Arzu – Ein Hörspiel von Sirius Kestel

Ende November 2020 ist das Hörspieldrama ARZU. von Sirius Kestel erschienen. Wir haben bei Wolfy Office ein Rezensionsexemplar angefragt und erhalten.

Das Hörspiel basiert auf einem wahren Verbrechen. Es wird vorab darauf hingewiesen, dass physische und psychische Gewalt sowie eine Entführung thematisiert werden, weshalb man das Hörspiel entweder gar nicht oder zumindest in Anwesenheit einer vertrauten Person hören sollte, sofern diese Thematik gegebenenfalls traumatische Erlebnisse auslöst.

Worum aber geht es konkret?

Arzu (Rana Farahani) ist zu Besuch bei ihrem Freund Alex (Boris Keil). Sie scheint sich von ihrer Familie abgewandt zu haben und trotzdem überprüft sie, ob sie neue Nachrichten erhalten hat. Und das ist in der Tat so: 13 neue Nachrichten. Ihre Schwester Shirin (Suri Abbassi) schreibt: “Komm zurück, noch ist es nicht zu spät. Egal, wo du bist, wir kriegen dich (…).”

 In Arzus Stimme hört man einerseits Angst, aber auch immer noch die Verbundenheit zu ihrer Familie. Für Alex ist das absolut unverständlich. Arzu hat schließlich ihren Vater angezeigt, hat ihren Namen geändert und wohnt an einem ihrer Familie unbekannten Ort, in einem Frauenhaus, fernab von ihren Freunden.

Was genau vorgefallen ist, erfährt man hier nicht. In der Nacht, in der beide, Arzu und Alex, nicht schlafen können, hören sie auf einmal klirrendes Glas. Eine Fensterscheibe? Arzus Geschwister befinden sich plötzlich in der Wohnung, verprügeln Alex so sehr, dass er Arzu nicht mehr zur Hilfe eilen kann. Arzus Geschwister sind gekommen, um Arzu zu entführen …


Fazit

Inhalt:

[Achtung Spoiler]

Es ist krass, wie 52 Hörspielminuten so gewaltig sein können. Arzu wird von ihren Geschwistern in einem schwarzen Leichenwagen verschleppt, wobei Arzu nicht weiß und versteht, was für ein Unrecht sie begangen hat, dass sie das nun erleben muss. Zwischenzeitlich hegt sie noch Hoffnung, als ihr Bruder Kirir ihr zur Flucht verhilft, doch diese Hoffnung währt nicht lang.

ARZU. ist ein so wichtiges Hörspiel, wenn es darum geht, für Frauenrechte einzustehen. Ist es von Arzu zu viel verlangt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen? Selbst zu entscheiden, wen sie liebt? Für ihre Familie ist das inakzeptabel und eine Rückkehr zur Familie für Arzu ausgeschlossen.

Die Erzählerin An Kuohn fasst es im Hörspiel gut zusammen:

Sie [Arzus Geschwister] mussten ihre Pflicht erfüllen, damit sich ihre Welt wieder dreht. Denn sie sind zu Opfern ihrer Weltanschauung geworden, die sie zu Henkern machte.

Das Hörspiel lässt einen ratlos zurück und dennoch ist es wichtig, aufzuzeigen, dass solche Geschichten auch heute noch zur Realität gehören.

Sprecherleistung:

Die Sprecherleistung ist im Hörspieldrama extrem hoch. Die Stimmen wirken durchweg authentisch, man ist wie gefangen in dieser Geschichte und hängt vor allem Arzu an den Lippen. Die Erzählerin An Kuohn führt einen sehr gut durch die Geschichte und bildet den Rahmen dafür.

Das Besondere am Hörspiel ist, dass es nicht im Studio aufgenommen wurde, sondern – wie Sirius Kestel sagt – “on location”. Die Sprecher*innen hatten so die Möglichkeit, sich noch besser in ihre Rollen hineinzuversetzen und diese zu leben. Interessant ist auch, dass bei ARZU. eben nicht mit klassischen Hörspielsprecher*innen gearbeitet wurde, sondern mit tatsächlichen Schauspieler*innen, bekannt aus Film und Fernsehen.

Geräusche und Musik:

Der Sound der Stimmen ist ganz klar. Es wird wenig mit zusätzlichen Hintergrundgeräuschen gearbeitet, um den Fokus auf das Gesprochene möglicherweise nicht zu verlieren. Klaviermusik ertönt, das Zuschlagen von Autotüren. Und zwischenzeitlich hört man etwa Wettereinflüsse wie Regen und Gewitter, die das Geschehen noch gewaltiger erscheinen lassen.

Cover und Titel:

Auf dem Cover sieht man eine Frau, die drei Mal mit unterschiedlichen Mimiken abgebildet ist, in rot blau und gelb. Zudem sieht man ein dunkles Auto mit Scheinwerferlicht. Viel können wir nicht herauslesen, aber das macht es umso spannender.

Bonustrack:

Auf der Hörspiel-CD befindet sich ein 18-minütiger Bonustrack. Zu hören gibt es das Kurzhörspiel Mordsmäßig (geschrieben von Diddi Meyer), welches inhaltlich nicht mit ARZU. in Zusammenhang steht.

Fakten

Genre:

Drama

Gesamtspiellänge:

52 min.

Erscheinungsjahr:

2020

Verlag:

Wolfy Office

Besetzung:

Arzu | Rana Farahani

Osman | Hasan H. Tasgin

Shirin | Suri Abbassi

Kirir | Doguhan Kabadayi

Alex | Boris Keil

Autofahrer | Damjan Batistic

Arzuz Mutter | Pervin Akyildiz

Junge Arzu | Sury Arndt

Erzählerin | An Kuohn

Ansage | Marc Schülert

 

Autorin / Regisseurin | n. a.

Produzent / Tonmeister / Sounddesigner | Sirius Kestel

Geräuschsynchronartistin | Johanna Roth

Komponistin | Victoria Hillestad

Lektorin | Sabine Stubner

Cover-Illustratorin | Julia Skala

Cover-Layouter | Paul Blechschmidt

Aufnahmelogistiker | Jakob Heuberger


Zum Hörspiel-Trailer

Zum Making-Of


In eigener Sache:

Für diesen Blogbeitrag wurde uns das Hörspiel von Wolfy Office zur Verfügung gestellt. Der Text wurde in Eigenregie erstellt und spiegelt unsere persönliche Meinung wider. Sie wurde in keiner Weise von Autoren, Produzenten oder Labels beeinflusst.

MIG – Monsterparty

Am Freitag, 27. Juli, erscheint das Hörspiel “MIG – Monsterparty”. Es ist das mittlerweile vierte Hörspiel der “Men in Green”-Reihe und ist als Prequel (Fortsetzung) angelegt. Wir haben für Euch vorab reingehört. Und finden: Daumen mit Tendenz nach oben!

Nicht alles dreht sich um Wolfy

Vorab: Wer die MIG-Reihe kennt, muss sich bei dieser Folge etwas umstellen. Über das gesamte Hörspiel hinweg gibt es immer wieder Anspielungen und Hinweise auf die drei Vorgängerfolgen. Den Trash, das Skurrile, sucht der Hörer jedoch vergebens und hört sich mit dieser Erwartungshaltung ins Nirwana. Und auch Wolfy ist diesmal nicht mit von der Partie. Die Monsterparty kommt wesentlich seriöser daher, aber nicht minder fantasievoll. Und der Humor bleibt nicht auf der Strecke, ist aber einfach kindgerechter.

Was bisher geschah …

In den Abenteuern der Hörspielreihe “Men in Green” wurde die Welt schon vor bösen Schafen gerettet und der Weihnachtsmann vertreten. Um den Lykaner Wolfy ist inzwischen eine Vielzahl interessanter Charaktere entstanden, sowie eine Spinn-off-Kurzgeschichten-Serie über Susi Schaf.

Darum geht’s in der “Monsterparty”

Wir befinden uns in Eglosheim, einer kleinen Ortschaft im tiefsten Schwabenland. Hier geschehen merkwürdige Dinge: Jeden Morgen sind die Lagerräume eines Fast-Foods-Restaurants ohne erkennbare Einbruchspuren leergeräumt. Des Nachts schleicht eine große und augenscheinlich böse Gestalt durch die Straßen der Stadt. Die dunkle Gestalt sucht kleine Kinder in Kinderzimmern auf und ist anschließend spurlos verschwunden. Wer ist der oder die Unbekannte? – Ein Fall für die Men in Green!

Papa erzählt von früher

Im neuen ausgefallenen Abenteuer erzählt Autor Kim Jens Witzenleiter eine weitere Geschichte um die “Men in Green”. Diesmal gerät Agent 1 (Günther David) ins Plaudern und erzählt seinem Sohn Paul (Finn), wie er zu jener Zeit zu den “Männern in grün” gekommen ist. Seinerzeit standen die Inhaber des besagten Restaurants vor einem schier unlösbaren Rätsel. Die Sichtungen einer dunklen massigen Gestalt sind besorgniserregend. Bald schon findet sich Agent 1 und sein Sohn inmitten eines kuriosen Abenteuers voller fantasievoller Gestalten wieder.


Fazit

Inhalt:

Inhaltlich verspricht die Folge einen tollen Mix aus Spannung, einer Prise Ernsthaftigkeit und einer großen Messerspitze Parodie. Wird das Hörspiel diesem Konzept gerecht? Ja, ansatzweise. Was definitiv stimmt: Es ist wunderbar-trashig und schräg. Leider kratzt die Story an ebendieser Oberfläche: zu witzig, zu ernst, zu verrückt – dabei aber immer zu wenig Action-Potential. Wir geben zu: Wir sind hier noch ganz jung im Geschäft und kennen die alten Folgen (noch!) nicht. Diesmal ist Wolfy nicht mit von der Partie. Daher stellen wir die Frage: Kann Witzenleiters “Men in Green” auch ohne Wolfy leben?!

Die Story spielt mit der kindlichen Angst der Monster im Schlafzimmer. Die verstecken sich unter’m Bett oder gar im Kleiderschrank. Doch Monster machen auch Party, sind nicht zwingend böse und mitunter richtig liebenswert – siehe Dirk! Ein unter’m Strich sympathisches Hörspiel, das diesmal sicherlich auch das junge Publikum ansprechen wird. Am Ende warten auch Spannung und der gewisse Gruselfaktor.

Sprecherleistung:

Hörspiel auf Hochdeutsch? Fehlanzeige! Erfrischend geglückt ist in diesem Hörspiel der Einsatz von Dialekten aus dem deutschen Sprachraum. Das ist in der Hörspielszene schon etwas Besonderes. Und das Experiment ist geglückt. Die Dialekte, etwa Schwäbisch und Hamburger Dialekt, kommen subtil zum Einsatz. Analog zu den Vorgängerfolgen setzt man auf die Mischung von bekannten und weniger bekannten Stimmen. Gäste aus der Entertainment-Branche, Schauspieler und Musiker runden die vierte Folge der MIG-Reihe ab.

In den Hauptrollen ergänzen sich Kevin Kasper, Christopher Kussin und Joschi Hajek als Monster Dirk perfekt. Einzig die Erzählstimme von Günther David kommt zu gewollt und trantütig daher. Als Paraderolle hätte David unterhaltsamer durch das Geschehen führen können. Dass Autor Witzenleiter – mit verantwortlich für Regie, Produktion und Schnitt – auch ohne Lykaner ein gutes Hörspiel machen kann, beweist diese Folge.

Dass sich der Schöpfer von Wolfy in dieser Folge wunderbar in persona akustisch eingebunden hat, nimmt sicherlich nur der gewiefte Hörspielhörer wahr. In unseren Ohren ist dieser Auftritt perfekt inszeniert. Und auch Witzenleiters Tochter kommt in diesem Kinderhörspiel an die Reihe!

Geräusche und Musik:

Abgemischt wurde das Hörspiel von Tom Steinbrecher (Andi Meisfeld & Co.), ein bekannter Hase in der Hörspielszene. Steinbrecher hat großen Anteil an der Qualität dieser Folge. Dennoch fallen Geräusche und Musik eher unauffällig auf … Widerspruch in sich?!

*Wolfy entstand 2008 als Maskottchen für Kim Jens Witzenleiters Firma Wolfpack Power e. K. Es bildete sich eine Fan-Gemeinde um den grünen Lykaner und so bekam Wolfy ein eigenes Facebook-Profil und ein eigenes Merchandise. Im Jahr 2010 folgte dem eine eigene Musik-CD und 2011 wurde er zum Helden seiner eigenen Hörspielreihe.


Fakten

Genre:

Krimi / Comedy für Kinder & (erwachsene) Jugendliche

Label:

Wolfy-Office

Gesamtspiellänge:

ca. 60 min

Produktionsjahr:

2018 (VÖ: 27.7.2018)

Weitere Informationen findest Du auf der Webseite zur Hörspielserie.

Den Trailer zu “Monsterparty” findest Du hier.

Mittlerweile existiert ein ganzes Serien-Universum namens Wolfyversum; einen genauen Überblick vermittelt das Wolfypedia.


Besetzung:

Agent 1 (Erzähler) | Günther David
Harald (Junger Agent 1) | Kevin Kasper
Roland Marks | Christopher Kussin
Dirk, das Monster | Joschi Hajek
Krimsel | Werner Wilkening

Monster Ophi | Ophelia Amore Witzenleiter
Martina | Bine Schmitt
Paul | Finn
Kim | Kim Jens Witzenleiter
Doktor Eberhard | Stephanie Preis
Chef (70er Jahre Agent 1) | Jo Jung
Agent 4 | Michael Grumptmann
Agent 8 | Nikita Kalantyrjow
Frank| Jan Baumgart
Fred | Manuel Bucher
Agent X | Friederike Schmitt
Pfleger Stephan | Tom Steinbrecher
Peter | Hartmut Breuer
Studentin | Paulina Weiner
Mutter | Andrea Göldner
Clara | Chiara Haurand
Polizist 1 | Daniel Evilsohn
Polizist 2 | Heinz-Peter Göldner


In eigener Sache:

Für diesen Blogbeitrag wurde uns das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Text wurde in Eigenregie erstellt und spiegelt unsere persönliche Meinung wider. Sie wurde in keiner Weise von Autoren, Produzenten oder Labels beeinflusst.