Zu Gast bei der Ferienbande LIVE im Kölner GLORIA

Auch für die kassettenbox beginnt so langsam das “postpandemische” Zeitalter, die kleineren Events nehmen zu, die Hörspielszene trifft sich wieder persönlich. Auch wenn es sich noch ganz merkwürdig anfühlt: Es ist schön. Denn: Wir können nicht behaupten, dass wir durch die Corona-Pandemie deutlich mehr Hörspiele gehört hätten. Eigentlich hatten wir eine regelrechte Hörspiel-Flaute. Wer kennt’s noch?

Das haben wir natürlich prompt zum Anlass genommen, die Ferienbande einmal live zu erleben. Nachdem wir Kai Schwind, Schöpfer und Autor der Ferienbande, Ende 2019 zum Interview getroffen haben, haben wir Blut geleckt. Wir waren nämlich noch nie bei der Ferienbande! Nachdem die Tour im letzten Jahr verschoben werden musste, waren spätestens jetzt sämtliche Ausreden verpufft. Denn die geplante Tour hat die verrückte Bande in diesem Jahr wie geplant wiederholt. Wir fuhren also am 27. September Abends ins Kölner GLORIA!

GLORIA meets eingeschworene Ferienbande-Fans

Im GLORIA angekommen, waren wir mal wieder überwältigt vom Setting. Hier haben wir vor 5 Jahren Oliver Rohrbeck zum Interview getroffen und sind auch schon für andere Veranstaltungen im alten Theater gewesen. Wir schauten uns um: Wow, Bernd & Bröckchen (alias Sven Buchholz), Baul (alias Kai Schwind), Babsi & Bambi (alias Chris Peters, auf dieser Tour Karoline Mask von Oppen) und Erzähler Matthias Keller haben eine ganz schön eingeschworene Fangemeinschaft, die sicher noch ihr Ticket aus dem letzten Jahr mitgebracht hat.

Quelle: Die Ferienbande – Tour 2021

Zugegeben, wir waren skeptisch. Schließlich hörschauspielert die Ferienbande seit 2013 als Parodie auf die Jugendhörspiele der 80er durch die Republik. Die Folge: Als Neuling kann man sich zwischen Insidern, Repliken an vergangene Touren und bekannten Gags fehl am Platze fühlen. Oder im Zweifel lachen, wenn alle anderen nicht lachen und anders herum. Hatten wir als kassettenbox einfach den Einstieg verpasst? Ein wenig!

Ein verfluchtes Horror-Hotel? Darum ging es beim neuen Fall der Ferienbande

(Quelle: Offizielles Tour-Programm: Meltdown im verfluchten Horror-Hotel, Die Ferienbande 2021)

Ein magisches Buch. Ein verfluchtes Hotel. Und Bernd, früher genannt Beate, Baul, Bröckchen und Babsi, das Mädchen, die mal wieder völlig überforderte Ferienbande – das sind die Zutaten für das neue Programm der Kult-Parodie auf die Jugendhörspiele der 80er Jahre. TKKG, Die drei ??? und Die EUROPA Gruselserie heißen die Vorbilder, die hier mit viel Liebe zum Detail durch den Kakao gezogen werden. Auf der Bühne: fünf Sprecher, ein Geräuschemacher und ein Plüschhund. Vor der Bühne: ein Publikum, welches diesmal den Handlungsverlauf mitbestimmen darf. Was soll das nur wieder werden? In jedem Fall ein Comedy-Live-Hörspiel der besonderen Art.

Vorsicht, kein Kinderkram: ab 12 Jahre!

Quelle: Die Ferienbande

Unser Fazit: Die Ferienbande LIVE

Endlich waren wir dabei! Die Ferienbande ist ein absolutes Muss für Kasssettenkinder und die, die es mal werden wollen. Wer sich in der Hörspielwelt Zuhause fühlt, der sollte sich ein Live-Event der Ferienbande definitiv auf Augen und Ohren geben. Es war ein launiger Hörspiel-Abend mit vielen Lachern, peinlich berührten Blicken und einer ordentlichen Prise derbem Humor. Unser Highlight: die Nonne!

Die Macher sind durch die Bank versierte Hörspieler, die in der Branche bekannt sind: Kai Schwind als Autor und Regisseur der großen Die drei ??? Live-Touren Der seltsame Wecker – Live and Ticking, Phonophobia und Der dunkle Taipan, Sven Buchholz als Sprecher bei u.a. Prinzessin Lillifee und Matthias Keller als Mitglied der berüchtigten Acappella-Truppe Die U-Bahn Kontrolleure in tiefgefrorenen Frauenkleidern und im Ensemble von Die drei ??? und der dunkle Taipan.

Natürlich konnten wir nicht an eine große Ferienbanden-Tour-Erfahrung anknüpfen, aber wir wurden akustisch mitgenommen. Es war plump, es war schmutzig und sexistisch, einfach witzig. Nicht immer, aber immer öfter! Schließlich hat jeder seine Lieblingsfigur und -stimme und das ist auch gut so. Es geht um die Stimmen, um die schauspielerische Performance, weniger um den Inhalt. Eine waschechte Parodie eben!

Da es sich an dem Abend um das grand finale der Ferienbande LIVE-Tour gehandelt hat, wird es auch baldigst einen Mitschnitt geben.

Weitere Infos gewiss in Kürze hier: www.ferienbande.de

kb-nachgefragt: Backstage-Interview mit Oliver Rohrbeck & Detlef Bierstedt

Am 8.12. waren wir mal wieder live vor Ort. Diesmal bei der restlos ausverkauften Prima Vista Lesung ® im Kölner GLORIA Theater mit den Sprecherlegenden Oliver Rohrbeck (Justus Jonas/Ben Stiller) und Detlef Bierstedt (George Clooney).

Kurz vor der Show hatten wir die Möglichkeit, mit den beiden ein äußerst sympathisches Gespräch zu führen. An dieser Stelle findest du das ganze Interview zum Nachhören und -lesen. Viel Spaß!


Was erwartet die Besucher heute Abend?

Oliver Rohrbeck: Ähm … Literatur, Lesung vom Feinsten … Nein also wir lesen alles, was das Publikum mitbringt. Wenn das langweilig ist, schmeißen wir es sofort wieder weg und nehmen uns den nächsten Text vor. Wir intepretieren die Texte, so wie wir Lust darauf haben und versuchen einen lustigen Leseabend hier zu gestalten zu zweit. Und das hat bisher eigentlich immer ganz gut geklappt. Also wir lesen alles prima vista – auf den ersten Blick -, weil wir kennen die Texte ja nicht. Und das Publikum wird versuchen, uns klein zu kriegen, indem wir uns dann ver-lesen – oft. Das wird ihm hoffentlich nicht gelingen!

Wie bereitet man sich auf so einen Abend vor? Das ist ja alles recht spontan. Kann man sich überhaupt vorbereiten?
Hinter der Bühne: Gleich geht's los!

Hinter der Bühne: Gleich geht’s los!

Detlef Bierstedt: Naja, man geht vorher in die Kneipe und trinkt ein bisschen was, damit man locker genug wird. Nee, aber man kann sich natürlich nicht vorbereiten, weil wir ja nicht wissen, was kommt. Das ist ja gerade das Schöne, das ist ja auch ein bisschen für uns das Spannende, das Aufregende und aber auch das Ent-spannende. Man muss jetzt nicht irgendwelche Trainingseinheiten machen, weil wenn man Zeit hat, sich vorzubereiten, dann wird auch Perfektion erwartet. Also, wenn man Theater spielt, dann hat man sechs oder acht Wochen Zeit, dann wollen die Leute ein perfektes Ergebnis. Wir wollen einfach nur versuchen, unser Genre auszuüben. Und das heißt Lesen und das so gut wie möglich, aber wenn es halt mal nicht so wirklich funktioniert, dann ist das auch sehr menschlich und von daher ist das für uns auch sehr entspannend.

Oliver Rohrbeck: Also wir bringen einfach die Lebenserfahrung jetzt mit, weil wir eben viel in unserem Leben beruflich lesen und insofern sind wir das der Hoffnung, dass man uns nicht kleinkriegt.

Gibt es Dinge, kann man sagen , die so bei jedem Publikum funktionieren, so ein prototypisches Publikum? Oder muss man sich immer wieder neu auf neue Situationen einlassen?

Oliver Rohrbeck: Eigentlich muss man sich immer wieder neu darauf einlassen. Wir singen auch manche Texte, das wird immer sehr goutiert. Also wir sehen einfach, wie die Stimmung jetzt ist und wie sie mitgehen und haben ja aber trotzdem keine andere Chance. Wir greifen uns Bücher aus dem Berg an Büchern heraus und gucken, wie es funktioniert.

An Lesestoff mangelt es nicht!

An Lesestoff mangelt es nicht!

Und wie ist das: Spielt ihr auch mit den Hörerwartungen? Also, wenn man z.B. irgendwie so eine Girlie-Zeitschrift nimmt oder so. Da würde man vielleicht eine gewisse Lesart erwarten. Inwieweit spielt ihr da vielleicht auch mit den Hörerwartungen?

Oliver Rohrbeck: Extrem spielen wir mit den Hörerwartungen. Wenn es nach einer schlechten Synchronisation klingen soll, dann werden wir es auch so machen. Wir versuchen da natürlich auch Klischees zu bedienen, aber wir machen auch manchmal überraschende Sachen. Und dann sind die plötzlich wie gebannt und sind ganz leise und hören gebannt zu, wenn wir da ganz ernste Texte liegen haben und dann versuchen wir sie runterzurocken.

Welche Textsorte lest ihr am liebsten oder seid ihr offen für alles?

Oliver Rohrbeck: Wir sind offen für alles, aber manches eignet sich dann doch nicht und ist sofort langweilig. Also wenn die uns dann da das Bundesgesetzbuch hinlegen, dann liest man da mal rein, aber dann werden wir das nicht 20 Minuten in der Hand behalten. Also das funktioniert dann einfach nicht, aber dann kann man ihnen mal zeigen: Das können wir auch lesen, aber das … interessiert keinen weiter (Detlef Bierstedt). Die wollen Unterhaltung haben und insofern müssen da erheiternde Sachen zwischen sein.

Volles Haus im Kölner GLORIA Theater.

Volles Haus im Kölner GLORIA Theater.

Erinnert ihr euch noch an einen spektakulären Text oder an einen Moment, wo ihr besonders Spaß hattet?

Oliver Rohrbeck: Ja, wir hatten zum Beispiel mal ein finnisches Kinderbuch. Das hast du gelesen, … nee gesungen, … ein schwedisches. Hast du gesungen und ich habe es simultan übersetzt. Obwohl wir natürlich weder Finnisch noch Schwedisch sprechen.

Detlef Bierstedt: Da waren auch keine Noten dabei!

Wo wir eben schon beim Alkohol waren: Welchen Einfluss hat denn so der Alkohol auf’s Lesen?

Oliver Rohrbeck: Naja, der macht das lockerer und wir wollen das ganze einfach nicht zu zwanghaft ernst machen. Also, das ist, wenn man zu einer Literaturlesung geht und der Autor setzt sich hin und hat ein Wasserglas da und … dann weiß ich schon, dass viele Leute dann denken: ‘Och Mensch, heute ist ja Champions League, hätte ich auch da gucken können.’ Und insofern … wir wollen einen unterhaltsamen Abend bieten und trinken dabei ein bisschen Wein und das Publkum findet das ganz spannend, weil sie dann denken, das bringt uns jetzt zum Stolpern.

Prima Vista Lesung im Kölner GLORIA Theater

Prima Vista Lesung im Kölner GLORIA Theater

Gibt es Texte, die euch peinlich sind?

Detlef Bierstedt: Wenn etwas Peinliches wäre, dann kann man es ja weglegen. Es gibt immer Sachen, wo man gleich merkt: Das ist jetzt irgendwie doof zu lesen, das macht irgendwann … Man merkt, es hat keinen Rhythmus, es hat keine Sprache oder es geht zu sehr unter die Gürtellinie, dass es auch nicht mehr komisch ist. Dann brechen wir es einfach ab und legen es zur Seite.

Die drei Fragezeichen-Frage muss natürlich noch sein: Was ist da denn noch so geplant in Zukunft? Also jetzt steuert es ja so langsam auf die 200. Folge zu. Müssen die Fans da vielleicht mit einer kleinen Pause rechnen oder geht es erst einmal munter weiter?

Oliver Rohrbeck: Also mit einer Pause müssen sie, glaube ich, nicht rechnen. Solange die Bücher dazu noch geschrieben werden, machen wir da auch weiter. Also wir haben jetzt nicht vor, das zu unterbrechen, weil wir sehen uns ja nur alle drei, vier Monate zu Aufnahmen und insofern haben wir ja immer Pause dazwischen. Es geht jetzt einfach weiter. Ob wir noch eine Tour machen, steht völlig in den Sternen. Das wissen wir noch nicht, aber werden wir jetzt mal in nächster Zeit darüber reden.

Und ansonsten geht es erst einmal weiter. Wir machen Record-Release-Partys regelmäßig weiter – zu jeder Folge in einer anderen Stadt und machen nächstes Jahr die Klassiker-Tour wieder. Das heißt also ich reise mit dem Geräuschemacher herum und wir machen das als Mitmachhörspiel mit Publikum. Dann suchen wir uns welche aus dem Publikum und machen dann alte wunderbare Klassikerfälle der drei ??? mit Publikum. Also, es passiert eine ganze Menge rund um Fragezeichen. Ich glaube, das Wuppertaler Vollplayback Theater (VPT) fährt auch wieder herum mit Fragezeichen, Ferienbande fährt bald wieder rum, mal mit einem Verarschungshörspiel à la Jugendhörspiele. Es geht weiter!

Das freut uns natürlich zu hören. Vielen Dank für das Interview!

Die Prima Vista Lesung ® ist eine Veranstaltung der Lauscherlounge. An dieser Stelle einen herzlichen Dank für die Ermöglichung des Interviews! :-)

Wir waren schon einmal bei einer Prima Vista Lesung in der Dresdner Schauburg. Hier gibt es den Bericht zum Nachlesen.