kassettenbox auf der Leipziger Buchmesse 2018

Es ward mal wieder Buchmesse-Zeit! Die kassettenbox hat sich das natürlich nicht zweimal sagen lassen und so ging es auch 2018 wieder einmal zur Leipziger Buchmesse, um die neuesten Trends in Sachen Bücher, Hörbücher – und für uns natürlich besonders interessant – Hörspiele erleben zu können.

Die beste Entscheidung für uns in diesem Jahr war die Anreise am Donnerstag. Bisher waren wir immer samstags auf der Messe und dieses Jahr haben wir uns einfach mal zwei Tage Urlaub genommen – das war die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. ;) Donnerstag und Freitag – mit einer Nacht in Leipzig – Luxus pur – sagen wir euch.

Leipziger Buchmesse 2018

Der Messe-Donnerstag (15.03.18)

Am Donnerstag ging es also gegen Mittag auf die Messe – bei schönstem Sonnenschein. In Ruhe sind wir über die Messe geschlendert, von Halle zu Halle – es war sehr angenehm gefüllt – man hatte Zeit, sich die einzelnen Büchertische anzusehen, ohne, dass einem ständig jemand in die Hacken tritt oder dergleichen. Wer schon einmal auf der Buchmesse war, weiß, wovon wir sprechen. Auch die Hörspielarena war nur mäßig gefüllt. Der Eindruck, dass der Hörspielbereich Jahr für Jahr schrumpft, ist auch 2018 wieder aufgekommen. Nichtsdestotrotz tun die Organisatoren und auch die Aussteller selbst viel dafür, dass man sich wohlfühlt und ein bisschen Hörspielwelt mit nach Hause nehmen kann.

Hörspielarena Leipziger Buchmesse 2018

Die Hörspielstation der Hörspielarena.

Gegen Nachmittag ging es dann zur Lesung von Kathrin Weßling. Sie hatte ihren dritten Roman im Gepäck “Super, und dir?”. Darin geht es um die 31-jährige Marlene Beckmann, die immer allen und vor allem sich selbst gerecht werden will und an dem Druck irgendwann zugrunde geht. Immer muss alles toll, schön, 1A sein – Social Media sei Dank! Kathrin Weßling hat einen dabei in einen Sog gezogen – wir selbst sind ja ebenso in dieser Generation aufgewachsen und können hier gut nachempfinden. Daher danke für diese inspirierende Lesung und die Widmung im Buch! <3 Kathrin Weßling ist bodenständig, lustig und das auf eine Art, die einfach geradeaus ist. Das nimmt man ihr ab und das liest man im Buch, was wir ziemlich klasse finden.

Super und dir von Kathrin Weßling

Im Anschluss haben wir bei Matabooks vorbeigeschaut. Matabooks ist ein junges Unternehmen aus Dresden, das zukünftig vegane Bücher aus Graspapier produziert und dadurch die Möglichkeit gibt, einen Beitrag zum Umwelt-, Klima- und Tierschutz zu leisten. Wir waren am Stand und haben mal ein Näschen genommen. Es ist verrückt, aber es riecht tatsächlich nach Gras! Aktuell sammelt Matabooks Geld über eine Startnext-Kampagne ein. Falls du also dieses innovative Projekt unterstützen möchtest, freut sich das Team von Matabooks über deine Teilnahme an der Kampagne! Wir finden die Idee klasse und glauben, dass Matabooks auf jeden Fall Zukunftspotential hat!

matabooks

matabooks auf der Leipziger Buchmesse.

Ausgeklungen haben wir den Messetag in der Messebuchhandlung – der Geldbeutel sagt Danke …!

Buchkauf bei der Leipziger Buchmesse

Buchkauf auf der Leipziger Buchmesse.

Der Messe-Freitag (16.03.18)

Freitag lag die Buchmesse ganz im Zeichen des verschneiten Winters – kontrastreicher hätte es zum Donnerstag nicht sein können. Neben dem allgemeinen Stöbern auf der Messe, haben wir uns eine Talkrunde im Forum “Hörbuch + Literatur” angehört. Das Thema: “Hörbuch streamen – Fluch oder Segen für die Branche?” Zu Gast waren (v. l. n. r. sitzend): John Ruhrmann (Bookwire),  Thilde Nybro Pfeifer (Saga Egmont), Sebastian Pobot (Maritim) und Johannes Ackner (Buchfunk).

Podiumsdiskussion Leipziger Buchmesse

Talkrunde auf der Leipziger Buchmesse.

Das Thema ist für uns natürlich dahingehend interessant, da man Hörbuch auch gut durch Hörspiel ersetzen kann. Ist es Fluch oder Segen, dass man die ganzen Hörspiele bei Spotify & Co. streamen beziehungsweiese auch downloaden kann? Wir sind hier zwiegespalten. Unsere Liebe zu den alten Medien ist bekannt (hihi), aber nichtsdestotrotz gehen natürlich auch wir mit der Zeit. Wie sagte Sebastian Pobot von maritim so schön:

Der Hauptumsatz wird mit Streaming generiert. CDs sind “Alibiprodukte” für die Fans, die was in der Hand halten wollen.

Wir sind im Allgemeinen nicht allzu große Fans der CD, aber manche Hörspiele sind es einfach wert, im Regal stehen zu können und nicht nur als liebloser Download auf dem Smartphone.

Ein weiterer kleiner Abstecher in die Hörspielarena hat uns ein Treffen mit Falk Puschmann und Matthias Arnold beschert. Die beiden Hörspieler haben ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert und ein Rezensionsexemplar gab es on top! Danke dafür!

Falk Puschmann und Matthias Arnold

V.l.: Falk Puschmann und Matthias Arnold.

Im Anschluss haben wir uns noch die Lesung von Mareike Fallwickl mit ihrem Debüt-Roman “Dunkelgrün fast Schwarz” angehört. Ähnlich wie bei Kathrin Weßling hat uns die Geschichte um eine Dreiecksfreundschaft sehr berührt. Der Buchkauf steht hier aber leider noch aus – wird aber definitiv nachgeholt!

Mareike Fallwickl

Mareike Fallwickl liest aus ihrem Debüt-Roman “Dunkelgrün fast Schwarz”.

Insgesamt hat es sich mal wieder sehr gelohnt, nach Leipzig zu fahren. Es ist ähnlich wie beim Hörspielhören oder beim Buchlesen. Man schaltet den Kopf einmal komplett aus, lässt sich fallen und verbringt ein, zwei Tage in einer Parallelwelt. Kein Wunder, dass der Messeblues im Anschluss immer so hart ausfällt. Leipziger Buchmesse ist eines unserer Highlights im Jahr – daher möchten wir an dieser Stelle noch einmal allen danken, die uns die Teilnahme in diesem Jahr wieder möglich gemacht haben. Es war uns ein Fest und wir freuen uns schon auf kommendes Jahr! Neben den ganzen gekauften Büchern hatten wir tolle, inspirierende Gespräche mit verschiedensten interessanten Menschen. Die kassettenbox sagt Danke!

Unsere Errungenschaften

Unsere Errungenschaften.

kb-nachgefragt: Hörspielmacher Falk T. Puschmann auf der #LBM17

Ja, also wir sind jetzt hier auf der Leipziger Buchmesse und wir treffen heute Falk zum kurzen Interview. Stell Dich doch mal vor bitte.

Falk: Hallo, ich bin Falk Puschmann, ich bin Hörspielmacher vom Label Innovative Fiction. Hab angefangen mit nichtkommerziellen Hörspielen und habe jetzt gerade eben eine große Verschwörungsmystery-Saga veröffentlicht.

Und du hast dich jetzt hier heute an einem Samstag nach Leipzig begeben. Was hast du dir angeschaut, was kann man vielleicht hörspieltechnisch auf der Leipziger Buchmesse so erwarten?

Falk: Ja, für mich geht es auf der Buchmesse eigentlich meistens mehr darum, um die Leute zu treffen – also andere Macher – und sich ein bisschen auszutauschen, aber auch mit den Hörern in den Plausch zu gehen. Und erstmalig bin ich diesmal leider zeitlich kein Aussteller. Und sonst gibt es immer schön die Möglichkeit, so ein bisschen mit auch Hörern – wie gesagt – in Gespräche zu kommen und zu hören, was ihnen denn an den Hörspielen gefällt, nicht gefällt, oder sie generell mal vom Hörspiel zu überzeugen. Ich war die letzten Jahre auch gerne in der Fantasy-Halle – also quasi, nennen wir es mal “Feindesland” freundlich -, wo dann wirklich das geschriebene Wort regiert und man dann mit Leuten wirklich mal sprechen kann über Hörbücher, Hörspiele und den Unterschied zum geschriebenen Wort. Das ist sehr spannend.

Du hast uns aber vorhin verraten, dass du neue Projekte an Land ziehen wirst demnächst oder auch schon angeheuert hast. Mit dem “Fluch” bist du ja jetzt soweit durch. Crowdfunding möchtest du demnächst auch wieder starten?

Falk: Ja, Crowdfunding habe ich jetzt ja gerade eben ein großes abgeschlossen. Nachdem die Produktion statt anderthalb Jahren vier Jahre gedauert hat, wird es noch ein bisschen dauern, bis ich das nächste Crowdfunding angehe, weil ich sehr sehr viel daraus gelernt habe – gerade was Projektvorbereitung und so weiter angeht – und eher die Projekte kleiner mache. Was ich mir im Moment angucke für das nächste Projekt ist Patreon, was so eine Mischung aus Crowdfunding und Abomodell ist. Wo du als Künstler die Möglichkeit hast zu sagen, pro Produktion oder pro Monat kann man dich unterstützen und die Unterstützer können selber bestimmen, wie viel – quasi 1 EUR/Monat – und dafür bekommen sie dann spezifische kleine Goodies, wie man das eben vom Crowdfunding klassisch kennt. Das finde ich eigentlich eine sehr spannende Geschichte, gucke ich mir gerade an und ansonsten ist das nächste in der Pipeline Richtung Abenteuer, Action und so ein bisschen Endzeitszenario. Da habe ich eine Geschichte als Blogroman geschrieben und die möchte ich gerne als Hörspiel umsetzen.

Kannst du da aus einer Reihe von Sprechern schöpfen, die du schon kennst, oder musst du immer komplett neu überlegen, wen du da anfragen könntest?

Falk: Ja, das Schöne an der Sache ist, dass man natürlich – Innovative Fiction gibt es jetzt bald seit acht Jahren – da hat man so eine gewisse Familie beisammen. Und auch aus der nichtkommerziellen Hörspielzeit kenne ich sehr viele Sprecher. Das heißt, man hört bei Innovative Fiction sehr viele Familienmitglieder auch immer wieder in unterschiedlichen Rollen. Es kommen aber auch immer wieder neue hinzu – also sowohl als auch. Das war das Schöne beim “Fluch”, weil wir eben durch das Crowdfunding ein bisschen größeres Budget zur Verfügung hatten, eben auch einige neue Leute mit an Bord holen können und auch einige bekanntere Sprecher – wie zum Beispiel Vera Teltz, Helmut Krauss hatten wir dabei. Also eben auch einige namhaftere Leute mit an Bord holen konnten, die wir dann im Studio aufgenommen haben.

Und du hast uns veratten, dass wir dich auch auf der Hörmich treffen können?

Falk: Genau. Die Hörmich, eine sehr schöne, kleine Veranstaltung. Da bin ich zwar diesmal leider auch nur als Besucher, aber die kann ich auch jedem ans Herz legen. Es gibt sehr viele schöne Live-Hörspiele und auch die Möglichkeit, mit Machern ins Gespräch zu kommen – eigentlich eine sehr familiäre Atmosphäre. Und ich hab sie davor auch nur von Hörensagen gekannt und war sehr positiv überrascht. Das ist ein Tag und der geht ratzfatz vorbei.

Für Leute, die den Fluch nicht kennen: Worum geht es da, was war deine Grundidee?

Falk: “Der Fluch” ist so ein bisschen Verschwörungsmystery und eine Mischung aus H. P. Lovecraft meets Akte X. Die Geschichte beginnt ganz einfach mit einem Bestsellerautoren, der so in die Einsamkeit fliehen möchte und den aber sein Erfolg so ein bisschen verfolgt bzw. in der kleinen Stadt Port Hardy auch eines seines Bücher sich plötzlich in Tatsache oder Realität verwandelt und dadurch eben der Anfang für ein ganz großes Abenteuer gesponnen wird. Wo wir eben Glen Snider, den Autor, besser kennenlernen. Wir haben den dortigen Dorfsheriff Kate O’Conner, die spielt eine sehr wichtige Rolle dabei. Die ersten beiden Folgen bilden da so einen schönen Rahmen, um abschließend vier Folgen noch auf eine deutlich größere Geschichte zu bringen, die dann auch, glaube ich weltumspannend, kann man sagen, ist – im wahrsten Sinne des Wortes. Gerade für Freunde der klassischen Verschwörungsmystery-Geschichten, Regierungsverschwörungen, komischer, unerklärlicher Phänomene, Anomalien, usw., denke ich eine sehr schöne Geschichte.

Was uns bei sm Hören auffiel, wo wir manchmal überlegen mussten: Das ist ja eine sehr komplexe Story, super viele Sprecher … Man muss wirklich am Ball bleiben, man kann es nicht nebenher hören. Hast du da bewusst auf eine Erzählstimme verzichtet?

Falk: Genau, da haben wir bewusst drauf verzichtet, weil wir die Hörspiele sehr filmisch umsetzen wollten: Der Zuhörer macht seine Augen zu und sieht den Film dann wirklich vor dem geistigen Auge. Die Herausforderung besteht natürlich darin, sehr sehr viel mehr über Sounddesign zu machen, was wir versucht haben. Und es ist dementsprechend auch nicht unbedingt zum nebenher beim Bügeln oder zum Einschlafen hören, aber wir haben versucht, die Geschichte auf mehrere Ebenen zu bringen. Das heißt, wer auch wirklich dranbleibt und auch gerne mal ein zweites Mal hört, wird immer noch so kleine Details entdecken, die wir eingebaut haben in die Geschichte. Und insgesamt bilden die sechs Teile auch eine komplett abgeschlossene Reihe, die jetzt auch bei unserem Vertrieb Pop.de als schöne kleine Sammelgeschichte erhältlich ist und bietet sehr sehr viel Platz auch, sich selber die Geschichte auch weiter im Kopf zu spinnen.

Was würdest du jungen, ambitionierten, kreativen Leuten empfehlen, die ein Hörspiel machen wollen? Wie sollen die da rangehen?

Falk: Das Einfachste ist: Es gibt inzwischen sehr viele Möglichkeiten, im Internet selber schon, gerade im nichtkommerziellen Bereich, so erste Gehversuche zu machen. So habe ich angefangen und es war und ist auch eine Talentschmiede für bekanntere Leute, so im nichtkommerziellen Bereich anzufangen. Dementsprechend wäre das meine Empfehlung, weil da kann man, ohne den finanziellen Druck – das muss jetzt so und so viel Geld machen – einfach mal ein bisschen auch mit Geschichten herumexperimentieren und es gibt sehr sehr tolle Hörspiele, die dabei entstehen und auch diverse Profisprecher wie Martin Sabel – spricht zum Beispiel auch bei uns mit – ist in sehr vielen Computerspielen zu hören, die auch immer wieder solche Projekte unterstützt haben – also finde ich einen sehr schönen Einstieg.

Und zum Schluss: Hast du noch einen Hörspieltipp für uns?

Falk: Einen Hörspieltipp … Ich habe die Tage mal wieder Morland gehört. Ich weiß nicht, ob ihr die kennt. Das ist eine Fantasy-Trilogie, die ich immer sehr gerne empfehle, weil sie so ein bisschen Underdog-mäßig ein Schattendasein fristet, aber eine richtig schön groß erzählte Young Adult Fiction ist, die sehr viel Spaß macht. Bei HeadRoom ist sie erschienen. Ich glaube, die CDs sind inzwischen vergriffen, aber digital gibt es sie noch bei iTunes & Co. – kann ich sehr ans Herz legen, sehr schöne Geschichte.

Vielen Dank für das Gespräch und für deine Projekte weiterhin alles Gute. Wir werden das verfolgen!

Falk: Vielen Dank für das Interview.