Folge der Woche: Ferdinand Balzac, Privatdetektiv – Der Pakt (2)

Am 7. Juni war es soweit. Die Mp3-Version von Episode 2 “Der Pakt” der Hörspielreihe “Ferdinand Balzac, Privatdetektiv” ist online gegangen. Es ist noch gar nicht lange her, da haben wir “Das neunte Kind” als Folge der Woche besprochen. Im April 2017 hatte das neue Label SilberZunge Audio mit der Reihe „Ferdinand Balzac, Privatdetektiv“ erstmals die Hörspielbühne betreten.

Ein Sound, der sich hören lässt

Was hat sich seit Release von Episode 1 getan? Einiges! Laut SilberZunge Audio wurde mächtig am Sounddesign geschraubt: Aufnahmen und Abmischung wurden von Neue Tonfilm aus München übernommen. Als Sounddesigner holte sich das junge Hörspiellabel Profi Sören Blüthgen mit ins Boot. Das Ensemble wurde darüber hinaus noch durch Burchard Dabinnus und Osman Ragheb ergänzt.

Sind nun alle “Kinderkrankheiten” des Erstlingswerks ausgemerzt? Sei gespannt auf Story, Regie und Sprecherleistung von “Der Pakt”. Bevor du unsere Rezension liest, kannst du dir auch hier Trailer und Hörprobe zur zweiten Folge anhören.


Harmlose Bohrarbeiten

Bei Bohrarbeiten im arktischen Eis wird ein Artefakt in Form eines mysteriösen Zepters gefunden. Und dann verschwindet es auch schon wieder. Derweil ist Privatdetektiv Ferdinand Balzac (Stefan H.A. Meichsner) einem skrupellosen Organdieb auf der Spur. Nun wird er beauftragt, das merkwürdige Zepter für einen sehr wohlhabenden Münchner Aristokraten zu finden.

Eine Flucht der besonderen Art

Auf der Suche nach dem mysteriösen Zepter geschehen allerhand fürchtlerliche Dinge. Eine seit 30 Jahren tot geglaubte Frau spaziert kurze Zeit später aus der Gerichtsmedizin. Das Kuriose: Laut Obduktionsbericht war die Frau bereits 30 Jahre vor ihrer Ermordung gestorben.

Zwei Fälle werden eins

Hängen das Zepter und die untote Frau miteinander zusammen? Gemeinsam mit seiner Assistentin Mel (Tinka Kowatsch) begibt sich Ferdinand an die Grenze des Vorstellbaren, um sich und seine Freunde zu retten.


Fazit

Inhalt:

Die Geschichte um unseren titelgebenden Ermittler Ferdinand Balzac führten uns im ersten Teil zunächst in Richtung Thriller, um dann im Grusel/Horror zu enden. In Teil 2, “Der Pakt”, taucht die Story ins Mystery-Genre ein, die Ausgangslage: Eine Leiche, die zu Lebzeiten nicht lebensfähig hätte sein können, und das Auftauchen des Freiherrn von Wittenstein, eines äußerst merkwürdigen Klienten, geben allerhand Rätsel auf.

Die Lösung des Falles bekommen wir auf einem 60-minütigen akustischen Silbertablett präsentiert. Spannung kommt auf, jedoch findet die Geschichte im Verlauf keinen originellen Ausgang, da man sich als Hörer im Genre Mystery bewegt und man früh ahnt, dass die Geschichte kein realistisches Ende finden wird. Einige Plotdetails sind äußerst originell, der Ablauf der Geschichte folgt jedoch dem relativ ausgeleuchteten Genrepfad. Die Figuren bieten jedoch einige ausgleichende Akzente.

Sprecherleistung:

Die Inszenierung kann sich sprecherseitig sehen lassen. Die meisten Sprecher agieren solide. Dass die Sprecher Marc Schülert und Linita Reimann diesmal anderen Rollen ihre Stimme verleihen als in Teil 1, fällt nicht weiter auf. Stellenweise wirken die Dialoge etwas hölzern, etwa die klischeehaften Turteleien zwischen Hauptkommisar de la Croix und Dr. Claire Wikström sowie zwischen Kromer und Melanie. Die Zickereien zwischen Dr. Elena Mace und Melanie Vincent wirken gekünstelt.

In der Gesamtschau funktionieren die Figuren nicht gänzlich aus sich selbst heraus, sondern bedienen vorwiegend die typischen Merkmale des coolen Detektivs oder des mürrischen Kommissars. Hier schlummert noch viel Potenzial! Gelungen ist die intensive Beschäftigung mit der Rolle des Hauptkommissars de la Croix.

Geräusche und Musik:

Daumen hoch für das Sounddesign! Hier wurden einigen Stellschrauben neu justiert. Es gibt viel mehr Geräusche als noch in Episode 1. Kleine Schwächen zeigen sich noch in der Geräuscherzeugung, etwa beim “Rippenbruch” in der Gerichtsmedizin oder beim “Umnieten” von Personen. Hier könnten selbst erzeugte Geräusche für mehr Authentizität sorgen.

Cover und Titel:

Das Cover von “Der Pakt” zeigt eine Untote vor schwarzem Hintergrund. Optik bleibt Geschmackssache. Wir würden uns Bilder wünschen, die sich mehr im Handlungsfeld eines echten Detektivs à la Sherlock Holmes bewegen oder lokalen Bezug zur bayrischen Landeshauptstadt zeigen. Leider fokussiert sich das Coverbild auch ausschließlich auf den einen Handlungsstrang. Das Zepter wird nicht weiter thematisiert. Der Titel wurde passend zur Geschichte ausgewählt.


Fakten

Genre:

Mystery / Krimi

Label:

SilberZunge Audio

Gesamtspiellänge:

56min26

Produktionsjahr:

2017


Besetzung:
Erzähler Daniel Werner
Ferdinand Balzac Stefan H.A. Meichsner
Melanie Vincent Tinka Kowatsch
Dr. Claire Wikström Dagi Lilo van Thiel
Dr. Elena Mace Jana Catharina Schmidt
Freiherr von Wittenstein Burchard Dabinnus
Kriminalhauptkommisar de la Croix Konrad Adams
Michael Kromer Sebastian Dorn
Die Untote Linita Reimann
Der Unbekannte Dirk Hardegen
Forscher Marc Schülert
Zeitungshändler Osman Ragheb
Fiona Belling Alda Aronsson

Folge der Woche: Twilight Mysteries – Charybdis (1)

Mit “Twilight Mysteries” betreten wir noch völlig ungehörtes Terrain und hoffen, dir mit der ersten Folge “Charybdis” einen Einblick in die Action-Mystery-Serie von Paul Burghardt und Tom Steinbrecher (Stein/Hardt Hörspielproduktion) zu geben.

Kommt dir der Name bekannt vor? Vor etlichen Jahren sind schon einmal Folgen unter der Serienbezeichnung und mit denselben Hauptcharakteren bei Dreamland Productions erschienen. “Twilight Mysterys” eröffnet jedoch eine komplett eigenständige Hörspielserie. Was hat es mit der Action-Mystery-Serie des Kult-Labels Maritim auf sich? Hier erfährst du es.


Am Krankenbett

Piepsende Apparate, zahlreiche Schläuche, flache Atmung. Die Frau des Wissenschaftlers für übersinnliche Phänomene, Dr. Morton Zephyre (Marc Schülert), liegt im Koma. An ihrer Seite bedauert der Doktor all jene Vorkommnisse, die dazu geführt haben, dass seine Frau in diese gesundheitliche Schieflage geraten ist.

Das erste Abenteuer

Rückblick: Das erste Abenteuer um den Wissenschaftler und seinen forschen und sympathisch vorlauten Assistenten Dave Edwards (Kim Hasper) dreht sich um einen merkwürdigen Ort. Seaforth, Kanada, wird von unerklärbaren Vorkommnissen in Form blauer Blitze und unheimlicher Kuttenträger heimgesucht. Hierin meinen die beiden Kollegen Spuren eines älteren Falles zu erkennen.

Eine mysteriöse Bohrplattform

Vor Ort erfahren die beiden Wissenschaftler von einer Bohrplattform, die die Bewohner des Küstenstädtchens wie in Trance agieren lassen. Fremden stehen sie grundsätzlich feindlich gegenüber. Schnell wird klar, dass Dr. Zephyre und Dave Edwards von den Dorfbewohnern und Betreibern der Plattform keine Unterstützung bei der Aufklärung der sonderbaren Vorkommnisse erwarten können.

Aus dem Duo wird ein Trio

Durch Zufall lernen die beiden Wissenschaftler die junge Hackerin Nina Sallenger (Tanya Kahana) kennen, die sie in der Not vor dem Dorfmob rettet. Von Sallenger erhalten Dr. Zephyre und Dave Edwards erste Hinweise und doch scheinen sich die Ereignisse urplötzlich zu überschlagen und auf die Bohrinsel zu konzentrieren. Können die Drei das nahende Grauen aufhalten? In entscheidenden Momenten verschwindet Sallenger von der Bildfläche. Um ihr Leben zu retten, müssen sich die Drei aus den Fängen paranormaler Abnormitäten befreien.


Fazit

Inhalt:

“Charybdis” bildet den Auftakt zu “Twilight Mysteries”, eine Hörspielserie aus der Feder des Produktionsgespanns Paul Burghardt und Tom Steinbrecher. Die Pilotfolge liefert eine Mischung aus Mystery und Grusel. Der Aufschlag zur Serie gelingt inhaltlich. Die Geschichte nimmt von Anfang an Tempo auf und führt den Hörer durch eine Fülle mysteriöser Ereignisse, ohne dabei die typischen Genre-Klischees zu bedienen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, sodass die Spannung immer wieder aufgelockert wird.

Atmosphärisch sind hier noch einige Stellschrauben, jedoch wird das Geschehen insgesamt – nicht nur bei den dramatischen Szenen auf der Bohrplattform – dicht und authentisch eingefangen.

Sprecherleistung:

In Puncto Sprecherauswahl ist man hervorragend unterwegs. Die Rollen des Dr. Morton Zephyre und seines Assistenten Dave Edwards sind mit Marc Schülert und Kim Hasper erstklassig besetzt. Die Sympathie für die beiden Charaktere ist nach den lustigen Anfangsszenen rund um die Assistenten-Suche geweckt. Man kann die beiden nur in sein Herz schließen. Marc Schülert, der charmante Melancholiker, ist für seine Rolle des Wissenschaftlers prädestniert, während Kim Hasper für den liebenswert naiven, tollpatschigen und doch tiefgründig-klugen Dave Edwards geboren zu sein scheint.

Auch Tanya Kahana verkörpert die Figur der wissebegierigen und rastlosen Nina Sallenger perfekt.  Die weiteren Rollen sind gut besetzt worden. Auch wenn nicht alle Sprecher einen offensichtlichen Bekanntheitsgrad haben, klingen alle professionell und machen ihre Sachen gut.

Die Hauptcharaktere könnten unterschiedlicher nicht sein und bilden damit ein tolles Dreigesann, das hervorragend interagiert. Sie sind authentisch, haben Ecken und Kanten – wie im echten Leben.

Geräusche und Musik:

Die Untermalungen bleiben stets auf einem angenehmen Niveau. Die Soundkulisse ist ausdrucksstark. Action-Geräusche halten sich im Hintergrund. Des Hörers Ohr wird nicht mit großen Effekten überladen. Die Atmosphäre ist von Anfang an stimmig und kann mit Spannung, die von Geräuschkulisse und Musik gestützt wird, punkten. Die rockigen Parts geben dem Hörspiel zusätzlichen Schwung und heben es dadurch von anderen aktuellen Produktionen ab. Leider endet das Hörspiel etwas abrupt ohne abschließendes Musikstück. Hier könnte der Wiedererkennungswert noch gesteigert werden.

Cover und Titel:

Das Cover zeigt die Bohrinsel bei Nacht, welche von einem Schiff angesteuert wird. Die Farbgebung und der Nebelschleier wirken mystisch und sind passend zur Story ausgewählt. Der Rahmen ähnelt angelaufenem Metall und bringt den Titel der Reihe in auffälligen Lettern in der Vordergrund.


Fakten

Genre:

Action / Mystery

Label:

Maritim

Gesamtspiellänge:

ca. 58min

Produktionsjahr:

2016


Besetzung:
Dr. Morton Zephyre Marc Schülert
Dave Edwards Kim Hasper
Nina Sallenger Tanya Kahana

In weiteren Rollen: André Beyer, Dirk Hardegen, Detlef Tams, Christin Deuker, Leonie Dubuc u.v.a.