Die Zeitmaschine nach H.G. Wells (Oliver Döring)

Die “Zeitmaschine” bildet den Auftakt zur Hörspielreihe rund um die Kurzgeschichten H.G. Wells. Es folgen “Das Imperium der Ameisen” und der Dreiteiler “Krieg der Welten”. Für die Produktion war Hörspielproduzent Oliver Döring (u.a. “Star Wars”, “John Sinclair”, “End Of Time”) verantwortlich. Hören wir einmal genauer hin, was es mit dem Wells’schen Remake-Debüt auf sich hat!


Zur Romanvorlage:

Die Zeitmaschine (“The Time Machine”) von 1895 ist die erste literarische Beschreibung einer Zeitreise in die Zukunft und gilt heute als Vorreiter für die moderne Science Fiction-Literatur; ohne dabei jedoch die gängigen Klischees zu bedienen.  Im Mittelpunkt der Dystopie steht ein junger Forscher und Erfinder, der mit einer selbstgebauten Zeitmaschine die Gegenwart hinter sich lässt und ferne Zeitebenen bereist. Im Jahr 802.701 angekommen, findet er schließlich eine Erde vor, auf der fast alles menschliche Leben erloschen ist – bis er auf das Volk der freundlich-naiven Eloi trifft, die scheinbar in paradiesischen Zuständen leben. Doch dann entdeckt er, dass die Eloi von den nachtaktiven, monsterartigen Morlocks aus dem Untergrund beherrscht und gewissermaßen als Schlachtvieh gehalten werden. Doch es gibt kein Weg zurück …

Lange vor Einstein

Groß und zeitlos – der Roman von H.G. Wells ist keineswegs veraltet und spannend bis in die heutige Zeit. H.G. Wells war, ebenso wie Jules Verne, seiner Zeit weit voraus. Er machte sich Gedanken über Zeitreisen, die vierte Dimension und die Relativität, lange bevor dies Bestandteil von Einsteins Forschung wurde. Auch überrascht seine Vorstellung der Zukunft, die auf den ersten Blick paradiesisch erscheint, doch dann dystopisch widerspiegelt, wie eine Zivilisation, die wissenschaftlich auf dem höchsten Stand war, langsam verfällt und nur ein paar wenige verfallene Bauten in der Natur zurücklässt. „Die Zeitmaschine“ ist ein nach wie vor spannender Roman, der nicht nur Science Fiction-Fans erfreut, sondern auch der Gesellschaft einen Spiegel vorhält und das aktueller denn je.


Während in dem ersten Teil die Grundsituation vorgestellt und die Entwicklung der Menschheit skizziert wird, konzentriert sich die Handlung im zweiten Teil auf Jacks Erlebnisse in der weit entfernten Zukunft bei den Eloi. Neben all der Spannung wird auch die menschliche Entwicklung von Weena sehr gekonnt dargestellt, die sich langsam an Jacks Neugier ein Beispiel nimmt und selbst anfängt, nachzudenken und zu hinterfragen. Gekrönt wird dies von einigen philosophischen Fragen, die Jack am Ende im Kreise seiner Freunde stellt.

Hier kommt eine kleine Inhaltsangabe:

Auf Zeitreise: Jack Milton

Jack Milton (Hans-Georg Panczak) liebt das Zeitreisen. Sehr zum Leidwesen der Universität, die dem ambitionierten Professor die Unterschlagung von Forschungsgeldern vorwirft. Seine Freunde halten zu ihm, doch der Zeitreisende wird schon bald sichtbare Ergebnisse präsentieren müssen, um Zeit und Geld zu legitimieren.

Bei seinen Zeitreisen nimmt Jack immer einen Kassettenrekorder – ;-) – mit, um seine Berichte aufzuzeichnen. Im Jahr 4000 unternimmt der Zeitreisende einen Zwischenstopp; hier herrscht ein Überwachungsstaat und es gibt kein Geld mehr. Man hält Jack für einen Terroristen und macht Jagd auf ihn. Jack ist in der weit entfernten Zukunft zwar sicher angekommen, doch da seine Zeitmaschine verschwunden ist, hat er keine Chance, zurückzukehren. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als bei den freundlichen Eloi zu bleiben. Doch trotz der Friedlichkeit ihrer Welt wundert sich Jack über den Gleichmut der Erdenbewohner. Dann lernt er die faszinierende Weena  (Luisa Wietzorek) kennen …

Jack führt es ins Jahr 802.701. Die Menschheit hat von 1914 bis dato fünf Weltkriege geführt. Am Schluss des Hörspiels, bevor Jack erneut in die Zukunft reist, zerstört er seine Pläne der Zeitmaschine, damit sie nicht für militärische Zwecke missbraucht werden kann.


Fazit

Inhalt:

Die folgenreiche Hörspieladaption von H.G. Wells “Die Zeitmaschine” ist ein Zweiteiler, der es in sich hat. “Die Zeitmaschine” bietet viel inhaltlichen Freiraum für leise Zwischentöne. Auch kommt immer wieder eingestreut zum Ausdruck, dass die Menschheit, die Politik und die Gesellschaft – selbst mit fortschreitender Erdzeit – keineswegs schlauer oder reifer geworden ist.

Erzählt wird die packende Geschichte eines Mannes, der in eine ferne Zukunft reist und dort das Grauen erlebt. Die Inszenierung ist äußerst aufwendig. Oliver Döring verlässt sich nicht darauf, dass der angestaubte Stoff schon irgendwie durch den Namen des Autors und den Bekanntheitsgrad der Geschichte genug Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird und man mit einer 08/15-Produktion die üblichen Käufer in die Läden bringen kann – im Gegenteil: Oliver Döring belebt die Geschichte neu und verpasst ihr eine Verjügungskur.

Regisseur Oliver Döring versetzt die Erfindung der Zeitmaschine in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts, in die Zeit nach der ersten Mondlandung, der ersten Personal Computer und der Concorde, in der die technologische Entwicklung große Schritte gemacht hat. Ebenso war dies eine Epoche der Angst vor Kriegen, Weltuntergang und unkontrollierbaren neuen Technologien, was den heutigen Hörern den moralischen Hintergrund des Zeitreisenden näher bringt.

Sprecherleistung:

Schon die ersten Augenblicke lassen ein außergewöhnliches Hör-Abenteuer vermuten: Ein immer lauter werdendes Ticken einer alten Uhr empfängt den Hörer, bevor Ex- “John Sinclair”- Mitstreiter Joachim Kerzel die Kurzansage übernimmt, um dann von futuristisch anmutenden Klängen scheinbar hinweggefegt zu werden. Schon befindet sich der Hörer in der vermeintlich guten alten Zeit, im viktorianischen England, im Jahre 1894, inmitten “Filby”- Rufen und dem Getrappel einer Pferdekutsche. Doch auch hier verweilen wir nur sehr kurze Zeit.

“Die Zeitmaschine” versammelt herausragende „Hollywood-Synchronstimmen“, darunter Maximiliane Häcke, Nico Sablik und Joachim Kerzel. Das Sprecherteam ist bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzt. Hans-Georg Panczak (u. a. Stimme von Mark Hamill, Richard Thomas, „Harry Shearer“) ist natürlich wieder als Jack zu hören. Er versteht es, die Spannungsbogen der Geschichte gut nachzuzeichnen. Luisa Wietzorek (Emma Roberts, Isabel Lucas, Jenna Coleman) ist mit ihrer sanften Stimme eine sehr gute Besetzung für die Rolle der Weena, wobei sie die voranschreitende Wandlung der Eloi gekonnt darstellt. Auch Marianne Groß kann als Roboterfrau begeistern. Sie passt ihre ausdrucksstarke Stimme gekonnt an die kühle Ausstrahlung der Figur an.

Die Dialoge wirken lebendig, transportieren Spannung und Emotionen und werden in Verbindung mit dem Soundkonzept zu einer authentischen Produktion, die die gesamte Bandbreite der Geschichte deutlich werden lässt und klarmacht, warum dieses Buch zu den Klassikern der Weltliteratur zählt.

Geräusche und Musik:

Durch das fantastische Sounddesign und die filmreife Musik wird Wells visionäres Werk zum Kopfkino. Döring bringt in jeder kleinsten Szene technische Spielereien mit ein, die sehr passend sind und die Wirkung unterstützen. Ansonsten ist die Umsetzung für Döring ungewöhnlich ruhig. Viele Melodien sorgen für einen atmosphärischen Verlauf, während in den Schlusszenen unter der Erde einige passend plazierte Geräusche für den Gruselfaktor sorgen.

Cover und Titel:

Das schwarze Cover mit der riesigen, weißen Uhr springt beim ersten Titel sofort ins Auge. Vor der Uhr steht ein Mann im Anzug, der nur von hinten zu sehen ist. Im Titel-Schriftzug ist ebenfalls eine Uhr zu sehen. Schon auf den ersten Blick erkennt der Betrachter, worum es in diesem Hörspiel geht; ein echter Hingucker. Die Schriftzüge wirken technisch klar und futuristisch. Das eigentliche Motiv auf dem zweiten Cover bildet ein menschliches Gesicht, das in viele technische Symbole eingerahmt ist.

Was macht eigentlich … Oliver Döring?

Produzent Oliver Döring ist ein Urgestein der Hörspielszene und seit den ersten 70er-Folgen der “John Sinclair- Edition 2000”- Hörspielserie (sowie den ersten neun Classic-Folgen) gut bekannt. Döring hat auch bei weiteren Serien den Hut auf: “Don Harris”, “Star Wars”, “End of Time”, “The Border” und “Foster”.


Fakten

Genre:

Science Fiction

Label:

IMAGA / Folgenreich

Gesamtspiellänge:

Teil 1 und 2 je ca. 59 Minuten

Produktionsjahr:

VÖ: 29.09.2017


Besetzung:

– Teil 1 –

Jack Hans-Georg Panczak
Cabbs Bernd Rumpf
Peter Udo Schenk
Mr. Blank Oliver Stritzel
Mr. Chose Reinhard Kuhnert
Mrs. Watchett Susanna Bonaséwicz

sowie Alexander Doering, Sascha Rotermund, Peter Groeger, Roland Wolf, Asad Schwarz, Nico Sablik, Jaron Löwenberg, Christian Puciata, Hans Bayer, Berenice Weichert, Marieke Oeffinger, Matthis Schmidt-Foß, Antje Von Der Ahe und Joachim Kerzel.

– Teil 2 –

Weena Luisa Wietzorek
Mr. Blank Oliver Stritzel

sowie Marianne Groß, Maximiliane Häcke, Juliane Ahlemeier, Nico Sablik, Marcus Staiger, Annika Gausche und Joachim Kerzel.


In eigener Sache:

Für diesen Blogbeitrag hat uns das Team von Folgenreich ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Text wurde in Eigenregie erstellt und spiegelt unsere persönliche Meinung wider. Sie wurde in keiner Weise von Autoren, Produzenten oder Labels beeinflusst.

Das Imperium der Ameisen nach H.G. Wells (Oliver Döring)

Nach dem Zweiteiler “Die Zeitmaschine” ist “Das Imperium der Ameisen” das zweite Hörspiel von Oliver Döring nach einer Kurzgeschichte von H. G. Wells. Hören wir einmal genauer hin!


Ein giftiger Trip

Lukas Holroyd (Julien Haggége), seines Zeichens Biologe, reist im Auftrag eines Pharmakonzens nach Südamerika, um dort eine neu entdeckte Ameisenrasse – genauer ihr Gift – unter die Lupe zu nehmen. Der Regenwald am Amazonas bietet dabei den idealen Nährboden für seltene Spezies.

Das Gift ist hochgefährlich und Stadtmensch Holroyd wenig motiviert, seine gewohnten Laborräume zu verlassen. Und doch steht die Entscheidung schnell fest – nicht ohne Druck seitens Lukas Chefs.

Alles für die Karriere

Mit der Aussicht auf schwüle Hitze, faulende und pilzbefallende Biotope und giftige Urwaldviecher macht sich Lukas auf den Weg nach Loreto, die größte und grünste Region Perus. Schon bei Antritt der Reise schleicht sich bei Lukas ein mulmiges Gefühl ein, denn der Kontakt zum vor Ort eingesetzten Forscher John ist schon seit einiger Zeit abgebrochen. Was ist mit John geschehen?

Ameise für Ameise

In Loreto angekommen, wird Lukas von Kapitän Gerilleau (Carlos Lobo) empfangen. Die Reise führt die beiden auf einem Kanonenboot immer tiefer in den Urwald hinein zur Forschungsstation. Und schon bald treffen Lukas und Gerilleau auf die ersten Ameisen, die sich schon sehr weit entwickelt haben. Dabei entpuppt sich das tötliche Gift nicht als einzige Gefahr …


Fazit

Inhalt:

“The Empire of the Ants” lautet der Titel der Kurzgeschichte von H.G. Wells, die 1905 erschienen ist. Produzent Oliver Döring verschiebt die Geschichte für seine Hörer in die jüngere Vergangenheit. Wer glaubt, dass die Ameisen über das Land herfallen und reihenweise Menschen töten, irrt! Im Hörspiel wird geschickt ein realistisches Bedrohungsszenario aufgebaut, das dem Menschen aufzeigt, wie groß und kraftvoll die Welt wirklich ist.

Hierzu tragen im Wesentlichen die drei Protagonisten bei: Zum einen Holroyd, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird. Zum anderen hören wir die naturverbundenen Charaktere Gerilleau und Ernest, die einen Kontrast zur Person von Lukas darstellen. Die erste Begegnung mit den Ameisen wird absolut spannend inszeniert. Und doch verzichtet man auf grausame Angriffe, auch wenn es einen Toten gibt. Die Gänsehaut entwickelt sich durch die Bedrohungslage in der Szene. Als die Ameise schließlich im Glas eingefangen wird, erreicht der Spannungsbogen mit Erreichung des Regenwaldes den Siedepunkt. Wie hat sich die Ameise im Glas verhalten?

Sprecherleistung:

Döring setzt in “Das Imperium das Ameisen” auf renommierte Schauspieler und Hollywood-Synchronsprecher wie Julien Haggége, Carlos Lobo, Douglas Welbat und Oliver Stritzel. Aber auch Größen aus der Hörspielwelt hat Döring im Aufnahmestudio versammelt: Boris Tessmann kennen wir aus “Geisterjäger John Sinclair” und “TKKG”; Daniel Montoya aus “Mark Brandis” und “Dorian Hunter”. Auch Synchronsprecherlegende Joachim Kerzel ist mit von der Partie (Dustin Hoffmann, Anthony Hopkins, Jack Nicholson).

Im Wesentlichen tragen die drei erfahrenen Sprecher Julian Haggége als Holroyd, Carlos Lobo in der Rolle des Gerrileau, und Douglas Welbat als Ernest die Handlung. Das Trio macht einen guten Job und gekonnt gelingt es den Akteuren, die jeweiligen Eigenarten der Charaktere an das Ohr des Hörers zu bringen.

Geräusche und Musik:

Musik- und Sounddesign passen perfekt. Dezente Kulissen fügen sich gut in das unaufdringliche Gesamtkonzept.

Cover und Titel:

Das Cover ziert eine düstere Kulisse à la Star Wars. Die beiden abgebildeten Ameisen wirken recht harmlos. Der Titel ist die deutsche Übersetzung des Wells’schen Orginals “The Empire of the Ants”.


Fakten

Genre:

Öko-/Mystery-Thriller

Label:

IMAGA / Folgenreich

Gesamtspiellänge:

ca. 56 Minuten

Produktionsjahr:

VÖ: 24.11.2017


Besetzung:
Holroyd Julien Haggége
Gerilleau Carlos Lobo
Ernest Douglas Welbat
John Boris Tessmann
Richard Oliver Stritzel
Da Cunha Daniel Montoya

sowie Julia Kaufmann, Robert Frank, Natascha Geisler, Martin Baden, Marcus Staiger und Joachim Kerzel.


In eigener Sache:

Für diesen Blogbeitrag hat uns das Team von Folgenreich ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Text wurde in Eigenregie erstellt und spiegelt unsere persönliche Meinung wider. Sie wurde in keiner Weise von Autoren, Produzenten oder Labels beeinflusst.

Folge der Woche: Foster – Prolog: Die Seele eines Dämons (1)

Das Böse wartet nicht. Es wird ein Loch in unsere Welt stoßen und über uns kommen. Man kann es nicht aufhalten. Die Macht des Dämons ist größer als alles, was wir ihm an Waffen entgegensetzen könnten. Agent Blunt, 22. August 1944

© IMAGA – aus: Foster, Hörspielserie


1944

Während des Zweiten Weltkriegs wird eine alliierte Spezialeinheit nach Österreich geschickt, um einen ihrer Agenten aus den Fängen der Nazis zu befreien. Vor Ort müssen die Soldaten jedoch feststellen, dass ihre Mission umfangreicher ist, als ursprünglich angenommen. Der gesuchte Agent berichtet von unglaublichen Vorgängen in einem Kloster. Seltsame Rituale und der Vorhof zur Hölle warten auf die Alliierten …

Ein gefährlicher Dämon

Als ein Dämon seine Sphäre verlässt, bringt er Unheil über alle Personen im näheren Umkreis. Durch den Angriff sterben einige der Alliierten. Schließlich gelingt es dem Anführer, den Dämon mithilfe eines magischen Schwertes zu bezwingen. Fortan ist dieser in einem Edelstein gefangen.

Ein Fluch, der Zeiten überdauert

Etliche Jahre später – die meisten Mitglieder scheinen den Vorfall inzwischen überwunden zu haben – melden verschiedene Gruppen aus unerfindlichen Gründen Interesse am Edelstein an und versuchen, ihn in ihren Besitz zu nehmen. Nach und nach werden sämtliche Mitglieder der Spezialeinheit von einst ausgelöscht und der Stein wechselt seinen Besitzer – mit unabsehbaren Folgen.

Das unfassbar Böse trifft Vorbereitungen, die Erde fortan in Angst und Schrecken zu versetzen. Zahlreiche, scheinbar unzusammenhängende Ereignisse fädeln sich zu Vorboten einer unabwendbaren Apokalypse zusammen. Bedeutet dies das Ende der menschlichen Zivilisation, wie wir sie kennen?


Fazit

Inhalt:

Eines vorweg: “Foster” ist dreckig und blutig. Wer auf actiongeladenen und kurzweiligen Thriller-Content steht, wird mit “Foster” akustisch bestens unterhalten. “Foster” ist jedoch keine Serie für zarte Gemüter, denn: Die Leichtigkeit einer John Sinclair-Folge wird definitiv nicht dargeboten.

Bei der ersten Folge der “Foster”-Reihe von Oliver Döring handelt es sich um einen Prolog – das merkt man auch ganz deutlich. Mehrere Handlungsstränge werden zunächst unabhängig voneinander eingebettet und verdichtet. Das narrative Muster ist geprägt von etlichen Zeitsprüngen (vom Zweiten Weltkrieg bis in die 70er-Jahre) und schnellen Schnitten, die dem Hörer die Geschehnisse greifbar machen sollen, teilweise aber konfus sind. Durch die Hektik kommt die Handlung nicht so recht in Fahrt – viel Action und Kino für die Ohren, aber wenig Inhalt!

Mit der abwechslungsreichen Hörspielreihe “Foster” ebnet der bekannte Regisseur und Autor Oliver Döring (“John Sinclair” 1-70, “End of Time”) den Weg für einen Horror-Krimi, der eine dunkle Bedrohung aus der Vergangenheit kreiert, die wie ein Damoklesschwert über der unwissenden Menschheit schwebt. Daneben Agenten und Geheimbünde. Ein Dämonenjäger soll dieses Unheil nun abwenden. Der Plot splittet sich in viele, stellenweise unübersichtliche Einzelteile, die erst noch in ein stimmiges Ganzes gefügt werden müssen.

Das ungewöhnlich Spannende dabei: Hauptcharakter Foster wird erst gegen Ende der Folge dem Hörer vorgestellt. Entgegen der Hörgewohnheiten spielt der Titelheld bis hierhin keine große Rolle. Wir haben es also mit einer Folge ohne Helden zutun und es funktioniert. Anders als “die üblichen Dämonenjäger” aus der Hörpielwelt, wirkt Foster resoluter, aber auch unheimlich und mysteriös.

Die Pilotfolge “Die Seele eines Dämons” ist recht vielversprechend und bietet einen spannenden Einstieg in die Serie, die entweder Lust auf mehr macht oder man merkt bereits nach der ersten Folge, dass dieses Genre nicht für einen gemacht ist. Letztlich überwiegen jedoch Spannung und eine gewisse Erwartungshaltung auf die nächste Folge, die sicherlich aus der Frage resultiert, wer denn dieser Foster nun eigentlich ist. Sensationell Neues liefert die Serie jedoch nicht, sondern hält sich mit Ingredienzen über Wasser, die der Hörspielwelt bekannt sind.

Sprecherleistung:

Der Sprechercast zu “Die Seele eines Dämons” besteht aus der Crème de la Crème der deutschen Synchronszene. Die Stimmen sind bis in die kleinste Tonspur perfekt abgestimmt. In puncto Regieleistung ist anzumerken, dass die Schauspieler in Gruppen und nicht etwa jeder einzeln aufgenommen wurde. Das liefert einen Funken mehr Glaubwürdigkeit.

Schade ist die teils arg gekünstelte bzw. affektierte Sprachverwendung. Die Schimpftiraden wirken stellenweise aufgesetzt und unnatürlich. Das sorgt leider dafür, dass man hin und wieder schmunzeln muss, weil man das Gesagte als albern – und fernab der Realität – empfindet.

Auf einen Erzähler wird in “Foster” durchweg verzichtet – schade! Denn: Die vielen Cuts würden durch einen Erzähler sicherlich mehr Futter erhalten. Ohne erzählerischen Hintergrund ist man als Hörer mitunter orientierunglos, wenn man nicht ganz genau hinhört. Hintergrundberieselung Fehlanzeige!

Geräusche und Musik:

IMAGA steht für stimmige und atemberaubende Soundeffekte, die die passende Action durch die Kopfhörer transportieren. Die vielen Effekte und düsteren Klänge erschaffen in “Prolog: Die Seele eines Dämons” ein stellenweise beeindruckendes Ambiente, das an Thriller und Horror-Krimi erinnert.

Musik spielt bei “Foster” keine große Rolle – das ist schade! Diese wird nur unterschwellig eingesetzt. Monotone und zur bedrohlichen Stimmung passende Samples sorgen für eine noch düstere Stimmung, die ohnehin schon durch die wuchtigen Geräusche und Stimmen erzeugt wird.

Cover und Titel:

Das Cover zur ersten “Foster”-Folge bildet ein gruseliges Motiv: ein blutiger Totenkopf, umringt von Kabeln und Schläuchen, durchlöchert mit spitzen Eisenstäben. Visuell gibt es keinen Zusammenhang zur Geschichte. Der Titel ist passend gewählt und gibt einen Vorgeschmack auf die Geschichte.


Fakten

Label:

IMAGA Hörspiele / WortArt

Gesamtspiellänge:

ca. 53 min.

Produktionsjahr:

2016

Buch und Regie: 

Oliver Döring

Produktion:

Oliver Döring
Alex Stelkens


Besetzung:

u.a. mit Jörg Hengstler, Martin Keßler, Frank Schaff, Gerrit Schmidt-Foß, Dana Friedrich, Liane Rudolph, Thomas Nero Wolff, Bernd Rumpf, Susanna Bonaséwicz, Marion von Stengel, Kathrin Fröhlich, Bernd Vollbrecht, Marco Göllner, Jaron Löwenberg, Bernd Vollbrecht und Thomas Nero Wolff als Foster*

*Aufgrund der groß angelegten ersten Episode, hat das Label im Booklet auf eine direkte Zuweisung der einzelnen Sprecherrollen verzichtet.