Auf einen Kaffee mit Kai Schwind – Hörspiel war irgendwie immer da

Kai Schwind ist Hörspielmacher durch und durch – sei es als Autor, Regisseur oder Sprecher. Nebenbei ist er noch freier Journalist und promovierter Medienwissenschaftler. Und das ganze seit inzwischen über elf Jahren in Norwegen.

Für die aktuelle Live-Tournee “Die drei ??? und der dunkle Taipan” ist Kai Schwind für Inszenierung+Regie verantwortlich. Auf Zwischenstopp in Düsseldorf haben wir uns mit dem Wahl-Osloer getroffen und mit ihm hinter die Arbeitskulissen eines kreativen Hörspielmachers geblickt.


Lieber Kai (…), wir freuen uns sehr, dass Du Dir die Zeit genommen hast, für die kassettenbox ein Interview zu führen. Stell’ Dich doch erstmal vor … Du bist auf jeden Fall ein Hörspielmensch, das wissen wir.

Kai Schwind: [schmunzelt] (…) ‘Hörspielmensch’ finde ich eine sehr schöne Bezeichnung. Das ist tatsächlich gar nicht so entfernt. Ich hätte mich vielleicht ‘Hörspielmacher’ genannt. Ich bin Regisseur, Autor und ab und zu auch Sprecher von Hörspielen. Und auch in letzter Zeit vermehrt Live-Hörspielen – was ich eine sehr interessante Form finde (was es ja in Deutschland mehr und mehr gibt). Und jetzt ganz aktuell bin ich Regisseur der Drei ???-Tournee, die gerade durch die Lande zieht: ‘Die drei ??? und der dunkle Taipan’.

Warum catcht Dich das Medium Hörspiel?

Kai Schwind: Ich glaube, das ist wirklich eine Mischung aus etwas, was eigentlich ganz unintellektuell, so ganz unanalytisch ist, nämlich … das ist ein Medium, mit dem ich aufgewachsen bin. Und was wahrscheinlich auch ein bisschen erklärt, warum das so ein Generationsphänomen ist. Also die Kassettenkinder, gerade die, die eben aus den Ende der 70er-Jahre kommen … wo diese ganzen visuellen Medien einfach noch nicht diese Bedeutung hatten. Wir haben noch nicht so viele Computerspiele gehabt – oder kaum. Fernsehen war irgendwie so ein paar Mal die Woche, zu bestimmten Zeitpunkten.

Aber Hörspiel war irgendwie immer da … das war bei uns im Kinderzimmer. Das war in den Kassetten drin, die neben dem Bett standen … was man im Prinzip permanent hören konnte. Und deswegen ist einem das so ins Unterbewusstsein tatsächlich übergegangen, diese Hörspiele, die man als Kind gehört hat … Märchenplatten, Abenteuerplatten und natürlich dann die ganzen Produktionen aus dem Hause EUROPA – in meinem Fall die ‘Fünf Freunde’ ganz am Anfang, dann ‘Die drei ???’ und ‘TKKG’.

Und die hat man eben immer und immer wieder gehört – was auch so ein interessanter Effekt ist, dass man sich da so dran gewöhnt, dass man die Sachen auswending kann. Und zwar nicht nur jetzt die Dialoge, sondern auch Geräuschabfolgen, Musik, Stimmungen, Atmos, die einem so ins Blut übergehen und irgendwie so zum Teil zur Persönlichkeit gehören.

Kai Schwind

Und so habe ich mich zumindest sehr an diese Art des Erzählens gewöhnt, oder auch an diese Art, Geschichten zu rezipieren – dieses berühmte Kopfkino eben. Da sind Stimmen, Musik und Soundeffekte und die machen diese Bilder, die man im Kopf hat. Und das ist einfach eine Art, die mir bis heute total naheliegt.

Also ich liebe es, Geschichten erzählt zu bekommen, auf akustische Art und Weise und ich denke auch oft selbst so. Wenn mir Geschichten einfallen … Wie kann man die umsetzen? Es ist ganz oft erstmal so eine akustische Herangehensweise.

Das ganze Interview könnt ihr Euch auf unserem SoundCloud-Kanal anhören.

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kb-nachgefragt: Hörspielmacher Falk T. Puschmann auf der #LBM17

Ja, also wir sind jetzt hier auf der Leipziger Buchmesse und wir treffen heute Falk zum kurzen Interview. Stell Dich doch mal vor bitte.

Falk: Hallo, ich bin Falk Puschmann, ich bin Hörspielmacher vom Label Innovative Fiction. Hab angefangen mit nichtkommerziellen Hörspielen und habe jetzt gerade eben eine große Verschwörungsmystery-Saga veröffentlicht.

Und du hast dich jetzt hier heute an einem Samstag nach Leipzig begeben. Was hast du dir angeschaut, was kann man vielleicht hörspieltechnisch auf der Leipziger Buchmesse so erwarten?

Falk: Ja, für mich geht es auf der Buchmesse eigentlich meistens mehr darum, um die Leute zu treffen – also andere Macher – und sich ein bisschen auszutauschen, aber auch mit den Hörern in den Plausch zu gehen. Und erstmalig bin ich diesmal leider zeitlich kein Aussteller. Und sonst gibt es immer schön die Möglichkeit, so ein bisschen mit auch Hörern – wie gesagt – in Gespräche zu kommen und zu hören, was ihnen denn an den Hörspielen gefällt, nicht gefällt, oder sie generell mal vom Hörspiel zu überzeugen. Ich war die letzten Jahre auch gerne in der Fantasy-Halle – also quasi, nennen wir es mal “Feindesland” freundlich -, wo dann wirklich das geschriebene Wort regiert und man dann mit Leuten wirklich mal sprechen kann über Hörbücher, Hörspiele und den Unterschied zum geschriebenen Wort. Das ist sehr spannend.

Du hast uns aber vorhin verraten, dass du neue Projekte an Land ziehen wirst demnächst oder auch schon angeheuert hast. Mit dem “Fluch” bist du ja jetzt soweit durch. Crowdfunding möchtest du demnächst auch wieder starten?

Falk: Ja, Crowdfunding habe ich jetzt ja gerade eben ein großes abgeschlossen. Nachdem die Produktion statt anderthalb Jahren vier Jahre gedauert hat, wird es noch ein bisschen dauern, bis ich das nächste Crowdfunding angehe, weil ich sehr sehr viel daraus gelernt habe – gerade was Projektvorbereitung und so weiter angeht – und eher die Projekte kleiner mache. Was ich mir im Moment angucke für das nächste Projekt ist Patreon, was so eine Mischung aus Crowdfunding und Abomodell ist. Wo du als Künstler die Möglichkeit hast zu sagen, pro Produktion oder pro Monat kann man dich unterstützen und die Unterstützer können selber bestimmen, wie viel – quasi 1 EUR/Monat – und dafür bekommen sie dann spezifische kleine Goodies, wie man das eben vom Crowdfunding klassisch kennt. Das finde ich eigentlich eine sehr spannende Geschichte, gucke ich mir gerade an und ansonsten ist das nächste in der Pipeline Richtung Abenteuer, Action und so ein bisschen Endzeitszenario. Da habe ich eine Geschichte als Blogroman geschrieben und die möchte ich gerne als Hörspiel umsetzen.

Kannst du da aus einer Reihe von Sprechern schöpfen, die du schon kennst, oder musst du immer komplett neu überlegen, wen du da anfragen könntest?

Falk: Ja, das Schöne an der Sache ist, dass man natürlich – Innovative Fiction gibt es jetzt bald seit acht Jahren – da hat man so eine gewisse Familie beisammen. Und auch aus der nichtkommerziellen Hörspielzeit kenne ich sehr viele Sprecher. Das heißt, man hört bei Innovative Fiction sehr viele Familienmitglieder auch immer wieder in unterschiedlichen Rollen. Es kommen aber auch immer wieder neue hinzu – also sowohl als auch. Das war das Schöne beim “Fluch”, weil wir eben durch das Crowdfunding ein bisschen größeres Budget zur Verfügung hatten, eben auch einige neue Leute mit an Bord holen können und auch einige bekanntere Sprecher – wie zum Beispiel Vera Teltz, Helmut Krauss hatten wir dabei. Also eben auch einige namhaftere Leute mit an Bord holen konnten, die wir dann im Studio aufgenommen haben.

Und du hast uns veratten, dass wir dich auch auf der Hörmich treffen können?

Falk: Genau. Die Hörmich, eine sehr schöne, kleine Veranstaltung. Da bin ich zwar diesmal leider auch nur als Besucher, aber die kann ich auch jedem ans Herz legen. Es gibt sehr viele schöne Live-Hörspiele und auch die Möglichkeit, mit Machern ins Gespräch zu kommen – eigentlich eine sehr familiäre Atmosphäre. Und ich hab sie davor auch nur von Hörensagen gekannt und war sehr positiv überrascht. Das ist ein Tag und der geht ratzfatz vorbei.

Für Leute, die den Fluch nicht kennen: Worum geht es da, was war deine Grundidee?

Falk: “Der Fluch” ist so ein bisschen Verschwörungsmystery und eine Mischung aus H. P. Lovecraft meets Akte X. Die Geschichte beginnt ganz einfach mit einem Bestsellerautoren, der so in die Einsamkeit fliehen möchte und den aber sein Erfolg so ein bisschen verfolgt bzw. in der kleinen Stadt Port Hardy auch eines seines Bücher sich plötzlich in Tatsache oder Realität verwandelt und dadurch eben der Anfang für ein ganz großes Abenteuer gesponnen wird. Wo wir eben Glen Snider, den Autor, besser kennenlernen. Wir haben den dortigen Dorfsheriff Kate O’Conner, die spielt eine sehr wichtige Rolle dabei. Die ersten beiden Folgen bilden da so einen schönen Rahmen, um abschließend vier Folgen noch auf eine deutlich größere Geschichte zu bringen, die dann auch, glaube ich weltumspannend, kann man sagen, ist – im wahrsten Sinne des Wortes. Gerade für Freunde der klassischen Verschwörungsmystery-Geschichten, Regierungsverschwörungen, komischer, unerklärlicher Phänomene, Anomalien, usw., denke ich eine sehr schöne Geschichte.

Was uns bei sm Hören auffiel, wo wir manchmal überlegen mussten: Das ist ja eine sehr komplexe Story, super viele Sprecher … Man muss wirklich am Ball bleiben, man kann es nicht nebenher hören. Hast du da bewusst auf eine Erzählstimme verzichtet?

Falk: Genau, da haben wir bewusst drauf verzichtet, weil wir die Hörspiele sehr filmisch umsetzen wollten: Der Zuhörer macht seine Augen zu und sieht den Film dann wirklich vor dem geistigen Auge. Die Herausforderung besteht natürlich darin, sehr sehr viel mehr über Sounddesign zu machen, was wir versucht haben. Und es ist dementsprechend auch nicht unbedingt zum nebenher beim Bügeln oder zum Einschlafen hören, aber wir haben versucht, die Geschichte auf mehrere Ebenen zu bringen. Das heißt, wer auch wirklich dranbleibt und auch gerne mal ein zweites Mal hört, wird immer noch so kleine Details entdecken, die wir eingebaut haben in die Geschichte. Und insgesamt bilden die sechs Teile auch eine komplett abgeschlossene Reihe, die jetzt auch bei unserem Vertrieb Pop.de als schöne kleine Sammelgeschichte erhältlich ist und bietet sehr sehr viel Platz auch, sich selber die Geschichte auch weiter im Kopf zu spinnen.

Was würdest du jungen, ambitionierten, kreativen Leuten empfehlen, die ein Hörspiel machen wollen? Wie sollen die da rangehen?

Falk: Das Einfachste ist: Es gibt inzwischen sehr viele Möglichkeiten, im Internet selber schon, gerade im nichtkommerziellen Bereich, so erste Gehversuche zu machen. So habe ich angefangen und es war und ist auch eine Talentschmiede für bekanntere Leute, so im nichtkommerziellen Bereich anzufangen. Dementsprechend wäre das meine Empfehlung, weil da kann man, ohne den finanziellen Druck – das muss jetzt so und so viel Geld machen – einfach mal ein bisschen auch mit Geschichten herumexperimentieren und es gibt sehr sehr tolle Hörspiele, die dabei entstehen und auch diverse Profisprecher wie Martin Sabel – spricht zum Beispiel auch bei uns mit – ist in sehr vielen Computerspielen zu hören, die auch immer wieder solche Projekte unterstützt haben – also finde ich einen sehr schönen Einstieg.

Und zum Schluss: Hast du noch einen Hörspieltipp für uns?

Falk: Einen Hörspieltipp … Ich habe die Tage mal wieder Morland gehört. Ich weiß nicht, ob ihr die kennt. Das ist eine Fantasy-Trilogie, die ich immer sehr gerne empfehle, weil sie so ein bisschen Underdog-mäßig ein Schattendasein fristet, aber eine richtig schön groß erzählte Young Adult Fiction ist, die sehr viel Spaß macht. Bei HeadRoom ist sie erschienen. Ich glaube, die CDs sind inzwischen vergriffen, aber digital gibt es sie noch bei iTunes & Co. – kann ich sehr ans Herz legen, sehr schöne Geschichte.

Vielen Dank für das Gespräch und für deine Projekte weiterhin alles Gute. Wir werden das verfolgen!

Falk: Vielen Dank für das Interview.