Mystery-Podcast Verrückte Zeit – Interview mit Hörspielautor Victor Redman

Heute beamen wir uns gedanklich ins Jahr 1994 zurück. Denn hier spielt das Mystery-Hörspiel “Verrückte Zeit” vom Podcast-Label Folivox. Der 16-jährige Tommy Seefeld (Marcel Mann) genießt seine Sommerferien. Doch dann verschwindet seine beste Freundin Jana Weber (Sarah Alles). Doch außer ihm scheint sich niemand daran zu erinnern, dass es sie jemals gegeben hat. Realität und Illusion verschwimmen immer weiter, während Tommy versucht, die Wahrheit herauszufinden.

Wir haben uns das Hörspiel natürlich angehört und Victor Redman, dem Autor von “Verrückte Zeit”, ein paar Fragen gestellt. Viel Spaß!


Lieber Victor, stell Dich doch bitte einmal kurz vor.

Victor: Ich bin Victor Redman, Autor und Journalist aus Berlin. In dem, was ich schreibe, beschäftige ich mich meist mit den Themen der Pop- und Netzkultur, die mich selbst begeistern. Eine Zeit lang war ich hauptsächlich in der journalistischen Schiene unterwegs, habe also über die Inhalte anderer geschrieben: Ich habe Serien-Tipps und -kritiken verfasst, Videospiele getestet und eine Radiosendung rund um das Thema Kino moderiert. Inzwischen liegt mein Fokus aber mehr auf fiktionalen Inhalten wie eben “Verrückte Zeit”.

Wie bist Du zur „Hörspielerei“ gekommen?

Victor: Zum Hörspiel bin ich tatsächlich gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. 2019 haben mein Geschäftspartner Björn Krass und ich das Podcast-Label Folivox gegründet. Es gab zu dem Zeitpunkt eine große Nachfrage nach neuen Podcast-Produktionen und wir beide ergänzen uns da mit unseren Talenten und Fähigkeiten sehr gut. Außerdem waren wir beide uns von Anfang an einig, dass wir eigentlich keine Lust haben auf die üblichen Laber-Podcasts. Wir wollten neue Sachen ausprobieren. Und dazu gehörten eben auch Fiction Podcasts – Hörspiele, die sich als klasissche Podcasts “verkleiden” oder zumindest die Möglichkeiten der Podcast-Plattformen nutzen, um die Hörerschaft zu erreichen. In den USA gab es schon einige Projekte dieser Art: Der ein oder andere hat bestimmt schon mal von “Welcome to Night Vale” gehört; es gab “Blackout” mit Rami Malek, und noch vieles mehr. Nur im Hörspielland Deutschland gab es noch gefühlt nichts. Das wollten Björn und ich ändern. And the rest is history, würde ich mal sagen: “Verrückte Zeit” ist jetzt schon unsere dritte Hörspiel-Podcast-Reihe.

Nimm uns mal mit in die Anfänge von “Verrückte Zeit” bis zur Veröffentlichung des Mystery-Hörspiels.
Victor Redman - Folivox

© Victor Redman, Folivox

Victor: Am Anfang einer Geschichte steht bei mir oft eine Frage, die sich in meinen Gehirnwindungen festsetzt und mich nicht mehr loslässt. Bei “Verrückte Zeit” war es die Frage: Wie wäre es, wenn wir tatsächlich zurückreisen könnten in unsere eigene Jugend?

Die Kinder der 80er und 90er (zu denen ich auch gehöre) reiten ja gerade auf einer riesigen Nostalgiewelle – aber war früher wirklich alles besser? Oder war es vielleicht nur anders? Würden wir aus der Erwachsenenperspektive heraus vielleicht sogar feststellen, dass Manches ganz anders war, als wir es in Erinnerung haben?

Das war die Kernfrage, aus der “Verrückte Zeit” entstanden ist – und dann ist das Ganze einfach ziemlich schnell eskaliert. Am Ende wurde daraus die bisher aufwendigste Folivox-Produktion mit dem größten Cast und jeder Menge Fortsetzungspotenzial (Wenn Ihr also mehr “Verrückte Zeit” wollt, lasst es Podimo wissen! ;-))

Nachdem wir uns darüber im Klaren waren, wo die Reise hingehen soll, haben wir die Idee dann Ulrike Zeitlinger bei Podimo vorgestellt, und Ulrike war dankenswerterweise sofort Feuer und Flamme. Es hat keine vier Wochen gedauert, bis wir den Produktionsvertrag hatten – sehr cool und bei weitem nicht selbstverständlich.

Was ist Dein Lieblings-Hörspiel?

Victor: Das eine Lieblingshörspiel habe ich tatsächlich nicht. Als Kind habe ich so ziemlich alles verschlungen, was es hier auf Kassette zu hören gab. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir aber “TKKG” und die Hörspiel-Reihe zu den “Masters of the Universe”. Die habe ich geliebt und höre ich immer noch gern.

Ich höre außerdem in so ziemlich jeden neuen Fiction Podcast zumindest mal rein. Das US-Label QCode hat einige großartige Sachen im Programm. Ihren Horror-Fiction-Podcast “Borrasca” hab’ ich zum Beispiel an einem Tag weggesuchtet. “The Burned Photo” war ja auch ziemlich cool.

Kannst Du uns schon etwas über kommende Projekte verraten?

Victor: Im Herbst startet die dritte Staffel unseres Krimi-Hörspiel-Podcasts “Wir waren Detektive” auf allen gängigen Plattformen. Es wird nochmal richtig spannend, denn diesmal bekommen die erwachsen gewordenen Jung-Detektive die Chance, einen tragischen Fall zu knacken, den sie in ihrer Jugend niemals lösen konnten.

Um Halloween herum wird außerdem die zweite Staffel unseres Horror-Fiction-Podcasts “Schwarzes Rauschen” exklusiv bei Podimo starten. Im Zuge dessen wird auch die erste Staffel für alle Neunsteiger:innen nochmal neu veröffentlicht – Ihr dürft Euch also auf einen gruseligen Oktober einstellen!


Lieber Victor! Vielen lieben Dank für das Gespräch :-)!

“Verrückte Zeit” ist ein Mystery-Hörspiel-Podcast von Podimo, produziert von Folivox.

Idee & Buch: Victor Redman Produktion & Sounddesign Bjoern Krass Koenitz

Mit den Stimmen von: Marcel Mann, Christian Zeiger, Laura Oettel, Mira Goeres, Wolfgang Bahro, Luise Helm, Dietmar Wunder, Santiago Ziesmer, Charles Rettinghaus, Ranja Bonalana, Katharina Gast, Elisa Schlott, Alexander von Hugo, Sarah Alles, Florian Clyde, Ingo Albrecht, Roman Rehor, Bjoern Krass Koenitz und vielen weiteren


In eigener Sache:

Für diesen Blogbeitrag wurden uns eine Promo-CD von Folivox sowie ein Presse-Code von Podimo zur Verfügung gestellt. Der Text wurde in Eigenregie erstellt und spiegelt unsere persönliche Meinung wider. Sie wurde in keiner Weise von Autoren, Produzenten oder Labels beeinflusst. Für diesen Blogbeitrag wurden wir nicht bezahlt.

Auf einen Kaffee mit Kai Schwind – Hörspiel war irgendwie immer da

Kai Schwind ist Hörspielmacher durch und durch – sei es als Autor, Regisseur oder Sprecher. Nebenbei ist er noch freier Journalist und promovierter Medienwissenschaftler. Und das ganze seit inzwischen über elf Jahren in Norwegen.

Für die aktuelle Live-Tournee “Die drei ??? und der dunkle Taipan” ist Kai Schwind für Inszenierung+Regie verantwortlich. Auf Zwischenstopp in Düsseldorf haben wir uns mit dem Wahl-Osloer getroffen und mit ihm hinter die Arbeitskulissen eines kreativen Hörspielmachers geblickt.


Lieber Kai (…), wir freuen uns sehr, dass Du Dir die Zeit genommen hast, für die kassettenbox ein Interview zu führen. Stell’ Dich doch erstmal vor … Du bist auf jeden Fall ein Hörspielmensch, das wissen wir.

Kai Schwind: [schmunzelt] (…) ‘Hörspielmensch’ finde ich eine sehr schöne Bezeichnung. Das ist tatsächlich gar nicht so entfernt. Ich hätte mich vielleicht ‘Hörspielmacher’ genannt. Ich bin Regisseur, Autor und ab und zu auch Sprecher von Hörspielen. Und auch in letzter Zeit vermehrt Live-Hörspielen – was ich eine sehr interessante Form finde (was es ja in Deutschland mehr und mehr gibt). Und jetzt ganz aktuell bin ich Regisseur der Drei ???-Tournee, die gerade durch die Lande zieht: ‘Die drei ??? und der dunkle Taipan’.

Warum catcht Dich das Medium Hörspiel?

Kai Schwind: Ich glaube, das ist wirklich eine Mischung aus etwas, was eigentlich ganz unintellektuell, so ganz unanalytisch ist, nämlich … das ist ein Medium, mit dem ich aufgewachsen bin. Und was wahrscheinlich auch ein bisschen erklärt, warum das so ein Generationsphänomen ist. Also die Kassettenkinder, gerade die, die eben aus den Ende der 70er-Jahre kommen … wo diese ganzen visuellen Medien einfach noch nicht diese Bedeutung hatten. Wir haben noch nicht so viele Computerspiele gehabt – oder kaum. Fernsehen war irgendwie so ein paar Mal die Woche, zu bestimmten Zeitpunkten.

Aber Hörspiel war irgendwie immer da … das war bei uns im Kinderzimmer. Das war in den Kassetten drin, die neben dem Bett standen … was man im Prinzip permanent hören konnte. Und deswegen ist einem das so ins Unterbewusstsein tatsächlich übergegangen, diese Hörspiele, die man als Kind gehört hat … Märchenplatten, Abenteuerplatten und natürlich dann die ganzen Produktionen aus dem Hause EUROPA – in meinem Fall die ‘Fünf Freunde’ ganz am Anfang, dann ‘Die drei ???’ und ‘TKKG’.

Und die hat man eben immer und immer wieder gehört – was auch so ein interessanter Effekt ist, dass man sich da so dran gewöhnt, dass man die Sachen auswending kann. Und zwar nicht nur jetzt die Dialoge, sondern auch Geräuschabfolgen, Musik, Stimmungen, Atmos, die einem so ins Blut übergehen und irgendwie so zum Teil zur Persönlichkeit gehören.

Kai Schwind

Und so habe ich mich zumindest sehr an diese Art des Erzählens gewöhnt, oder auch an diese Art, Geschichten zu rezipieren – dieses berühmte Kopfkino eben. Da sind Stimmen, Musik und Soundeffekte und die machen diese Bilder, die man im Kopf hat. Und das ist einfach eine Art, die mir bis heute total naheliegt.

Also ich liebe es, Geschichten erzählt zu bekommen, auf akustische Art und Weise und ich denke auch oft selbst so. Wenn mir Geschichten einfallen … Wie kann man die umsetzen? Es ist ganz oft erstmal so eine akustische Herangehensweise.

Das ganze Interview könnt ihr Euch auf unserem SoundCloud-Kanal anhören.

>>> hier entlang!

Interview mit Was hoerst du so – Der Podcast

Schon lange haben wir die Beiden als Partner in der kassettenbox verlinkt & jetzt ist es endlich so weit, wir haben Sabrina und Pascal von Was hoerst du so – Der Podcast ein paar Fragen gestellt. Wer sind die Beiden, wie kam es dazu, dass sie zusammen einen Podcast gestartet habenund wieso eigentlich über Hörspiele?


Liebe Sabrina, lieber Pascal, gemeinsam betreibt ihr den Podcast “Was hoerst du so?”. Wir wollen beim Urschleim anfangen: Wie habt ihr euch kennen gelernt und wie kam es zur Podcast-Idee?

Sabrina: Pascal und ich sind uns gelegentlich auf Feiern begegnet. Mehr als ein freundliches kurzes Gespräch war aber meist nicht drin. Anfang 2016 lag ich zwei Wochen mit Grippe flach. Irgendwann waren alle Folgen der „Drei Fragezeichen“ durchgehört. Inspiriert vom „Fragezeichenpod“, in dem Folgen der „Drei Fragezeichen“ besprochen werden, entstand die Idee, einen Podcast allgemein über Hörspiele ins Leben zu rufen. Wer aber könnte ein geeigneter Podcastpartner sein?! Da fiel mir Pascal ein, der mir auf einer Party mal von Point Whitmark erzählte…

Was ist das Besondere an “Was hoerst du so?” – was macht euren Podcast aus?

Pascal: Ich denke, es ist die Dualität, von dem unser Podcast lebt. Nicht nur, dass wir Männlein und Weiblein sind, nein, einer ist extrem organisiert, der andere etwas chaotisch, einer mehr vorbereitet, der andere eher spontan… und auch unsere Geschmäcker im Hörspiel-Bereich sind sehr unterschiedlich, so dass wir fast alle Genres abdecken.

Außerdem konnten wir seit Bestehen des Podcasts einige Connections knüpfen und freuen uns immer, wenn wir einen Produzenten oder Sprecher als Gast begrüßen dürfen.

Bei uns hat ja alles mit den Drei Fragezeichen angefangen. Seid ihr auch Die drei Fragezeichen Fans? Und hört ihr eigentlich auch Hörspiele zum Einschlafen?

Sabrina: Meine erste Kassette von den Drei Fragezeichen habe ich mit acht Jahren bekommen und seitdem bin ich treuer Hörer. Zum Einschlafen höre ich eigentlich immer ein Hörspiel. Und das müssen nicht unbedingt die Drei Fragezeichen sein. Momentan höre ich auch gerne Professor van Dusen (die alten Fälle) oder auch TKKG.

Pascal: Ich glaube, an den Drei Fragezeichen ist keiner vorbei gekommen, auch wenn ich als Kind eher Scotland Yard und Masters of the Universe gehört habe. Trotzdem höre ich die drei Jungs aus Rocky Beach auch heute noch gerne. Zum Einschlafen darf es dann leichte Kost sein, also Hörspiele die ich bereits mitsprechen kann! ;-)

Was sind eure Lieblingshörspiele bzw. Lieblingshörspielserien? Welches Hörspiel sollten wir unbedingt in der kassettenbox besprechen?

Pascal: Hmm… Die letzten Helden, Drizzt, Mark Brandis, Monster 1983, Sacred – Der Schattenkrieger. Die kann ich euch alle ans Herz/Ohr legen!

Sabrina: Es gibt sehr viele Hörspiele, die ich gerne höre. Die Drei Fragezeichen und TKKG zählen auf jeden Fall zu den Lieblingshörspielserien. Der Nostalgie wegen würde ich mich über Reiterhof Dreililien oder Professor Mobilux (Playmobil) in der kassettenbox freuen.

Eine Frage, die uns auf der Seele brennt: Seid ihr Kassettenkinder?

Pascal: Die letzte Kassette hatte ich wohl mit 12 Jahren in der Hand. Und wenn ich auch meist über Handy und Streaming höre, so habe ich die dazugehörige CD doch gerne im Regal stehen!

Sabrina: Mich dürft ihr als absolutes Kassettenkind bezeichnen! Es ist einfach ein schönes Gefühl, seine Sammlung zu erweitern. Auf Flohmärkten lässt sich zum Glück immer mal wieder etwas finden.

Was spornt Euch an, an Eurem Herzensprojekt dran zu bleiben?

Pascal: Sabrina zwingt mich! *lach* Nein im Ernst, der Spaß am Projekt und die Vorfreude auf die nächste Aufnahme sind ungebrochen.  Natürlich ist auch jedes Feedback eine Zusatzmotivation für uns. Das Mettbrötchen für die Seele sozusagen… mit Zwiebeln!

Sabrina: Dem hab ich nichts mehr hinzuzufügen :-)

Nennt uns 3 Eigenschaften vom Medium Hörspiel!

Sabrina: Die Möglichkeit, in eine andere Welt abzutauchen und den Alltag zu vergessen, Kindheitserinnerungen aufleben lassen und mal wieder Kind sein dürfen.

Pascal:  Kopfkino, Entspannung und eine Möglichkeit, Geschichten zu erzählen, wie es selbst das Medium Film nicht könnte. Kein CGI erreicht je deine Fantasie!

Zu guter Letzt noch eine beliebte Frage: Wo seht ihr euch mit “Was hoerst du so?” in zwei Jahren? 8)

Pascal: An der Spitze der Unterhaltungsindustrie und eventuell sogar die Weltherrschaft?

Sabrina: Ähh, ja… . Ich freue mich, wenn uns die Hörer treu bleiben, wir weiterhin so positives Feedback bekommen und Pascal einfach so bleibt, wie er ist.


Sabrina, Pascal! Vielen lieben Dank für das Gespräch :-)!

Was hoerst du so? kannst du über alle gängigen Podcast-Plattformen hören.

Interview mit Ivar Leon Menger & Raimon Weber

Vor einigen Tagen war die kassettenbox in Hörspielmission im beschaulichen Unna unterwegs. Im Kulturzentrum Lindenbrauerei veranstalteten zwei der drei Autoren von “Monster 1983” – Ivar Leon Menger und Raimon Weber – einen Hörspielabend für Freunde der Mystery-Thriller-Hörspielserie.

Wie wir den Abend fanden, kannst Du hier nachlesen.

Du kennst die Hörspielserie nicht? Dann findest Du auf unserem Blog viele Infos zur 80er-Jahre-Popcorn-Hörspielserie “Monster 1983”.

Im Anschluss an den kurzweiligen Abend gaben uns die beiden Autoren ein Interview. An dieser Stelle kannst Du es Dir in voller Länge anhören. Viel Spaß!


### Gewinne ein Original-Autogramm von Ivar Leon Menger ###

Im Anschluss an unser Interview mit Ivar und Raimon gab es eine kleine Autogrammstunde für unsere treuen kassettenbox-Leser. Du möchtest eine handsignierte Autogrammkarte von Ivar Leon Menger gewinnen? Dann beantworte uns einfach folgende Frage:

Gewinnspielfrage:

Wer gehört neben Ivar Leon Menger und Raimon Weber zum Autorentrio von “Monster 1983”?

Um teilzunehmen, schreibe uns eine E-Mail mit der richtigen Lösung an: wir@kassettenbox.de

Teilnahmeschluss ist Sonntag, der 14.01.2018 um 23:59 Uhr. Wir drücken Dir die Daumen! Teilnahmebedingungen: Du musst volljährig sein und einen Wohnsitz in Deutschland haben!

+ + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + +

#4 Monster-Woche: Interview mit Anette Strohmayer und Raimon Weber

Noch … 5 Tage!

Die beiden Co-Autoren von “Monster 1983” haben der kassettenbox einen Besuch abgestattet. Das Interview kannst Du hier in voller Länge nachlesen. Viel Spaß!

Die 3. Staffel von Monster 1983 steht in den Startlöchern: Worauf freut ihr Euch am meisten?

Anette Strohmayer: Wie bestimmte Szenen (welche darf ich noch nicht verraten!) umgesetzt werden von den Sprechern und in der gesamten Inszenierung. Es wird ja diesmal viel Action geben. Und ich bin tierisch gespannt darauf, wie die Hörer unser Finale finden werden.

Raimon Weber: Ich verrate mal soviel: Ich liebe klaustrophobische Szenarien. Da kam mir eine Insel ganz recht.

Gibt es irgendeine Entwicklung aus Staffel 1 und 2, die ihr gerne ungeschehen machen wolltet oder im Nachhinein anders gelöst hättet?

Anette Strohmayer: Na ja, eigentlich gibt es nichts, was ich im Nachhinein als nicht gelungen erachte. Ich finde, jede Figur und jeder Handlungstrag hat etwas für sich. Über das Ende beziehungsweise den Cliffhanger in Staffel 1 könnte man diskutieren. Den würde ich heute vielleicht nicht ganz so krass ansetzen. Andererseits arbeiten die meisten US-Serien auch damit.

Welchen Charakter aus dem “Monster 1983”-Universum habt ihr so richtig ins Herz geschlossen und warum?

Anette Strohmayer: Ach, da gibt es einige. Als Erstes ist da allerdings Landers. Der wird so toll von Ekki Belle gesprochen, dass man ihn einfach liebhaben muss. Für mich ist er der heimliche Held der Geschichte. Dann kommt bei mir Bacon, der ist auch richtig klasse. Ich mag auch den Reverend, selbst wenn er ein schrulliger Charakter ist. Den Vertreter Dexter Loman mag ich auch. Nicht, weil er so nett ist, sondern weil der so genial gut gesprochen wird. Da fällt mir noch etwas zur zweiten Frage ein: Vielleicht hätten wir den einen oder anderen Charakter nicht so schnell hoppsgehen lassen sollen. So wie den besagten Loman. Der hatte viel mehr Potential.

Raimon Weber: In Bezug auf Landers kann ich Anette nur zustimmen. Diese Figur macht eine interessante und sympathische Entwicklung durch. Mein Herz schlägt immer für die „einfachen“ Leute, die, wenn es darauf ankommt, über sich hinauswachsen. Wie Mike, der Mechaniker, oder die fürsorgliche Lucy aus Nero’s Diner. Da würde ich mich doch gern an die Theke setzen und bei ihr einen Hamburger mit extra Zwiebeln bestellen. Für einen Autor hat das Böse natürlich einen besonderen Reiz. Ohne einen richtigen Fiesling funktioniert es nicht. Bürgermeister White! Ich hasse dich! Aber gleichzeitig brauchen wir dich und deine Schergen unbedingt.

Was macht in Euren Augen die Monster-Reihe eigentlich so besonders?
Anette Strohmayer

Anette Strohmayer: “Allein im dunklen Wald ist für mich das Schlimmste.”

Anette Strohmayer: Hmm, besonders … Besonders ist vielleicht das Interesse der Hörerschaft an den 80er Jahren. Und besonders finde ich den Zufall, dass “Monster 1983” und “Stranger Things” als Idee beinahe gleichzeitig entstanden sind. Das ist das beste Beispiel dafür, dass Ideen unabhängig voneinander irgendwo auf der Welt entstehen können. Dass die Zeit sozusagen reif war für ein solches Genre. Besonders ist vielleicht auch noch, dass wir Harmony Bay mit wirklich vielen Einwohnern bestücken durften. Dass wir die Spielzeit und die Sprecher bekommen haben, um ein solches Universum aufbauen zu können. Wir haben es Audible zu verdanken, dass wir ein Hörspiel wie eine TV-Serie erzählen durften, was es möglich macht, die Charaktere tiefgründiger anzulegen. Das macht, denke ich, den Reiz von “Monster 1983” aus, dass die Charaktere wirklich leben.

Wie definiert ihr Eure Rolle aus Co-Autoren? Seid ihr für bestimmte Handlungsstränge verantwortlich?

Anette Strohmayer: Nein, jeder hatte seine Folgen, dabei haben sich die Handlungsstränge durchaus überschnitten. Da wir aber vorher gemeinsam alle Figuren und Szenen bis ins Detail geplant hatten, wusste jeder, wo er ansetzen und weitermachen konnte. Natürlich hat Ivar am Ende dem Ganzen einen letzten Schliff gegeben und das Wording überprüft. Das heißt, ob auch alle Figuren immer die gleiche Sprache benutzen. Alles in allem war es eine super Zusammenarbeit, weil wir drei einfach auf derselben Welle schwimmen und im Kopf oft dieselben Bilder hatten. Wobei jeder schon so seine Besonderheiten mit in den Text gebracht hat.

Raimon Weber: Es ist eine großartige, dreiköpfige Teamarbeit. Ein Glück, dass wir uns getroffen haben und so gut ergänzen. Anette schreibt manchmal so herrlich böse Sachen, während ich dann mal meinen Hang zum Skurrilen freilassen kann. Und Ivar passt auf, dass wir nicht komplett aus dem Ruder laufen. ;-)

Aus dem Nähkästchen geplaudert: Wie arbeitet es sich so mit Ivar Leon Menger zusammen? Wie würdet ihr ihn beschreiben?

Anette Strohmayer: Ivar ist ein unglaublich impulsiver und kreativer Mensch, der es schafft, auch in anderen die Flamme der Begeisterung zu entfachen. Das ist sehr mitreißend. Eine Eigenschaft, die man als Headautor haben muss. Er hat uns die beste Arbeitsatmosphäre geboten und es hat riesigen Spaß gemacht, mit ihm und auch mit Raimon zusammenzuarbeiten. Wir sind einfach ein klasse Team.

Raimon Weber: Anette hat es auf den Punkt gebracht. Hinzufügen möchte ich, dass Ivar auch immer für hervorragende Verpflegung gesorgt hat. Hessische Küche … Schmatz!

Hört ihr privat eigentlich auch Hörspiele? Wenn ja, was könntet ihr unseren Lesern empfehlen?

Anette Strohmayer: Klar, ich bin ein Kassettenkind. Mochte damals lieber Hörspiele hören als ein Buch lesen, was meine Eltern zur Verzweiflung gebracht hat. Meine Highlights damals wie heute sind “Die drei ???”, “TKKG” (ja, ich geb’s zu), “Fünf Freunde”. Von dem Trichter bin ich auch nie runtergekommen. Es gibt aber auch ein paar neuere, die mich gefesselt haben: “Darkside Park”, “Das Lufer Haus”, “Der Prinzessin”. Dazu kommen diverse Hörbücher.

Raimon Weber

Raimon Weber fasziniert “Das Böse”.

Raimon Weber: Ich war in meiner Kindheit und Jugend eher der Bücherwurm. Aber die klassische Kinderliteratur habe ich komplett ausgelassen, nachdem man mir ein „altersgerechtes“ Buch geschenkt hatte, in dem eine drollige Kinderbande samt Terrier einen Bonbondieb überführte. Gähn! Zum Glück konnte ich mich dank unserer erstklassigen Stadtbibliothek schnell Themen wie finsteres Mittelalter, Pestilenz und Katastrophen zuwenden. Wir besaßen aber auch ein paar Schallplatten mit Märchenhörspielen. Ich erinnere mich noch an Rotkäppchen, mit dem legendären Hans Paetsch als Erzähler. Allerdings fiel es mir schon im Alter von sieben Jahren schwer, daran zu glauben, dass der Wolf einfach weiterpennt, während man ihm den Bauch aufschneidet, Rotkäppchen und Oma rausholt und durch Wackersteine ersetzt. Als Jugendlicher, und auch noch heute, verehrte ich den englischen Autor John Christopher. Ich besitze alle seine Werke. Daher empfehle ich die Hörbuch-Version der “Tripods”-Trilogie. Ein Klassiker!

Und zu guter Letzt noch die entscheidende Frage: Macht Euch „das Böse“ Angst?

Anette Strohmayer: Ich bin der totale Schisser im Dunkeln. Das springt bei mir sofort das Kopfkino an. Allein im dunklen Wald ist für mich das Schlimmste. Aber diese Angst ist eher unbestimmt. Böse Menschen machen mir hingegen keine Angst. Das „Böse“ an sich finde ich auch eher faszinierend. Liegt vermutlich daran, dass ich noch nie etwas wirklich Bösem begegnet bin. Gott sei Dank.

Raimon Weber: Die Recherche für meine Krimis machte mich mit den Abgründen der menschlichen Psyche vertraut. Ich sprach mit Serientätern, jenen, die sie jagten und den Spezialisten der Gerichtsmedizin. Daher bin ich davon überzeugt, dass das Böse überall und in jeder noch so harmlos wirkenden Person lauern kann. Angst macht mir das nicht, aber ich lasse eine gewisse Vorsicht walten. Passt immer gut auf euch auf …!

Liebe Anette, lieber Raimon, wir danken Euch herzlich für dieses Gespräch.