Folge der Woche: Die Schatzinsel – Die Originale (25)

Eine Zeitreise mit EUROPA: Die Originale

“Die Originale” ist eine Reihe vom Hörspiellabel EUROPA. Sie versammelt zeitlose Hörspielschätze aus etlichen Jahrzehnten, die bis in die heutige Zeit regelmäßig von Kindern und Erwachsenen “rauf und runter” gehört werden. Beliebte Literaturklassiker werden mit bekannten Stimmen aus der Szene vertont: u.a. mit Hans Paetsch, Horst Frank, Volker Brandt, Charles Regnier, Konrad Halver.

Ein weiterer Pluspunkt ist die stimmungsvolle Originalmusik. Die CD-Hüllen sind dekorativ mit den Originalillustrationen gestaltet und enthalten gepresste CDs in stilechter Vinyl-Optik.

Das EUROPA-Hörspiel-Archiv

Mit von der Partie sind bekannte Klassiker wie “Winnetou”, “Robinson Crueso”, “Der kleine Lord”, “Moby Dick” u.v.m. Wir haben uns “Die Schatzinsel” (Folge 25), nach einer Erzählung (Original: Treasure Island) des schottischen Schriftstellers Robert L. Stevenson, angehört. Hier kannst du nachlesen, was dich erwartet.


Der Pirat John Silver

John Silver treibt ein undurchsichtiges Spiel. Niemand traut ihm über den Weg. Was führt er im Schilde? Der siebenjährige Jim Hawkins (Susanne Hartau) gerät unversehens an die Schatzkarte des berüchtigten Piratenkapitäns.

Ein Schatz, den es zu finden gilt

Bei der Suche nach dem sagenumwobenen Schatz bezahlen viele Seeleute die Gier mit ihrem Leben. Durch Zufall gerät der junge Jim Hawkins in das Netz von Intrigen, Lügen und Verrat. Zusammen mit dem Leibarzt seines Vaters (Jürgen Wegner) sowie dem Baron (Michael Stobbe) macht er sich per Schiff auf den Weg zur Schatzinsel. Doch während der Fahrt entpuppt sich ein Teil der Crew als Piratenbande.

Wer den Schatz suchet, der findet!


Fazit

Inhalt:

Spannung ab der ersten Minute: “Die Schatzinsel” lebt zweifelsohne vom Nostalgie-Bonus und ist ein akustisches Vermächtnis des beliebten Hörspielsprechers Hans Paetsch. Man kann sich getrost zurücklehnen und sich bei diesem Hörspiel wohlig gruseln. Trotz kleinerer Schwächen überzeugt das Hörspiel durch die Bank. Es ist gleichermaßen für jung und alt gedacht: Die Älteren werden an ihre eigene Kindheit zurückerinnert, als sie mit leuchtenden Augen “Die Schatzinsel” lasen. Für Jüngere ist es ein hörenswertes Abenteuer, der Eingang in eine Zeitmaschine, die dich 30 Jahre zurückbeamt.

Viele Jahre sind ins Land gezogen. Doch die Besatzung der Hispaniola ist noch immer auf der Reise zur Schatzinsel. Wenn sie nicht gesunken sind, segeln sie noch heute! “Die Schatzinsel” kann durch die allseits bekannte Handlung überzeugen und mit hervorragenden Sprechern, Hintergrundgeräuschen und Einspielern noch einen draufsetzen. Ein Piratenabenteuer allererster Kajüte … und ne Buddel voll Rum!

Sprecherleistung:

Sprachliche Glanzleistungen gibt es in “Die Schatzinsel” allerhand. Doch Hans Paetsch als charismatischer einbeiniger John Silver bildet den stimmlichen Höhepunkt. Der furchtlose John Silver bringt alle Aspekte des Charakters auf den Punkt: Mal ist er unterwürfig, dann wieder verschlagen, boshaft, brutal, einschmeichelnd und am Ende mimt er sogar den wohlwollenden Freund.

Den seemännischen Gegenpart bekommen wir in Form von Kapitän Smollett (Jürgen Pooch) zu hören. Einziger Wehrmutstropfen ist die Stimme von Jim Hawkins. Weshalb wurde die Stimme des Siebenjjährigen von einer Frau verkörpert? Das passt nicht. Zu guter Letzt hinterlässt der schaurige Todesschrei des Leichtmatrosen Tom (Sven H. Mahler) einen bleibenden Eindruck.

Geräusche und Musik:

Knarzende Geräusche und scheppernde Musik – all das versetzt dich unmittelbar in das Piratenabenteuer auf hoher See. Das einem Albtraum gleichende verzerrte Piratenlied und das glucksende Meer machen die Hörspieladaption des Klassikers perfekt.

Cover und Titel:

Das Cover der Erstauflage ist trotz des Modelschiffs an Unheimlichkeit nicht zu überbieten.


Fakten

Genre:

Abenteuer

Label:

Studio EUROPA

Gesamtspiellänge:

ca. 61min

Produktionsjahr:

1966 (Original-LP) / 2015


Besetzung:
Jim Hawkins Susanne Hartau
John Silver Hans Paetsch
Der alte Seebär Wolfgang Rau
Der Doktor Jürgen Wegner
Der Baron Michael Stobbe
Der Kapitän Jürgen Pooch
Der blinde Pirat Rudolf Fenner
Ein Pirat Hans Meinhardt (Pseudonym von Dr. Andreas E. Beurmann)
Ein anderer Pirat Gottfried Lackmann
Leichtmatrose Tom Sven H. Mahler
Ben Gunn und Seeleute Wolfgang Rau

Folge der Woche: Point Whitmark – Die Bucht der 22 Schreie (1)

“Die Bucht der 22 Schreie” ist der Auftakt der Hörspielreihe “Point Whitmark”. Es geht um einen Radiosender, der in der gleichnamigen Stadt angesiedelt ist und von drei Freunden betrieben wird.


Turn the radio on

Die 1. Folge von Point Whitmark dient hauptsächlich der Vorstellung der drei Hauptcharaktere, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, einen kleinen Radiosender namens Point Whitmark zu betreiben und nach der Schule mysteriöse Fälle zu lösen.

Untergang der Albacore

Vor etlichen Zeiten ist vor der Küste Point Whitmarks ein Schiff untergegangen. Dieser Vorfall ist bis heute nie ganz aufgeklärt worden. Viele Mythen ranken sich um den Untergang der Albacore. Nachdem der Frachter vor 30 Jahren auf Grund gelaufen war, verloren 22 Seeleute ihr Leben.

Die drei Schüler Jay Lawrence (Sven Plate), Tom Cole (Kim Hasper) und Derek Ashby (Gerrit Schmidt-Foss) glauben, in den Untergangsgeschichten eine Themenreihe für ihren Radiosender gefunden zu haben. Schließlich liegt das Wrack des geheimnisvollen Frachters versunken vor der nordamerikanischen Küste. In den Tiefen des Atlantiks droht den Freunden ein furchtbares Schicksal …

Briefe aus dem Jenseits

Die drei Jungs beginnen mit der Recherche und versuchen, die näheren Umstände der Jahrezehnte zurückliegenden Tragödie zu ergründen. Doch damit scheinen sie die Seelen der 22 ertrunkenen Seeleute zur schrecklichen Rückkehr beschworen zu haben. Denn prompt erreichen sie schriftliche Ermahnungen, die die eindringliche Warnung enthalten, nicht weiter zu ermitteln. Das Unheimliche: Die Briefe scheinen aus dem Jenseits zu kommen und von den 22 toten Seeleuten verfasst worden zu sein. Gefahr aus dem Reich der Toten!

Hinzu kommt die anstehende Bürgermeisterwahl von Point Whitmark sowie zahlreiche Beschwerden über die Radio-Berichterstattung der drei Jungen.


Fazit

Inhalt:

Point Whitmark ist eine Hörspielreihe für Jugendliche bzw. Hörspielfreunde, die auf Atmosphäre und Brutalität gut und gerne verzichten können. Die drei Freunde – Jay Lawrence, Tom Cole und Derek Ashby – sind mitnichten ein schlechter Abklatsch von Die drei Fragezeichen – im Gegenteil: Die Serie Point Whitmark bietet an der einen oder anderen Stelle mehr Tiefgang und frische Ideen mit ordentlich Humor.

Kritisch anzumerken ist an dieser Stelle, dass die Zusammensetzung der Hauptdarsteller stark an den drei Detektiven Justus, Peter und Bob angelehnt scheint. Schließlich haben wir es mit drei Jungs zutun, die noch zur Schule gehen – darunter ein Sportler, ein technikaffiner Freak und ein ziemlich schlauer und etwas unsportlicher Dritter im Bunde. Hinzu kommt, dass sich die Geschichten in zwei Kleinstädten – sei es Point Whitmark oder Rocky Beach – mit Sheriff als ausführendem Organ der Justiz abspielen. Zufall oder Absicht?

Nichtsdestotrotz macht die Serie Lust auf mehr. “Die Bucht der 22 Schreie” ist gut durchdacht, die Spannungsbögen stringent aufgebaut und logisch nachvollziehbar. Die erste Folge ist klar ausbaufähig, zum Einstieg aber bestens geeignet. Dranbleiben – es wird spannender!

Sprecherleistung:

Bekannte Hörspiel- und Synchronsprecher machen die Hörspielgeschichte zu einer unterhaltsamen Krimistory. Die Sprecher transportieren das Unheimliche, vermitteln viel Action und machen aus “Die Bucht der 22 Schreie” ein stimmiges Gesamtkonzept.

Extrem störend ist jedoch die Tatsache, dass die drei Hauptprotagonisten stimmlich schwer auseinanderzuhalten sind. Weniger als bei den drei Fragezeichen, haben Jay, Tom und Derek keine expliziten Charaktereigenschaften, die für einen markanten Wiedererkennungswert sorgen würden. Damit verlieren die Figuren ihre Individualität. Durch die Konturlosigkeit werden die Figuren zu einer einzigen. Ziemlich schade!

Geräusche und Musik:

“Die Bucht der 22 Schreie” ist professionell produziert, gespickt mit schönen Effekten und angenehmer Hintergrundmusik. Besonders gefällt uns der Einstieg in die Folge, da wir die drei Jungen direkt hinter ihren Mikros im Radio erleben dürfen.

Cover und Titel:

Die Cover der Point Whitmark-Reihe sind Geschmacksache. Die Farbgebung ist recht grob. Der Zeichenstil ist unserer Meinung nach nicht für das allgemeine Auge gemacht – zu viel 90er-Jahre-Stil für eine Serie aus den 2000ern. Der Titel “Die Bucht der 22 Schreie” ist hingegend sehr mystisch und Spannung verheißend.

Gesamtspiellänge:

63min22

Produktionsjahr:

2001


Besetzung:
Erzähler Jürg Löw
Jay Lawrence Sven Plate
Tom Cole Kim Hasper
Derek Ashby Gerrit Schmidt-Foss
Direktor Reno Jürgen Uter
Matt Stinger Raimon Weber
Bürgermeister Morris Henning Schlüter
Stadtrat Riverdale C.-D. Clausnitzer
Sheriff Baxter Andreas Becker
Cassandra Harris Tanja Kuntze
Deputy Nelson Roger Trash
Mrs Bushland Ines Burkhard
Vater Callahan Heinz Ostermann
Arbeiter Christian Tasche