Auf einen Kaffee mit Kai Schwind – Hörspiel war irgendwie immer da

Kai Schwind ist Hörspielmacher durch und durch – sei es als Autor, Regisseur oder Sprecher. Nebenbei ist er noch freier Journalist und promovierter Medienwissenschaftler. Und das ganze seit inzwischen über elf Jahren in Norwegen.

Für die aktuelle Live-Tournee “Die drei ??? und der dunkle Taipan” ist Kai Schwind für Inszenierung+Regie verantwortlich. Auf Zwischenstopp in Düsseldorf haben wir uns mit dem Wahl-Osloer getroffen und mit ihm hinter die Arbeitskulissen eines kreativen Hörspielmachers geblickt.


Lieber Kai (…), wir freuen uns sehr, dass Du Dir die Zeit genommen hast, für die kassettenbox ein Interview zu führen. Stell’ Dich doch erstmal vor … Du bist auf jeden Fall ein Hörspielmensch, das wissen wir.

Kai Schwind: [schmunzelt] (…) ‘Hörspielmensch’ finde ich eine sehr schöne Bezeichnung. Das ist tatsächlich gar nicht so entfernt. Ich hätte mich vielleicht ‘Hörspielmacher’ genannt. Ich bin Regisseur, Autor und ab und zu auch Sprecher von Hörspielen. Und auch in letzter Zeit vermehrt Live-Hörspielen – was ich eine sehr interessante Form finde (was es ja in Deutschland mehr und mehr gibt). Und jetzt ganz aktuell bin ich Regisseur der Drei ???-Tournee, die gerade durch die Lande zieht: ‘Die drei ??? und der dunkle Taipan’.

Warum catcht Dich das Medium Hörspiel?

Kai Schwind: Ich glaube, das ist wirklich eine Mischung aus etwas, was eigentlich ganz unintellektuell, so ganz unanalytisch ist, nämlich … das ist ein Medium, mit dem ich aufgewachsen bin. Und was wahrscheinlich auch ein bisschen erklärt, warum das so ein Generationsphänomen ist. Also die Kassettenkinder, gerade die, die eben aus den Ende der 70er-Jahre kommen … wo diese ganzen visuellen Medien einfach noch nicht diese Bedeutung hatten. Wir haben noch nicht so viele Computerspiele gehabt – oder kaum. Fernsehen war irgendwie so ein paar Mal die Woche, zu bestimmten Zeitpunkten.

Aber Hörspiel war irgendwie immer da … das war bei uns im Kinderzimmer. Das war in den Kassetten drin, die neben dem Bett standen … was man im Prinzip permanent hören konnte. Und deswegen ist einem das so ins Unterbewusstsein tatsächlich übergegangen, diese Hörspiele, die man als Kind gehört hat … Märchenplatten, Abenteuerplatten und natürlich dann die ganzen Produktionen aus dem Hause EUROPA – in meinem Fall die ‘Fünf Freunde’ ganz am Anfang, dann ‘Die drei ???’ und ‘TKKG’.

Und die hat man eben immer und immer wieder gehört – was auch so ein interessanter Effekt ist, dass man sich da so dran gewöhnt, dass man die Sachen auswending kann. Und zwar nicht nur jetzt die Dialoge, sondern auch Geräuschabfolgen, Musik, Stimmungen, Atmos, die einem so ins Blut übergehen und irgendwie so zum Teil zur Persönlichkeit gehören.

Kai Schwind

Und so habe ich mich zumindest sehr an diese Art des Erzählens gewöhnt, oder auch an diese Art, Geschichten zu rezipieren – dieses berühmte Kopfkino eben. Da sind Stimmen, Musik und Soundeffekte und die machen diese Bilder, die man im Kopf hat. Und das ist einfach eine Art, die mir bis heute total naheliegt.

Also ich liebe es, Geschichten erzählt zu bekommen, auf akustische Art und Weise und ich denke auch oft selbst so. Wenn mir Geschichten einfallen … Wie kann man die umsetzen? Es ist ganz oft erstmal so eine akustische Herangehensweise.

Das ganze Interview könnt ihr Euch auf unserem SoundCloud-Kanal anhören.

>>> hier entlang!

Interview mit Was hoerst du so – Der Podcast

Schon lange haben wir die Beiden als Partner in der kassettenbox verlinkt & jetzt ist es endlich so weit, wir haben Sabrina und Pascal von Was hoerst du so – Der Podcast ein paar Fragen gestellt. Wer sind die Beiden, wie kam es dazu, dass sie zusammen einen Podcast gestartet habenund wieso eigentlich über Hörspiele?


Liebe Sabrina, lieber Pascal, gemeinsam betreibt ihr den Podcast “Was hoerst du so?”. Wir wollen beim Urschleim anfangen: Wie habt ihr euch kennen gelernt und wie kam es zur Podcast-Idee?

Sabrina: Pascal und ich sind uns gelegentlich auf Feiern begegnet. Mehr als ein freundliches kurzes Gespräch war aber meist nicht drin. Anfang 2016 lag ich zwei Wochen mit Grippe flach. Irgendwann waren alle Folgen der „Drei Fragezeichen“ durchgehört. Inspiriert vom „Fragezeichenpod“, in dem Folgen der „Drei Fragezeichen“ besprochen werden, entstand die Idee, einen Podcast allgemein über Hörspiele ins Leben zu rufen. Wer aber könnte ein geeigneter Podcastpartner sein?! Da fiel mir Pascal ein, der mir auf einer Party mal von Point Whitmark erzählte…

Was ist das Besondere an “Was hoerst du so?” – was macht euren Podcast aus?

Pascal: Ich denke, es ist die Dualität, von dem unser Podcast lebt. Nicht nur, dass wir Männlein und Weiblein sind, nein, einer ist extrem organisiert, der andere etwas chaotisch, einer mehr vorbereitet, der andere eher spontan… und auch unsere Geschmäcker im Hörspiel-Bereich sind sehr unterschiedlich, so dass wir fast alle Genres abdecken.

Außerdem konnten wir seit Bestehen des Podcasts einige Connections knüpfen und freuen uns immer, wenn wir einen Produzenten oder Sprecher als Gast begrüßen dürfen.

Bei uns hat ja alles mit den Drei Fragezeichen angefangen. Seid ihr auch Die drei Fragezeichen Fans? Und hört ihr eigentlich auch Hörspiele zum Einschlafen?

Sabrina: Meine erste Kassette von den Drei Fragezeichen habe ich mit acht Jahren bekommen und seitdem bin ich treuer Hörer. Zum Einschlafen höre ich eigentlich immer ein Hörspiel. Und das müssen nicht unbedingt die Drei Fragezeichen sein. Momentan höre ich auch gerne Professor van Dusen (die alten Fälle) oder auch TKKG.

Pascal: Ich glaube, an den Drei Fragezeichen ist keiner vorbei gekommen, auch wenn ich als Kind eher Scotland Yard und Masters of the Universe gehört habe. Trotzdem höre ich die drei Jungs aus Rocky Beach auch heute noch gerne. Zum Einschlafen darf es dann leichte Kost sein, also Hörspiele die ich bereits mitsprechen kann! ;-)

Was sind eure Lieblingshörspiele bzw. Lieblingshörspielserien? Welches Hörspiel sollten wir unbedingt in der kassettenbox besprechen?

Pascal: Hmm… Die letzten Helden, Drizzt, Mark Brandis, Monster 1983, Sacred – Der Schattenkrieger. Die kann ich euch alle ans Herz/Ohr legen!

Sabrina: Es gibt sehr viele Hörspiele, die ich gerne höre. Die Drei Fragezeichen und TKKG zählen auf jeden Fall zu den Lieblingshörspielserien. Der Nostalgie wegen würde ich mich über Reiterhof Dreililien oder Professor Mobilux (Playmobil) in der kassettenbox freuen.

Eine Frage, die uns auf der Seele brennt: Seid ihr Kassettenkinder?

Pascal: Die letzte Kassette hatte ich wohl mit 12 Jahren in der Hand. Und wenn ich auch meist über Handy und Streaming höre, so habe ich die dazugehörige CD doch gerne im Regal stehen!

Sabrina: Mich dürft ihr als absolutes Kassettenkind bezeichnen! Es ist einfach ein schönes Gefühl, seine Sammlung zu erweitern. Auf Flohmärkten lässt sich zum Glück immer mal wieder etwas finden.

Was spornt Euch an, an Eurem Herzensprojekt dran zu bleiben?

Pascal: Sabrina zwingt mich! *lach* Nein im Ernst, der Spaß am Projekt und die Vorfreude auf die nächste Aufnahme sind ungebrochen.  Natürlich ist auch jedes Feedback eine Zusatzmotivation für uns. Das Mettbrötchen für die Seele sozusagen… mit Zwiebeln!

Sabrina: Dem hab ich nichts mehr hinzuzufügen :-)

Nennt uns 3 Eigenschaften vom Medium Hörspiel!

Sabrina: Die Möglichkeit, in eine andere Welt abzutauchen und den Alltag zu vergessen, Kindheitserinnerungen aufleben lassen und mal wieder Kind sein dürfen.

Pascal:  Kopfkino, Entspannung und eine Möglichkeit, Geschichten zu erzählen, wie es selbst das Medium Film nicht könnte. Kein CGI erreicht je deine Fantasie!

Zu guter Letzt noch eine beliebte Frage: Wo seht ihr euch mit “Was hoerst du so?” in zwei Jahren? 8)

Pascal: An der Spitze der Unterhaltungsindustrie und eventuell sogar die Weltherrschaft?

Sabrina: Ähh, ja… . Ich freue mich, wenn uns die Hörer treu bleiben, wir weiterhin so positives Feedback bekommen und Pascal einfach so bleibt, wie er ist.


Sabrina, Pascal! Vielen lieben Dank für das Gespräch :-)!

Was hoerst du so? kannst du über alle gängigen Podcast-Plattformen hören.

Interview mit Ivar Leon Menger & Raimon Weber

Vor einigen Tagen war die kassettenbox in Hörspielmission im beschaulichen Unna unterwegs. Im Kulturzentrum Lindenbrauerei veranstalteten zwei der drei Autoren von “Monster 1983” – Ivar Leon Menger und Raimon Weber – einen Hörspielabend für Freunde der Mystery-Thriller-Hörspielserie.

Wie wir den Abend fanden, kannst Du hier nachlesen.

Du kennst die Hörspielserie nicht? Dann findest Du auf unserem Blog viele Infos zur 80er-Jahre-Popcorn-Hörspielserie “Monster 1983”.

Im Anschluss an den kurzweiligen Abend gaben uns die beiden Autoren ein Interview. An dieser Stelle kannst Du es Dir in voller Länge anhören. Viel Spaß!


### Gewinne ein Original-Autogramm von Ivar Leon Menger ###

Im Anschluss an unser Interview mit Ivar und Raimon gab es eine kleine Autogrammstunde für unsere treuen kassettenbox-Leser. Du möchtest eine handsignierte Autogrammkarte von Ivar Leon Menger gewinnen? Dann beantworte uns einfach folgende Frage:

Gewinnspielfrage:

Wer gehört neben Ivar Leon Menger und Raimon Weber zum Autorentrio von “Monster 1983”?

Um teilzunehmen, schreibe uns eine E-Mail mit der richtigen Lösung an: wir@kassettenbox.de

Teilnahmeschluss ist Sonntag, der 14.01.2018 um 23:59 Uhr. Wir drücken Dir die Daumen! Teilnahmebedingungen: Du musst volljährig sein und einen Wohnsitz in Deutschland haben!

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kb-nachgefragt: Backstage-Interview mit Oliver Rohrbeck & Detlef Bierstedt

Am 8.12. waren wir mal wieder live vor Ort. Diesmal bei der restlos ausverkauften Prima Vista Lesung ® im Kölner GLORIA Theater mit den Sprecherlegenden Oliver Rohrbeck (Justus Jonas/Ben Stiller) und Detlef Bierstedt (George Clooney).

Kurz vor der Show hatten wir die Möglichkeit, mit den beiden ein äußerst sympathisches Gespräch zu führen. An dieser Stelle findest du das ganze Interview zum Nachhören und -lesen. Viel Spaß!


Was erwartet die Besucher heute Abend?

Oliver Rohrbeck: Ähm … Literatur, Lesung vom Feinsten … Nein also wir lesen alles, was das Publikum mitbringt. Wenn das langweilig ist, schmeißen wir es sofort wieder weg und nehmen uns den nächsten Text vor. Wir intepretieren die Texte, so wie wir Lust darauf haben und versuchen einen lustigen Leseabend hier zu gestalten zu zweit. Und das hat bisher eigentlich immer ganz gut geklappt. Also wir lesen alles prima vista – auf den ersten Blick -, weil wir kennen die Texte ja nicht. Und das Publikum wird versuchen, uns klein zu kriegen, indem wir uns dann ver-lesen – oft. Das wird ihm hoffentlich nicht gelingen!

Wie bereitet man sich auf so einen Abend vor? Das ist ja alles recht spontan. Kann man sich überhaupt vorbereiten?
Hinter der Bühne: Gleich geht's los!

Hinter der Bühne: Gleich geht’s los!

Detlef Bierstedt: Naja, man geht vorher in die Kneipe und trinkt ein bisschen was, damit man locker genug wird. Nee, aber man kann sich natürlich nicht vorbereiten, weil wir ja nicht wissen, was kommt. Das ist ja gerade das Schöne, das ist ja auch ein bisschen für uns das Spannende, das Aufregende und aber auch das Ent-spannende. Man muss jetzt nicht irgendwelche Trainingseinheiten machen, weil wenn man Zeit hat, sich vorzubereiten, dann wird auch Perfektion erwartet. Also, wenn man Theater spielt, dann hat man sechs oder acht Wochen Zeit, dann wollen die Leute ein perfektes Ergebnis. Wir wollen einfach nur versuchen, unser Genre auszuüben. Und das heißt Lesen und das so gut wie möglich, aber wenn es halt mal nicht so wirklich funktioniert, dann ist das auch sehr menschlich und von daher ist das für uns auch sehr entspannend.

Oliver Rohrbeck: Also wir bringen einfach die Lebenserfahrung jetzt mit, weil wir eben viel in unserem Leben beruflich lesen und insofern sind wir das der Hoffnung, dass man uns nicht kleinkriegt.

Gibt es Dinge, kann man sagen , die so bei jedem Publikum funktionieren, so ein prototypisches Publikum? Oder muss man sich immer wieder neu auf neue Situationen einlassen?

Oliver Rohrbeck: Eigentlich muss man sich immer wieder neu darauf einlassen. Wir singen auch manche Texte, das wird immer sehr goutiert. Also wir sehen einfach, wie die Stimmung jetzt ist und wie sie mitgehen und haben ja aber trotzdem keine andere Chance. Wir greifen uns Bücher aus dem Berg an Büchern heraus und gucken, wie es funktioniert.

An Lesestoff mangelt es nicht!

An Lesestoff mangelt es nicht!

Und wie ist das: Spielt ihr auch mit den Hörerwartungen? Also, wenn man z.B. irgendwie so eine Girlie-Zeitschrift nimmt oder so. Da würde man vielleicht eine gewisse Lesart erwarten. Inwieweit spielt ihr da vielleicht auch mit den Hörerwartungen?

Oliver Rohrbeck: Extrem spielen wir mit den Hörerwartungen. Wenn es nach einer schlechten Synchronisation klingen soll, dann werden wir es auch so machen. Wir versuchen da natürlich auch Klischees zu bedienen, aber wir machen auch manchmal überraschende Sachen. Und dann sind die plötzlich wie gebannt und sind ganz leise und hören gebannt zu, wenn wir da ganz ernste Texte liegen haben und dann versuchen wir sie runterzurocken.

Welche Textsorte lest ihr am liebsten oder seid ihr offen für alles?

Oliver Rohrbeck: Wir sind offen für alles, aber manches eignet sich dann doch nicht und ist sofort langweilig. Also wenn die uns dann da das Bundesgesetzbuch hinlegen, dann liest man da mal rein, aber dann werden wir das nicht 20 Minuten in der Hand behalten. Also das funktioniert dann einfach nicht, aber dann kann man ihnen mal zeigen: Das können wir auch lesen, aber das … interessiert keinen weiter (Detlef Bierstedt). Die wollen Unterhaltung haben und insofern müssen da erheiternde Sachen zwischen sein.

Volles Haus im Kölner GLORIA Theater.

Volles Haus im Kölner GLORIA Theater.

Erinnert ihr euch noch an einen spektakulären Text oder an einen Moment, wo ihr besonders Spaß hattet?

Oliver Rohrbeck: Ja, wir hatten zum Beispiel mal ein finnisches Kinderbuch. Das hast du gelesen, … nee gesungen, … ein schwedisches. Hast du gesungen und ich habe es simultan übersetzt. Obwohl wir natürlich weder Finnisch noch Schwedisch sprechen.

Detlef Bierstedt: Da waren auch keine Noten dabei!

Wo wir eben schon beim Alkohol waren: Welchen Einfluss hat denn so der Alkohol auf’s Lesen?

Oliver Rohrbeck: Naja, der macht das lockerer und wir wollen das ganze einfach nicht zu zwanghaft ernst machen. Also, das ist, wenn man zu einer Literaturlesung geht und der Autor setzt sich hin und hat ein Wasserglas da und … dann weiß ich schon, dass viele Leute dann denken: ‘Och Mensch, heute ist ja Champions League, hätte ich auch da gucken können.’ Und insofern … wir wollen einen unterhaltsamen Abend bieten und trinken dabei ein bisschen Wein und das Publkum findet das ganz spannend, weil sie dann denken, das bringt uns jetzt zum Stolpern.

Prima Vista Lesung im Kölner GLORIA Theater

Prima Vista Lesung im Kölner GLORIA Theater

Gibt es Texte, die euch peinlich sind?

Detlef Bierstedt: Wenn etwas Peinliches wäre, dann kann man es ja weglegen. Es gibt immer Sachen, wo man gleich merkt: Das ist jetzt irgendwie doof zu lesen, das macht irgendwann … Man merkt, es hat keinen Rhythmus, es hat keine Sprache oder es geht zu sehr unter die Gürtellinie, dass es auch nicht mehr komisch ist. Dann brechen wir es einfach ab und legen es zur Seite.

Die drei Fragezeichen-Frage muss natürlich noch sein: Was ist da denn noch so geplant in Zukunft? Also jetzt steuert es ja so langsam auf die 200. Folge zu. Müssen die Fans da vielleicht mit einer kleinen Pause rechnen oder geht es erst einmal munter weiter?

Oliver Rohrbeck: Also mit einer Pause müssen sie, glaube ich, nicht rechnen. Solange die Bücher dazu noch geschrieben werden, machen wir da auch weiter. Also wir haben jetzt nicht vor, das zu unterbrechen, weil wir sehen uns ja nur alle drei, vier Monate zu Aufnahmen und insofern haben wir ja immer Pause dazwischen. Es geht jetzt einfach weiter. Ob wir noch eine Tour machen, steht völlig in den Sternen. Das wissen wir noch nicht, aber werden wir jetzt mal in nächster Zeit darüber reden.

Und ansonsten geht es erst einmal weiter. Wir machen Record-Release-Partys regelmäßig weiter – zu jeder Folge in einer anderen Stadt und machen nächstes Jahr die Klassiker-Tour wieder. Das heißt also ich reise mit dem Geräuschemacher herum und wir machen das als Mitmachhörspiel mit Publikum. Dann suchen wir uns welche aus dem Publikum und machen dann alte wunderbare Klassikerfälle der drei ??? mit Publikum. Also, es passiert eine ganze Menge rund um Fragezeichen. Ich glaube, das Wuppertaler Vollplayback Theater (VPT) fährt auch wieder herum mit Fragezeichen, Ferienbande fährt bald wieder rum, mal mit einem Verarschungshörspiel à la Jugendhörspiele. Es geht weiter!

Das freut uns natürlich zu hören. Vielen Dank für das Interview!

Die Prima Vista Lesung ® ist eine Veranstaltung der Lauscherlounge. An dieser Stelle einen herzlichen Dank für die Ermöglichung des Interviews! :-)

Wir waren schon einmal bei einer Prima Vista Lesung in der Dresdner Schauburg. Hier gibt es den Bericht zum Nachlesen.

kb-nachgefragt: Interview mit Ivar Leon Menger – Monster 1983

Ivar Leon Menger ist Autor und Regisseur der Audible-Hörspielserie „Monster 1983“. Die zweite Staffel erscheint dieses Jahr pünktlich zu Halloween. Wir haben mit ihm über die gefürchteten Monster unter unseren Betten gesprochen und hinter die Kulissen einer Hörspiel-Produktion geblickt.

Lieber Herr Menger, sind Sie ein Kassettenkind?

Ivar Leon Menger: Ja, auf jeden Fall! Darf ich Ihnen unsere Karte geben? Wie viele aus meiner Generation bin auch ich als Kind zu den Detektivgeschichten von Justus, Peter und Bob eingeschlafen. Und natürlich lief auch tagsüber mein kleiner, schwarzer Kassettenrekorder, während ich mit Lego und Playmobil gespielt habe. Meistens leierten auch noch die Fünf Freunde, TKKG oder EUROPA Gruselgeschichten über den Lautsprecher.

Wie geht es Ihnen kurz vor Veröffentlichung der zweiten Staffel von „Monster 1983“?

I. L. Menger: Offen gestanden bin ich sehr aufgeregt. Über zehn Monate liefen ja jetzt die gesamten Vorbereitungen, inklusive der kompletten Produktion – von der Ideenfindung, über das Schreiben von 10 neuen Folgen, mit den Aufnahmen von über 50 Sprechern, der Schnitt und die Geräusche, die komponierte Musik – da steckt so viel Herzblut und Engagement von so vielen kreativen Menschen drin, dass ich natürlich sehr hoffe, alle HörerInnen mit einer spannenden und überraschenden Fortsetzung glücklich zu machen.

Monster 1983“ ist eine Hörspielserie von Audible. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

I. L. Menger: Als ich vor drei Jahren die Idee zur dieser 80er Jahre-Monster-Serie hatte, sollte sie eigentlich „nur“ als kleine, sechsteilige Miniserie erscheinen. Als eBook und Hörbuch. So hatte ich es zumindest mit meinen Co-Autoren Anette Strohmeyer und Raimon Weber geplant. Für die Frankfurter Buchmesse hatte ich einen kurzen Videotrailer produziert, um drei bekannten Labels/Verlagen vor Ort meine Serien-Idee zu präsentieren. Und dann geschah das große Glück: Kaum war der Trailer zu Ende, wollten alle drei Interessenten die Serie sofort kaufen. Und alle hatten lustigerweise die gleiche Idee: Ich sollte daraus eine 10-teilige Hörspiel-Serie machen.

Die Idee gefiel mir, da ich selbst schon lange nicht mehr geschrieben hatte und entschied mich letztendlich für Audible, weil sie mir für dieses Projekt als der beste Partner erschienen. Heute kann ich sagen, dass es die beste Entscheidung war, denn Audible lässt mir komplett freie Hand und ich kann die Serie genau so erzählen, wie ich sie mir vorgestellt habe. Eine großartige Partnerschaft mit viel Vertrauen.

Welchem Genre würden Sie „Monster 1983“ zuordnen?

I. L. Menger: Mystery-Thriller-Horror-Teen-Drama. Oder kurz: „Popcorn“-Hörspielserie.

Glauben Sie an das zutiefst Böse im Menschen, das den Einwohnern von Harmony Bay, einer idyllischen Küstenstadt Oregons, in Gestalt des Monsters begegnet?

I. L. Menger: Ich glaube an Gut und Böse, Tag und Nacht, Yin und Yang und an Licht und an Schatten. Auch wenn ich weiß, dass alles im Universum reine Energie ist und deshalb eigentlich als neutral zu bewerten sein sollte, steht zumindest für meine Geschichten fest, dass es das „Böse“ gibt. Mich zieht die dunkle Seite einfach magisch an. Das liegt wahrscheinlich auch an meinem Sternzeichen.

Monster 1983“ ist teilweise schwer verdauliche Hörspielkost. Da läuft es einem in so mancher Szene eiskalt den Rücken hinunter. Überhaupt steht Ihr Name für Mystery und Thrill. Wo sammeln Sie die Ideen für garantierten Gruselfaktor in 80er Jahre-Nostalgie, wie wir es in „Monster 1983“ erleben dürfen?

I. L. Menger: Das ist unterschiedlich. Bei „Monster 1983“ war zuerst die Idee da, mit der Urangst zu spielen, etwas Böses läge unter dem Bett und warte dort auf einen – da, wo man völlig ausgeliefert ist, wenn man tief schläft. Dann hatte ich zur der Zeit viele 80er Jahre Filme gesehen wie z.B. die „Goonies“, „Der weiße Hai“, „The Lost Boys“ und „Stand by me“ und mir hat die Naivität der Filme gefallen. Alles war klischeehafter, es gab mehr Humor und nicht alles war so realistisch und bierernst. Ja, und natürlich war alles irgendwie fantastischer. In diesem Geist und Stil der 80er wollte ich die Serie dann erzählen.

Monster 1983“ entstand gemeinsam durch die Feder ihrer Co-Autoren Raimon Weber und Anette Strohmeyer. Verraten Sie uns die Ingredienzen eines gut funktionierenden Autoren-Trios?

I. L. Menger: Seit „Darkside Park“ und „Porterville“ haben wir als sechsköpfiges Autorenteam schon über 30 Folgen zusammen entwickelt und verstehen uns deshalb fast schon blind. Wichtig ist mir, dass ich als Headwriter jedem Autor seine/ihre künstlerischen Freiheiten lasse und jeder Autor seine eigenen Ideen und seinen Stil in die jeweilige Serie einbringt. Im Team achten wir dann darauf, ob die jeweiligen Ideen für die Serie funktionieren oder nicht. Meine Arbeit dabei kann man gut mit einem Fußballtrainer vergleichen. Wir trainieren alle zusammen, haben ein gemeinsames Ziel, ich gehe mit ihnen vorher die Strategie – den großen Plan – durch, aber wenn das Spiel dann losgeht, dann läuft jeder Mannschafts-Autor für sich alleine auf dem Platz und entscheidet sich, wie er das Tor schießt.

Eine Monster-Staffel – das sind rund 10 Stunden Hörspiel. Das klingt nach einer ‘monstermäßigen’ Aufgabe. Schließlich müssen die vielen Figuren, Handlungsstränge und Wendungen erst einmal erdacht werden. Nehmen Sie uns mal mit in den prototypischen Produktionsprozess eines Hörspiels.

I. L. Menger: Am Beispiel der zweiten Staffel: Anette, Raimon und ich haben uns für drei Tage in einem abgelegenen Hotel im Odenwald zu einer ersten Autorenrunde getroffen, um den groben Ablaufplan der zweiten Staffel zu besprechen. Ich bin mit den beiden dann meine ersten Ideen durchgegangen – für den Anfang, die groben Figurenentwicklungen und das Staffelende. Das haben wir dann untereinander diskutiert und dann die Plots für die einzelnen Folgen entwickelt.

©Audible - Cover zur 2. Staffel von "Monster 1983"

©Audible – Cover zur 2. Staffel von “Monster 1983”

Nach drei Wochen haben wir uns dann wieder für ein Wochenende in einem Hotel getroffen und gemeinsam detailliert jede einzelne Szene von Raimons und Anettes Folgen entwickelt. Danach ist dann jeder von uns nach Hause gegangen und hat seine Manuskripte geschrieben. Gegen Ende Mai, also circa drei Wochen später, haben mir dann Anette und Raimon ihre fertigen Folgen geschickt und ich bin als Headwriter noch einmal über die Dialoge aller Figuren gegangen, um die Sprache, das „Wording“ in allen zehn Folgen anzugleichen. Nach der Freigabe von Audible ging es dann schon fünf Tage später für einen Monat nach Berlin für die Tonaufnahmen …

Mit welcher der Hauptfiguren in „Monster 1983“ würden Sie gerne einen Tag verbringen? Was würden Sie zusammen unternehmen?

I. L. Menger: Das ist aber eine spannende Frage. Mmmh, mal überlegen. Mit Deputy Landers würde ich gerne mal Essen gehen, der weiß auf jeden Fall, wo es die besten Donuts in Harmony Bay gibt. Mit Sheriff Cody würde ich mich auf ein Glas Milch bei Sharky’s treffen und mit Taylor eine Runde in der dunklen Geisterbahn fahren. Aber am wahrscheinlichsten wäre, dass ich zusammen mit Mr Briggs an fremden Türen klingen und Kugelschreiber verteilen würde. Ja, ich glaube, das macht Spaß!

Ivar Leon Menger, wohnhaft in Harmony Bay – eine schaurige Vorstellung?

I. L. Menger: Nun ja, ich könnte mir schlimmere Orte zum Leben vorstellen. Aber warum eigentlich nicht? Ich hab gehört, das Haus von Sheriff Cody ist angeblich wieder frei – vielleicht könnte ich da ja einziehen …

Mit seinen zahlreichen Cliffhangern und der filmischen Erzählweise erinnert „Monster 1983“ an eine Netflix-Serie. Gefällt Ihnen dieser Vergleich?

I. L. Menger: Ja, vielen Dank. Das sehe ich als Kompliment. Ich liebe Netflix-Serien wie z.B. „House of Cards“. Es ist gut möglich, dass sich unsere Sehgewohnheiten durch die neue Art von Serien stark verändert haben und uns Autoren natürlich erzähltechnisch damit prägen. Und Cliffhanger und Geheimnisse wie bei „Lost“ oder „24“ habe ich schon immer geliebt.

Der Hörspielmarkt ist hart umkämpft. Trotz des Erfolges vieler Hörspiele sind manche Produktionen nicht finanzierbar. Streaming-Dienste und On-demand-Mentalität bestimmen die Preise. Befindet sich der Hörspielmarkt noch in der Krise?

I. L. Menger: Das ist eine schwierige Frage. Ich persönlich könnte unter den gegebenen Umständen kein Hörspiel mehr produzieren, um wirtschaftlich davon zu leben. Deshalb freue ich mich umso mehr, dass es noch Kollegen und Labels gibt, die weiterhin tolle Sachen produzieren.

In der Rolle des Autors und Regisseurs: Wie wichtig ist es, dass man sich mit den Sprechern – hinter den Kulissen im Tonstudio – gut versteht? Schließlich versammelt „Monster 1983“ bekannte Köpfe aus der deutschen Schauspiel- und Synchronsprecherszene …

I. L. Menger: Das ist für mich besonders wichtig, da ich immer Spaß bei der Arbeit haben möchte. Aus diesem Grund versammle ich immer mein „Ensemble“ um mich herum, also alle SprecherInnen mit denen ich seit zehn Jahren einfach gerne zusammenarbeite, wie z.B. Luise Helm, David Nathan, Simon Jäger, Ekki Belle, Patrick Bach, Katja Brügger, Peter Flechtner, Udo Schenk, Gerrit Schmidt-Foß, Nana Spier, Detlef Bierstedt, Florian Halm und einige andere. Besonders schön ist, wenn ich durch neue Produktionen neue Sprecher kennenlernen darf und sie dann in meinen „inneren Kreis“ aufnehme, hehe. Wie z.B. Ozan Ünal, Luisa Wietzorek, Kim Hasper, Yvonne Greitzke, Tim Sander, Florian Krüger-Shantin oder Aaron H. P. Le.

Bleiben Sie auch zukünftig der Hörspielszene treu?

I. L. Menger: Solange ihr rätselhafte und geheimnisvolle Geschichten von mir hören möchtet, solange werde ich dem Hörspiel treu bleiben. Aber so was von.

Herr Menger, wir danken Ihnen herzlich für dieses Gespräch.

I. L. Menger: Gern geschehen. Und vielen Dank für die außergewöhnlichen Fragen. :-)


Wollt ihr mehr über Ivar Leon Menger erfahren? Hier gelangt ihr zu seiner offiziellen Webseite.