Heute beamen wir uns gedanklich ins Jahr 1994 zurück. Denn hier spielt das Mystery-Hörspiel “Verrückte Zeit” vom Podcast-Label Folivox. Der 16-jährige Tommy Seefeld (Marcel Mann) genießt seine Sommerferien. Doch dann verschwindet seine beste Freundin Jana Weber (Sarah Alles). Doch außer ihm scheint sich niemand daran zu erinnern, dass es sie jemals gegeben hat. Realität und Illusion verschwimmen immer weiter, während Tommy versucht, die Wahrheit herauszufinden.

Wir haben uns das Hörspiel natürlich angehört und Victor Redman, dem Autor von “Verrückte Zeit”, ein paar Fragen gestellt. Viel Spaß!


Lieber Victor, stell Dich doch bitte einmal kurz vor.

Victor: Ich bin Victor Redman, Autor und Journalist aus Berlin. In dem, was ich schreibe, beschäftige ich mich meist mit den Themen der Pop- und Netzkultur, die mich selbst begeistern. Eine Zeit lang war ich hauptsächlich in der journalistischen Schiene unterwegs, habe also über die Inhalte anderer geschrieben: Ich habe Serien-Tipps und -kritiken verfasst, Videospiele getestet und eine Radiosendung rund um das Thema Kino moderiert. Inzwischen liegt mein Fokus aber mehr auf fiktionalen Inhalten wie eben “Verrückte Zeit”.

Wie bist Du zur „Hörspielerei“ gekommen?

Victor: Zum Hörspiel bin ich tatsächlich gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. 2019 haben mein Geschäftspartner Björn Krass und ich das Podcast-Label Folivox gegründet. Es gab zu dem Zeitpunkt eine große Nachfrage nach neuen Podcast-Produktionen und wir beide ergänzen uns da mit unseren Talenten und Fähigkeiten sehr gut. Außerdem waren wir beide uns von Anfang an einig, dass wir eigentlich keine Lust haben auf die üblichen Laber-Podcasts. Wir wollten neue Sachen ausprobieren. Und dazu gehörten eben auch Fiction Podcasts – Hörspiele, die sich als klasissche Podcasts “verkleiden” oder zumindest die Möglichkeiten der Podcast-Plattformen nutzen, um die Hörerschaft zu erreichen. In den USA gab es schon einige Projekte dieser Art: Der ein oder andere hat bestimmt schon mal von “Welcome to Night Vale” gehört; es gab “Blackout” mit Rami Malek, und noch vieles mehr. Nur im Hörspielland Deutschland gab es noch gefühlt nichts. Das wollten Björn und ich ändern. And the rest is history, würde ich mal sagen: “Verrückte Zeit” ist jetzt schon unsere dritte Hörspiel-Podcast-Reihe.

Nimm uns mal mit in die Anfänge von “Verrückte Zeit” bis zur Veröffentlichung des Mystery-Hörspiels.
Victor Redman - Folivox

© Victor Redman, Folivox

Victor: Am Anfang einer Geschichte steht bei mir oft eine Frage, die sich in meinen Gehirnwindungen festsetzt und mich nicht mehr loslässt. Bei “Verrückte Zeit” war es die Frage: Wie wäre es, wenn wir tatsächlich zurückreisen könnten in unsere eigene Jugend?

Die Kinder der 80er und 90er (zu denen ich auch gehöre) reiten ja gerade auf einer riesigen Nostalgiewelle – aber war früher wirklich alles besser? Oder war es vielleicht nur anders? Würden wir aus der Erwachsenenperspektive heraus vielleicht sogar feststellen, dass Manches ganz anders war, als wir es in Erinnerung haben?

Das war die Kernfrage, aus der “Verrückte Zeit” entstanden ist – und dann ist das Ganze einfach ziemlich schnell eskaliert. Am Ende wurde daraus die bisher aufwendigste Folivox-Produktion mit dem größten Cast und jeder Menge Fortsetzungspotenzial (Wenn Ihr also mehr “Verrückte Zeit” wollt, lasst es Podimo wissen! ;-))

Nachdem wir uns darüber im Klaren waren, wo die Reise hingehen soll, haben wir die Idee dann Ulrike Zeitlinger bei Podimo vorgestellt, und Ulrike war dankenswerterweise sofort Feuer und Flamme. Es hat keine vier Wochen gedauert, bis wir den Produktionsvertrag hatten – sehr cool und bei weitem nicht selbstverständlich.

Was ist Dein Lieblings-Hörspiel?

Victor: Das eine Lieblingshörspiel habe ich tatsächlich nicht. Als Kind habe ich so ziemlich alles verschlungen, was es hier auf Kassette zu hören gab. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir aber “TKKG” und die Hörspiel-Reihe zu den “Masters of the Universe”. Die habe ich geliebt und höre ich immer noch gern.

Ich höre außerdem in so ziemlich jeden neuen Fiction Podcast zumindest mal rein. Das US-Label QCode hat einige großartige Sachen im Programm. Ihren Horror-Fiction-Podcast “Borrasca” hab’ ich zum Beispiel an einem Tag weggesuchtet. “The Burned Photo” war ja auch ziemlich cool.

Kannst Du uns schon etwas über kommende Projekte verraten?

Victor: Im Herbst startet die dritte Staffel unseres Krimi-Hörspiel-Podcasts “Wir waren Detektive” auf allen gängigen Plattformen. Es wird nochmal richtig spannend, denn diesmal bekommen die erwachsen gewordenen Jung-Detektive die Chance, einen tragischen Fall zu knacken, den sie in ihrer Jugend niemals lösen konnten.

Um Halloween herum wird außerdem die zweite Staffel unseres Horror-Fiction-Podcasts “Schwarzes Rauschen” exklusiv bei Podimo starten. Im Zuge dessen wird auch die erste Staffel für alle Neunsteiger:innen nochmal neu veröffentlicht – Ihr dürft Euch also auf einen gruseligen Oktober einstellen!


Lieber Victor! Vielen lieben Dank für das Gespräch :-)!

“Verrückte Zeit” ist ein Mystery-Hörspiel-Podcast von Podimo, produziert von Folivox.

Idee & Buch: Victor Redman Produktion & Sounddesign Bjoern Krass Koenitz

Mit den Stimmen von: Marcel Mann, Christian Zeiger, Laura Oettel, Mira Goeres, Wolfgang Bahro, Luise Helm, Dietmar Wunder, Santiago Ziesmer, Charles Rettinghaus, Ranja Bonalana, Katharina Gast, Elisa Schlott, Alexander von Hugo, Sarah Alles, Florian Clyde, Ingo Albrecht, Roman Rehor, Bjoern Krass Koenitz und vielen weiteren


In eigener Sache:

Für diesen Blogbeitrag wurden uns eine Promo-CD von Folivox sowie ein Presse-Code von Podimo zur Verfügung gestellt. Der Text wurde in Eigenregie erstellt und spiegelt unsere persönliche Meinung wider. Sie wurde in keiner Weise von Autoren, Produzenten oder Labels beeinflusst. Für diesen Blogbeitrag wurden wir nicht bezahlt.

Jordsand

Jordsand ist ein bei Audible erschienener Hörspiel-Thriller, geschrieben von Susanna Mewe und Carola M. Lowitz. Verfügbar ist er seit 31. Oktober 2019 – pünktlich zu Halloween also. Aus unserer Sicht: endlich mal wieder ein Hörspiel, das nach Monster 1983 eine spannende Story verspricht.

Aber worum geht es?

Autorin Ilsa (Daniela Bette) zieht mit ihrer Familie, ihrem Ehemann Lennard (Michael-Che Koch) und ihrem Sohn Jan (Patrick Mölleken) nach Jordsand, auf eine Hallig (laut Wikipedia: kleine, nicht oder nur wenig geschützte Marschinseln vor den Küsten, die bei Sturmfluten überschwemmt werden können). Lennard ist an diesem Ort aufgewachsen, er hat lange Zeit den Hausmann gemimt und war auch für Jan die vordergründige Vertrauensperson. Diese Tatsache soll sich mit dem Umzug von der Hauptstadt nach Jordsand ändern, denn Ilsa möchte sich nun mehr Zeit für die Familie nehmen. Zuletzt hat sie sich als Autorin in Berlin die Nächte um die Ohren geschlagen und wohl nicht viel zur Erziehung des Sohnes beigetragen.

Kurz nachdem Ilsa gemeinsam mit ihrer Familie das Haus bezogen hat, macht sie die Bekanntschaft mit einem 7-jährigen Mädchen aus dem Ort: Estrid. Kurz darauf hört Ilsa, dass Estrid im Meer ertrunken sein soll und das, obwohl sie eigentlich eine gute Schwimmerin war. Ilsa glaubt nicht an einen Unfall. Als sie erfährt, dass Estrids Tod bereits über ein Jahr her sein soll, fängt sie allmählich an, ihren Verstand zu verlieren …

Während Ilsa sehr mit sich und ihren Erinnerungen beschäftigt ist, beginnt ihr Sohn Jan sein wahres Ich zu zeigen, das schlimmer zu sein scheint, als sie sich je hätte vorstellen können …


Blickwinkel Dominique

Nachdem ich schon ein paar Wochen hier und da etwas von Jordsand gehört hatte, musste ich es doch tatsächlich wieder tun: mein Audible-Abo reaktivieren. Und im Großen und Ganzen hat es sich gelohnt. Jordsand war seit Langem mal wieder eine Geschichte, die mich gefesselt hat – um ehrlich zu sein, die Erste nach der letzten Staffel von Monster1983.

 

Ich bin schnell reingekommen, habe mich schnell in Ilsa hinein versetzen können und hatte nahezu Angst, die Wahrheit um Estrids Tod herauszufinden. Die ein oder andere schreckliche – also wirklich grauenhafte (!) – Szene hat dem Hörspiel dann noch das i-Tüpfelchen aufgesetzt. Gegen Ende jedoch hatte ich das Gefühl, dass die Autorinnen selbst keinen klaren Plan hatten, in welche Richtung das Hörspiel nun gehen soll, weshalb sich die Handlung ziemlich paradox entwickelte.

 

80 % des Hörspiels haben mir sehr gut gefallen. Über die Auflösung lässt sich streiten. Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass wir genau solche Hörspiele vermehrt brauchen.

Blickwinkel Laura

Mysteriöse Todesfälle auf einer idyllischen Hallig – was für eine große Hoffnung am Audbile-Hörspiel-Fundament! Jordsand hat es geschafft, mich in seinen Bann zu ziehen. Die Sprecherleistung ist durchweg überzeugend, wenngleich das Dreigespann um Ilsa, Lennard und Jan den größten Part einnehmen.

 

Und auch die Story verdient Anerkennung: Eine erfolgreiche Berliner Geschäftsfrau Mitte dreißig, zieht mit ihrer Familie auf die Hallig Jordsand vor der Westküste Schleswig-Holsteins, um dort in Ruhe Romane zu schreiben. Ihr verhaltensauffälliger Sohn Jan kommt damit allerdings gar nicht klar. Und spätestens, als sich herausstellt, dass Jan nicht der nette Großstadtjunge von nebenan ist, nimmt der Mystery-Thriller an Tempo auf. Das Hörspiel ist aufwendig produziert und gut abgemischt. Lasst uns nicht über das Ende sprechen, sondern hört selbst … klare Hörempfehlung!


Hörspielfakten

Drehbuchautorinnen:
Carola M. Lowitz und Susanna Mewe

Gesamtspiellänge:
8 Stunden und 9 Minuten

Erscheinungsdatum:
31. Oktober 2019

Besetzung:
Erzähler | Uve Teschner
Ilsa Holm | Daniela Bette
Lennard Holm | Michael-Che Koch
Jan Holm | Patrick Mölleken
Annika Berg | Mayke Dähn
Tore Holm | Bodo Primus
u. v. m.

Die drei ??? – Schrecken aus der Tiefe (193)

Am 11. Mai hat nicht nur die halbe kassettenbox Geburtstag gefeiert – es war auch das Release für die 193. Folge der Drei Fragezeichen Das haben wir uns natürlich nicht zweimal sagen lassen, unseren Kassettenrekorder ausgepackt und die neue Folge angehört.


Justus, Peter und Bob werden ungewollt Augenzeugen einer gefährlichen Szenerie: Ein Angler (Stephan Chrzescinski) kämpft in seinem kleinen Fischerboot mit einem Fang. Als er über Bord geht und unter Wasser gezogen wird, eilen die drei Detektiv prompt zu Hilfe. Zurück an Land und in Sicherheit, stammelt der Angler schreckensbleich und immerzu dieselben Worte: “Im See ist ein Monster!” Doch Monster existieren nicht – das wissen die drei Detektive … Oder etwa doch?


Fazit

Inhalt:

Die drei Detektive sind außerhalb von Rocky Beach unterwegs und stoßen unerwartet auf einen neuen Fall. So weit, so gut.

Nüchterne Detektivarbeit bekommen wir in Folge 193 auf die Ohren. Die Folge ist hörenswert, da die Handlung geradlinig verläuft und wenig konstruiert. Ein zunächst abstruses Thema – ein unbekanntes Monster in einem See – wird durch einen stringenten und nachvollziehbaren Handlungsrahmen aufgefangen. Die Story ist eine gelungene Mischung aus Mystik, Rätsel und Action. Einzig die Gruseleffekte fehlen. Nachdem die Geschichte ordentlich Fahrt aufnimmt, verflacht sie gegen Ende des Hörspiels. Nicht nur, dass die Auflösung fast das gesamte letzte Viertel des Hörspiels einnimmt und die Spannung sich in ellenlangen Erklärungen verliert … es werden auch wichtige Details nicht aufgeklärt und lassen den Hörer mit zu vielen Fragezeichen zurück.

Sprecherleistung:

“Schrecken aus der Tiefe” ist neben Axel Milberg und den drei Detektiven mit einer Riege aus 15 Sprechern besetzt. Die Sprecher sind mit viel Spaß an ihrer Arbeit dabei. Die Sprecherleistung ist insgesamt solide. Leider müssen wir bemängeln, dass man Justus Jonas alias Oliver Rohrbeck inzwischen einen Hauch seiner Routiniertheit anhört. Ein großes Plus dieser Folge: Inspektor Cotta alias Holger Mahlich ist wieder einmal mit von der Partie! Auch Sheriff Rolins alias Tommi Piper bereitet natürlich große Hörfreude!

Geräusche und Musik:

Die musikalische Untermalung ist sehr Tiefsee-like. Daumen hoch!

Cover und Titel:

Das Cover verspricht mehr Mystery als die Folge einlösen kann. Was hängen bleibt: die Realität. Was man sich erhofft: ein Seeungeheuer!


Fakten

Genre:

Mystery / Abenteuer / Detektive

Label:

EUROPA

Gesamtspiellänge:

ca. 70 Minuten

Produktionsjahr:

2018


Besetzung:
Erzähler Axel Milberg
Justus Jonas Oliver Rohrbeck
Peter Shaw Jens Wawrczeck
Bob Andrews Andreas Fröhlich
Inspektor Cotta Holger Mahlich
Angler Stephan Chrzescinski
Mac Anderson Achim Buch
Reporterin Marion Gretchen Schmitz
Mann Sven Dahlem
Grady Werner Wilkening
Pettengill Peter Kirchberger
Sheriff Rolins Tommi Piper
Farragut Hanns Jörg Krumpholz
Leah Antje Birnbaum
Cynthia Wetmore Dorothea Hagena
Hotelier Gordon Piedesack
Frau Maud Ackermann
Junge Tim Heuer
Daniel Jannik Schümann

Folge der Woche: Twilight Mysteries – Charybdis (1)

Mit “Twilight Mysteries” betreten wir noch völlig ungehörtes Terrain und hoffen, dir mit der ersten Folge “Charybdis” einen Einblick in die Action-Mystery-Serie von Paul Burghardt und Tom Steinbrecher (Stein/Hardt Hörspielproduktion) zu geben.

Kommt dir der Name bekannt vor? Vor etlichen Jahren sind schon einmal Folgen unter der Serienbezeichnung und mit denselben Hauptcharakteren bei Dreamland Productions erschienen. “Twilight Mysterys” eröffnet jedoch eine komplett eigenständige Hörspielserie. Was hat es mit der Action-Mystery-Serie des Kult-Labels Maritim auf sich? Hier erfährst du es.


Am Krankenbett

Piepsende Apparate, zahlreiche Schläuche, flache Atmung. Die Frau des Wissenschaftlers für übersinnliche Phänomene, Dr. Morton Zephyre (Marc Schülert), liegt im Koma. An ihrer Seite bedauert der Doktor all jene Vorkommnisse, die dazu geführt haben, dass seine Frau in diese gesundheitliche Schieflage geraten ist.

Das erste Abenteuer

Rückblick: Das erste Abenteuer um den Wissenschaftler und seinen forschen und sympathisch vorlauten Assistenten Dave Edwards (Kim Hasper) dreht sich um einen merkwürdigen Ort. Seaforth, Kanada, wird von unerklärbaren Vorkommnissen in Form blauer Blitze und unheimlicher Kuttenträger heimgesucht. Hierin meinen die beiden Kollegen Spuren eines älteren Falles zu erkennen.

Eine mysteriöse Bohrplattform

Vor Ort erfahren die beiden Wissenschaftler von einer Bohrplattform, die die Bewohner des Küstenstädtchens wie in Trance agieren lassen. Fremden stehen sie grundsätzlich feindlich gegenüber. Schnell wird klar, dass Dr. Zephyre und Dave Edwards von den Dorfbewohnern und Betreibern der Plattform keine Unterstützung bei der Aufklärung der sonderbaren Vorkommnisse erwarten können.

Aus dem Duo wird ein Trio

Durch Zufall lernen die beiden Wissenschaftler die junge Hackerin Nina Sallenger (Tanya Kahana) kennen, die sie in der Not vor dem Dorfmob rettet. Von Sallenger erhalten Dr. Zephyre und Dave Edwards erste Hinweise und doch scheinen sich die Ereignisse urplötzlich zu überschlagen und auf die Bohrinsel zu konzentrieren. Können die Drei das nahende Grauen aufhalten? In entscheidenden Momenten verschwindet Sallenger von der Bildfläche. Um ihr Leben zu retten, müssen sich die Drei aus den Fängen paranormaler Abnormitäten befreien.


Fazit

Inhalt:

“Charybdis” bildet den Auftakt zu “Twilight Mysteries”, eine Hörspielserie aus der Feder des Produktionsgespanns Paul Burghardt und Tom Steinbrecher. Die Pilotfolge liefert eine Mischung aus Mystery und Grusel. Der Aufschlag zur Serie gelingt inhaltlich. Die Geschichte nimmt von Anfang an Tempo auf und führt den Hörer durch eine Fülle mysteriöser Ereignisse, ohne dabei die typischen Genre-Klischees zu bedienen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, sodass die Spannung immer wieder aufgelockert wird.

Atmosphärisch sind hier noch einige Stellschrauben, jedoch wird das Geschehen insgesamt – nicht nur bei den dramatischen Szenen auf der Bohrplattform – dicht und authentisch eingefangen.

Sprecherleistung:

In Puncto Sprecherauswahl ist man hervorragend unterwegs. Die Rollen des Dr. Morton Zephyre und seines Assistenten Dave Edwards sind mit Marc Schülert und Kim Hasper erstklassig besetzt. Die Sympathie für die beiden Charaktere ist nach den lustigen Anfangsszenen rund um die Assistenten-Suche geweckt. Man kann die beiden nur in sein Herz schließen. Marc Schülert, der charmante Melancholiker, ist für seine Rolle des Wissenschaftlers prädestniert, während Kim Hasper für den liebenswert naiven, tollpatschigen und doch tiefgründig-klugen Dave Edwards geboren zu sein scheint.

Auch Tanya Kahana verkörpert die Figur der wissebegierigen und rastlosen Nina Sallenger perfekt.  Die weiteren Rollen sind gut besetzt worden. Auch wenn nicht alle Sprecher einen offensichtlichen Bekanntheitsgrad haben, klingen alle professionell und machen ihre Sachen gut.

Die Hauptcharaktere könnten unterschiedlicher nicht sein und bilden damit ein tolles Dreigesann, das hervorragend interagiert. Sie sind authentisch, haben Ecken und Kanten – wie im echten Leben.

Geräusche und Musik:

Die Untermalungen bleiben stets auf einem angenehmen Niveau. Die Soundkulisse ist ausdrucksstark. Action-Geräusche halten sich im Hintergrund. Des Hörers Ohr wird nicht mit großen Effekten überladen. Die Atmosphäre ist von Anfang an stimmig und kann mit Spannung, die von Geräuschkulisse und Musik gestützt wird, punkten. Die rockigen Parts geben dem Hörspiel zusätzlichen Schwung und heben es dadurch von anderen aktuellen Produktionen ab. Leider endet das Hörspiel etwas abrupt ohne abschließendes Musikstück. Hier könnte der Wiedererkennungswert noch gesteigert werden.

Cover und Titel:

Das Cover zeigt die Bohrinsel bei Nacht, welche von einem Schiff angesteuert wird. Die Farbgebung und der Nebelschleier wirken mystisch und sind passend zur Story ausgewählt. Der Rahmen ähnelt angelaufenem Metall und bringt den Titel der Reihe in auffälligen Lettern in der Vordergrund.


Fakten

Genre:

Action / Mystery

Label:

Maritim

Gesamtspiellänge:

ca. 58min

Produktionsjahr:

2016


Besetzung:
Dr. Morton Zephyre Marc Schülert
Dave Edwards Kim Hasper
Nina Sallenger Tanya Kahana

In weiteren Rollen: André Beyer, Dirk Hardegen, Detlef Tams, Christin Deuker, Leonie Dubuc u.v.a.

Folge der Woche: Ferdinand Balzac, Privatdetektiv – Das neunte Kind (1)

Neues aus der Hörspielwelt:

SilberZunge Audio

SilberZunge Audio, ein Hörspiel-Startup aus München, betritt mit der Hörspielreihe “Ferdinand Balzac, Privatdetektiv” die Bühne des gesprochenen Wortes. Die neue Produktionsfirma ist im Januar 2017 an den Start gegangen. In Planung sind Hörbücher und Hörspiele, die das junge Unternehmen in Eigenproduktion auf den Markt bringen möchte.

Die Produzenten von SilberZunge Audio sind ausgebildete Sprecher. Das Dreigespann – bestehend aus Stefan H.A. Meichsner, Tinka Kowatsch und Dagi Lilo van Thiel – präsentiert sich stimmlich gleich in der ersten Hörspielproduktion “Ferdinand Balzac, Privatdetektiv”.

Gelange hier zu den Stimmen hinter SilberZunge Audio.

Scharfsinnig & charmant: Privatdetektiv Ferdinand Balzac

Mein Name ist Ferdinand Balzac. Ich bin Privatdetektiv und vergesse nie etwas. Gemeinsam mit meiner rechten Hand Melanie Vincent – ein echtes Recherchegenie und unentbehrlicher Teil meiner Arbeit – betreibe ich eine kleine Detektei in München. Ich übernehme die Fälle, bei denen die Polizei nicht weiter weiß.

Hauptkommissar de la Croix nennt mich einen überheblichen, selbstverliebten, billigen Schnüffler. Nun ja, zumindest billig bin ich nicht. Auch mein Vater war Polizist. Er wurde ermordet. Und wenn mich eines mehr antreibt als das Schicksal meiner Klienten, dann ist [es] der unbändige Wille, seinen Mörder zu überführen – koste es, was es wolle.

(Quelle: Ferdinand-balzac.com/ueber-uns)

Den Anfang macht “Das neunte Kind”, Episode 1 der Hörspielreihe “Ferdinand Balzac, Privatdetektiv”. Das Mystery-Krimi-Hörspiel handelt vom ausgefuchsten Ermittler Ferdinand Balzac, der seinen brillanten Spürsinn nicht nur gegen ganz reale, sondern unheimliche Mächte unter Beweis stellen muss.

Zum Hintergrund

Der inzwischen erblindete Privatdetektiv Ferdinand Balzac möchte seine Biografie schreiben lassen. Diese soll die Fälle so beschreiben, wie sie sich tatsächlich ereignet haben. In dieser Angelegenheit ist Balzac eigen, denn er beansprucht für sich die alleinige Sicht auf die Ereignisse. Den Anfang seiner Biografie macht sein erster Fall, der deutschlandweit bekannt geworden war. Der Fall startet mit dem Verschwinden von Lillie Walther, welche die Presse als das “achte Kind” bezeichnet.

Bevor du unsere Rezension liest, kannst du dir auch hier Trailer und Hörprobe zur ersten Folge “Das neunte Kind” anhören.


Entführungsserie in der bayerischen Landeshauptstadt

In München werden mehrere Kinder vermisst, scheinen spurlos verschwunden. Während sich Lillies Vater Richard Walther (Marc Schülert) hilfesuchend an unseren Privatdetektiv Ferdinand Balzac (Stefan H.A. Meichsner) wendet, gibt sich die Münchner Polizei indes völlig ratlos. Der Ermittler mit dem besonderen Spürsinn findet einen schockierenden Zusammenhang zwischen den auf geheimnisvolle Weise verschwundenen Kindern …

Freitag, der 13.

Alle vermissten Kinder wurden am 13. Tag eines Monats geboren und – zu allem Überfluss – auch noch an einem Freitag. Die Polizei spielt mit verdeckten Ermittlungen, denn Hauptkommissar de la Croix (Konrad Adams) von der Münchner Polizei weiß mehr, als er zugibt, lässt sich von Balzac jedoch nicht in die Karten schauen. Gemeinsam mit seiner persönlichen Recherche-Assistentin Melanie Vincent (Tinka Kowatsch) und der Expertin für satanische Kulte Dr. Elena Mace (Jana C. Schmidt), begibt sich Ferdinand Balzac auf die Suche nach den vermissten Kindern und deren Entführern.

Trotz aller Widerstände

Die Suche entpuppt sich als waghalsiges Unterfangen um Leben und Tod. Während seiner Ermittlungen, bei denen ein sternförmiges Symbol allerhand Rätsel aufgibt, kommt Balzac dunklen Mächten auf die Spur. Schlussendlich führen die Ermittlungen Balzac und seine Begleiter zu einem Versteck in der Nähe von Freyung im Bayerischen Wald. Die Kindesrettung gleicht einem Wettlauf mit der Zeit, einem Kampf gegen die wahnsinnigen Pläne der düsteren Widersacher. Was führen die Kindesentführer im Schilde? Was hat es eigentlich mit dem neunzackigen Sigel eines satanischen Ordens auf sich? Und was ist mit den Zahlen 9 und 13?


Fazit

Inhalt:

Ein gelungener Auftakt von SilberZunge Audio. “Ferdinand Balzac” ist solide Hörspielkost mit Potenzial nach oben. Daumen hoch zum Drehbuch und zur Regiearbeit von Jana C. Schmidt und Tinka Kowatsch. Der Autor Stefan H.A. Meichsner hat viel Herzblut in die Serie gelegt. Leider haben wir es nicht mit thematischen Innovationen zu tun. Schließlich handelt es sich um eine weitere Detektivgeschichte, dessen Stil an Sherlock Holmes erinnern mag.

Warum spielt die erste Folge eigentlich in der bayerischen Metropole München? Akustisch bekommen wir nämlich wenig aus Bayern auf die Ohren. Lediglich der Wirt bringt lokalen Charme durch seinen bayerischen Dialekt hinein. Hier mangelt es ein wenig an Kriterien. Der Fall hätte sich auch in Norddeutschland abspielen können. kassettenbox ist jedenfalls gespannt auf die Fortsetzung und darauf, welche Fäden “der Unbekannte” noch ziehen wird.

Sprecherleistung:

Die Sprecherbank besetzen mehrere, im Mainstream eher unbekanntere Akteure. Die Ausnahme bildern Dirk Hardegen (Der Unbekannte) und Marc Schülert; letzterer übernimmt gleich mehrere Rollen.

Der Erzähler Daniel Werner leistet sehr gute Arbeit, kommt jedoch eher selten zum Einsatz. Hier stellt sich die Frage, ob eine Erzählstimme überhaupt vonnöten ist. Hätte diesen Part nicht auch der Protagonist Ferdinand Balzac höchstselbst übernehmen können? Schließlich erzählt dieser ja aus der Retrospektive von seinen abgeschlossenen Fällen. Die ruhige und sachliche Darstellungweise könnte ein Stefan Meichsner ebenso leisten. Hier zeigt das Skript eine kleine Schwachstelle auf.

Die Interpretation des lässigen Privatdetektivs ist durchweg gelungen. Das Superhirn mit eidetischem Gedächtnis wird stimmlich absolut authentisch rübergebracht. Einzig und allein Klaus Götsch als Lucifers Diener fehlt es an Seriosität. Leider ist seine stimmliche Darbietung eher deplatziert. Schade, denn hier hätte dem Hörspiel ein Schippchen Authentizität gutgetan. Als Fehlbesetzung erweist sich Konrad Adams in der Rolle des Hauptkommissars de la Croix. Stimmlich ist er eine Wucht, agiert als seriöser Kommissar allerdings viel zu schroff und unnahbar. Ihm hätte eine andere Sprecherrolle besser zu Gesicht gestanden. Die Kommissarrolle passt einfach nicht zu ihm.

In weiteren Rollen bekommen wir u. a. Michaela Amler, Linita Reimann, Hülya Önalan, Sebastian Dorn, Dagli Lilo van Thiel, Tinka Kowatsch und Jana Schmidt u.v.m. zu hören. Insgesamt merkt man, dass die beteiligten Sprecher nicht Hörspieler der allerersten Stunde sind. Doch das ist der Charme von “Ferdinand Balzac”. Hier hat sich eine Gruppe formiert, die Spaß an der Arbeit hinter dem Mikrofon hat.

Geräusche und Musik:

Geräusche halten sich in “Das neunte Kind” eher im Hintergrund. Vielmehr hat man auf einen Titelsong wert gelegt. “Schatten auf dem Nebel” von Sophia Grobler bekommen wir gleich nach dem gelungenen Intro zu hören; als Longplay noch einmal am Ende der Geschichte. Der Titelsong aus der Feder der Sängerin Sophie Grobler gefällt. Die musikalische Untermalung zwischen den Sequenzen ebenso, jedoch wäre noch ein Hauch mehr Mystery schön gewesen.

Soundtechnisch hat das Hörspiel eher wenig zu bieten. An der einen oder anderen Stelle sind hier noch Stellschrauben, die nachjustiert werden könnten. Die Geräusche sind insgesamt keine hohe Kunst. Etwa die Szenen aus dem Helikopter am Ende der Geschichte. Das wirkt doch arg blechern. Man bekommt den Eindruck, dass man am falschen Ende, nämlich am Sounddesign gespart hat. Schade, denn die stimmige Musik gefällt so gut, dass die Produktion am Ende ein ambivalentes Gefühl zurücklässt.

Cover und Titel:

“Das neunte Kind” ziert ein schwarzes Cover mit Flammen und dem neunzackigen Siegel. Die Covergestaltung bleibt Geschmackssache. Für die nächsten Folgen wären mehr Farben wünschenswert. Der Titel ist passend gewählt und macht Lust auf mehr.

Am Ende stellt sich die Frage, warum in einer bayerischen Provinz ein Privatdetektiv tätig ist, der den Namen eines berühtem französischen Schriftstellers trägt. Planung oder Zufall? Wir hoffen auf ersteres, aber hier bleibt es abzuwarten. Da wir noch nicht viel über unseren Privatdetektiv wissen, wollen wir nicht spekulieren. Wir sind gespannt auf weitere Detektivgeschichten!


Fakten

Genre:

Mystery / Krimi

Label:

SilberZunge Audio

Gesamtspiellänge:

69min30

Produktionsjahr:

2017


Besetzung:
Erzähler Daniel Werner
Ferdinand Balzac Stefan H.A. Meichsner
Melanie Vincent Tinka Kowatsch
Dr. Elena Mace Jana C. Schmidt
Kriminalhauptkommissar de la Croix Konrad Adams
Michael “K” Kromer Sebastian Dorn
Luzifers Diener Klaus Götsch
Wirt Manfred Abholzer
Richard Walther Marc Schülert
Erika Walther Michaela Amler
Jutta Peters Linita Reimann
Frau Belling Alda Aronsson
Studentin Hülya Önalan
Radiosprecher Jakob Seidel
Der Unbekannte Dirk Hardegen
Dr. Claire Wikström Dagi Lilo van Thiel

& wie geht’s weiter?

Episode 2 (“Der Pakt”) und 3 (“Metamorphose”) kommen laut SilberZunge Audio bis September 2017 auf den Markt. Weitere Informationen zum Hörspiellabel, zu Sprechern und kommenden Live-Events findest du auf der Webseite zur Hörspielreihe “Ferdinand Balzac”. Hier findest du auch Trailer und Hörproben.