Humanemy – Das Chamäleon (1)

Auf der Hörmich 2017 haben wir so allerhand Rezensionsexemplare abgestaubt, darunter auch die 1. Folge der “Humanemy”-Reihe von Lindenblatt Records: “Das Chamäleon”. Erschienen ist die Folge bereits im Jahr 2013. Daher wurde es höchste Zeit, dass wir hier einmal reinlauschen.


Das Chamäleon

Lennart (Thomas Lindner), auch “das Chamäleon” genannt, ist Agent und befindet sich mitten im Einsatz. Das bedeutet, er durchsucht gerade die Wohnung von Yamal (Alex Wesselsky) nach Indizien, die ihn kalt stellen sollen. Doch Lennart findet zunächst keine Anhaltspunkte.

Gefahr für die staatliche Sicherheit

Yamal – das ist eine Art It-Girl, der momentan den richtigen Leuten die falschen Fragen stellt und damit die staatliche Sicherheit bedroht. Aus diesem Grund muss das Chamäleon ans Werk und findet schließlich einen Koffer mit einem Datenstick, dessen Inhalt er sich sichert.

Ein Agent im Kleiderschrank

Als plötzlich Yamal mit einer Frau in die Wohnung zurückkehrt, muss Lennart schnell handeln und verschwindet im Kleiderschrank – im Ohr immer noch mit seinem Kollegen (dem “OpeRAYtor”, den Lennart als Schwachkopf betitelt,) verbunden. Während Yamal äußersten Spaß mit Guillotine (Stephanie Marin) hat, erfährt Lennart plötzlich, dass sein Auftrag abgebrochen wird, weil Yamal auf einmal die höhste Immunitätsstufe innehat. Und plötzlich ist Lennart auf sich alleingestellt … Wie er sich wohl aus dem Schlamassel befreien wird?


Fazit

Inhalt:

Ein aufregendes Hörspiel, bei dem man teilweise gar nicht weiß, wo man zuerst hinhören soll, weil so viele Geräusche aufeinandertreffen. Die Geschichte um den Agenten Lennart hat noch gar nicht richtig begonnen, als sie schon so richtig aus den Fugen gerät. Auf geheimer Mission wird ihm plötzlich die Legitimation entzogen, weil dem Opfer auf einmal volle Immunität zugestanden wird. Das Chamäleon tigert von einem Bekannten zum nächsten und versucht sich so aus der Situation zu retten. Statt, dass sich “die Rettung” einstellt, reitet sich Lennart immer weiter hinein und verfolgt schlussendlich eine weitereDürfen Mission, die bis zur Oberstaatsanwaltschaft reicht …

Das Hörspiel hat viele Charaktere und Schauplätze zu bieten, die den Hörer zunächst einmal überfordern. Man braucht seine Zeit, um reinzufinden, die Sprecher auseinander zu halten und für sich einen roten Faden zu entwickeln. “Humanemy” Folge 1 ist nichts für zwischendurch. Man muss sich darauf einlassen, um den Überblick zu wahren und dann kann man aber auch nicht mehr weghören. Wir sind definitiv gespannt auf Folge 2!

Sprecherleistung:

Statt einem richtigen Erzähler, der einem die Hintergründe erläutert, wird man hier durch die Gedankengänge von Lennart, dem Chamäleon, auf dem Laufenden gehalten. Thomas Lindner als Lennart bewältigt diese Aufgabe souverän. Die Art und Weise, wie der Hörer seine Gedanken mithört, ist gut, markant und vor allem so umgesetzt, dass es neugierig macht und Interesse weckt. Seine Gedankengänge sind klasse! Die Untermalung hebt sich deutlich von seinem normalen Sprechton ab, wirkt gleichzeitig ein bisschen, als schwebe er über den anderen.

In der 1. Folge von “Humanemy” haben wir es mit ausdrucksstarten Stimmen zu tun. Ob Lennart, Herr Schmidt, Bones oder die Guillotine – Der Hörer wird in “Das Chamäleon” mit klangstarken Stimmen konfrontiert, die alle auf ihre Art einzigartig sind. Ob rauchig, verkratzt, schrill oder quietschig-seidig – hier ist alles mit von der Partie.

Geräusche und Musik:

In einem Hörspiel wie “Humanemy” spielt die Musik natürlich eine herausragende Rolle. Schnelle, laute Klänge und Geräusche sorgen für erhöhten Hörer-Puls und Spannung. Schüsse, Alarmsignale und schrille Signale verursachen Hektik und Nervenkitzel. Inhalt und Musik ergänzen sich gut. Der Hörer kann nicht mehr weghören.

Cover und Titel:

Das Cover passt sich dem Inhalt und den Geräuschen an. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hingucken soll. Gerade das macht es vielleicht auch aus und gerade so aufregend. Das Chamäleon steht in dieser Folge im Mittelpunkt, weshalb der Titel eigentlich gar nicht anders hätte lauten können.


Fakten

Genre:

Dark Future /  Cyberpunk

Label:

Lindenblatt Records

Gesamtspiellänge:

ca. 64 Minuten

Produktionsjahr:

2013

Lieblingszitat:

Lennart: “Ich bin nun kein Agent mehr. Ohne den Schutz und die Legitimierung der Regierung bin ich einfach nur ein Mörder”


Besetzung:
Lennart, das Chamäleon Thomas Lindner
Maurice, der Fahrer Patrick Borlé
Bones Stefan Lindner
Center Johnny Wittermann
Yamal Alex Wesselsky
“die Guillotine” Stephanie Marin
“OpeRAYtor” Ray Brandt
Bardame Claudia Urbschat-Mingues
Tanto Lukas Lindner
Konstantin Martin Duckstein
Kemal Kismet Aydin Holly Loose
Mangold Christian Brandt
SEK-Chef Björnson Peter Henrici
Herr Schmidt Jo Hempel
Hauptkommissar Wulff Simon Pearce
Wirtin Simone Wolfe
Gangboss Merlin Stefan Baumgartner
Stimme im Intro Oliver Mink

In eigener Sache:

Für diesen Blogbeitrag haben wir ein Rezensionsexemplar von Lindenblatt Records erhalten. Der Text wurde in Eigenregie erstellt und spiegelt unsere persönliche Meinung wider. Sie wurde in keiner Weise von Autoren, Produzenten oder Labels beeinflusst.

Folge der Woche: Foster – Prolog: Die Seele eines Dämons (1)

Das Böse wartet nicht. Es wird ein Loch in unsere Welt stoßen und über uns kommen. Man kann es nicht aufhalten. Die Macht des Dämons ist größer als alles, was wir ihm an Waffen entgegensetzen könnten. Agent Blunt, 22. August 1944

© IMAGA – aus: Foster, Hörspielserie


1944

Während des Zweiten Weltkriegs wird eine alliierte Spezialeinheit nach Österreich geschickt, um einen ihrer Agenten aus den Fängen der Nazis zu befreien. Vor Ort müssen die Soldaten jedoch feststellen, dass ihre Mission umfangreicher ist, als ursprünglich angenommen. Der gesuchte Agent berichtet von unglaublichen Vorgängen in einem Kloster. Seltsame Rituale und der Vorhof zur Hölle warten auf die Alliierten …

Ein gefährlicher Dämon

Als ein Dämon seine Sphäre verlässt, bringt er Unheil über alle Personen im näheren Umkreis. Durch den Angriff sterben einige der Alliierten. Schließlich gelingt es dem Anführer, den Dämon mithilfe eines magischen Schwertes zu bezwingen. Fortan ist dieser in einem Edelstein gefangen.

Ein Fluch, der Zeiten überdauert

Etliche Jahre später – die meisten Mitglieder scheinen den Vorfall inzwischen überwunden zu haben – melden verschiedene Gruppen aus unerfindlichen Gründen Interesse am Edelstein an und versuchen, ihn in ihren Besitz zu nehmen. Nach und nach werden sämtliche Mitglieder der Spezialeinheit von einst ausgelöscht und der Stein wechselt seinen Besitzer – mit unabsehbaren Folgen.

Das unfassbar Böse trifft Vorbereitungen, die Erde fortan in Angst und Schrecken zu versetzen. Zahlreiche, scheinbar unzusammenhängende Ereignisse fädeln sich zu Vorboten einer unabwendbaren Apokalypse zusammen. Bedeutet dies das Ende der menschlichen Zivilisation, wie wir sie kennen?


Fazit

Inhalt:

Eines vorweg: “Foster” ist dreckig und blutig. Wer auf actiongeladenen und kurzweiligen Thriller-Content steht, wird mit “Foster” akustisch bestens unterhalten. “Foster” ist jedoch keine Serie für zarte Gemüter, denn: Die Leichtigkeit einer John Sinclair-Folge wird definitiv nicht dargeboten.

Bei der ersten Folge der “Foster”-Reihe von Oliver Döring handelt es sich um einen Prolog – das merkt man auch ganz deutlich. Mehrere Handlungsstränge werden zunächst unabhängig voneinander eingebettet und verdichtet. Das narrative Muster ist geprägt von etlichen Zeitsprüngen (vom Zweiten Weltkrieg bis in die 70er-Jahre) und schnellen Schnitten, die dem Hörer die Geschehnisse greifbar machen sollen, teilweise aber konfus sind. Durch die Hektik kommt die Handlung nicht so recht in Fahrt – viel Action und Kino für die Ohren, aber wenig Inhalt!

Mit der abwechslungsreichen Hörspielreihe “Foster” ebnet der bekannte Regisseur und Autor Oliver Döring (“John Sinclair” 1-70, “End of Time”) den Weg für einen Horror-Krimi, der eine dunkle Bedrohung aus der Vergangenheit kreiert, die wie ein Damoklesschwert über der unwissenden Menschheit schwebt. Daneben Agenten und Geheimbünde. Ein Dämonenjäger soll dieses Unheil nun abwenden. Der Plot splittet sich in viele, stellenweise unübersichtliche Einzelteile, die erst noch in ein stimmiges Ganzes gefügt werden müssen.

Das ungewöhnlich Spannende dabei: Hauptcharakter Foster wird erst gegen Ende der Folge dem Hörer vorgestellt. Entgegen der Hörgewohnheiten spielt der Titelheld bis hierhin keine große Rolle. Wir haben es also mit einer Folge ohne Helden zutun und es funktioniert. Anders als “die üblichen Dämonenjäger” aus der Hörpielwelt, wirkt Foster resoluter, aber auch unheimlich und mysteriös.

Die Pilotfolge “Die Seele eines Dämons” ist recht vielversprechend und bietet einen spannenden Einstieg in die Serie, die entweder Lust auf mehr macht oder man merkt bereits nach der ersten Folge, dass dieses Genre nicht für einen gemacht ist. Letztlich überwiegen jedoch Spannung und eine gewisse Erwartungshaltung auf die nächste Folge, die sicherlich aus der Frage resultiert, wer denn dieser Foster nun eigentlich ist. Sensationell Neues liefert die Serie jedoch nicht, sondern hält sich mit Ingredienzen über Wasser, die der Hörspielwelt bekannt sind.

Sprecherleistung:

Der Sprechercast zu “Die Seele eines Dämons” besteht aus der Crème de la Crème der deutschen Synchronszene. Die Stimmen sind bis in die kleinste Tonspur perfekt abgestimmt. In puncto Regieleistung ist anzumerken, dass die Schauspieler in Gruppen und nicht etwa jeder einzeln aufgenommen wurde. Das liefert einen Funken mehr Glaubwürdigkeit.

Schade ist die teils arg gekünstelte bzw. affektierte Sprachverwendung. Die Schimpftiraden wirken stellenweise aufgesetzt und unnatürlich. Das sorgt leider dafür, dass man hin und wieder schmunzeln muss, weil man das Gesagte als albern – und fernab der Realität – empfindet.

Auf einen Erzähler wird in “Foster” durchweg verzichtet – schade! Denn: Die vielen Cuts würden durch einen Erzähler sicherlich mehr Futter erhalten. Ohne erzählerischen Hintergrund ist man als Hörer mitunter orientierunglos, wenn man nicht ganz genau hinhört. Hintergrundberieselung Fehlanzeige!

Geräusche und Musik:

IMAGA steht für stimmige und atemberaubende Soundeffekte, die die passende Action durch die Kopfhörer transportieren. Die vielen Effekte und düsteren Klänge erschaffen in “Prolog: Die Seele eines Dämons” ein stellenweise beeindruckendes Ambiente, das an Thriller und Horror-Krimi erinnert.

Musik spielt bei “Foster” keine große Rolle – das ist schade! Diese wird nur unterschwellig eingesetzt. Monotone und zur bedrohlichen Stimmung passende Samples sorgen für eine noch düstere Stimmung, die ohnehin schon durch die wuchtigen Geräusche und Stimmen erzeugt wird.

Cover und Titel:

Das Cover zur ersten “Foster”-Folge bildet ein gruseliges Motiv: ein blutiger Totenkopf, umringt von Kabeln und Schläuchen, durchlöchert mit spitzen Eisenstäben. Visuell gibt es keinen Zusammenhang zur Geschichte. Der Titel ist passend gewählt und gibt einen Vorgeschmack auf die Geschichte.


Fakten

Label:

IMAGA Hörspiele / WortArt

Gesamtspiellänge:

ca. 53 min.

Produktionsjahr:

2016

Buch und Regie: 

Oliver Döring

Produktion:

Oliver Döring
Alex Stelkens


Besetzung:

u.a. mit Jörg Hengstler, Martin Keßler, Frank Schaff, Gerrit Schmidt-Foß, Dana Friedrich, Liane Rudolph, Thomas Nero Wolff, Bernd Rumpf, Susanna Bonaséwicz, Marion von Stengel, Kathrin Fröhlich, Bernd Vollbrecht, Marco Göllner, Jaron Löwenberg, Bernd Vollbrecht und Thomas Nero Wolff als Foster*

*Aufgrund der groß angelegten ersten Episode, hat das Label im Booklet auf eine direkte Zuweisung der einzelnen Sprecherrollen verzichtet.