Ein Fall für die 3 Herren – Das Diamantenamulett (1)

Auf der HÖRMICH sprachen wir mit den sympathischen Hörspielern von RoKoSt Hörspiele: Ingo Rotkowsky, Christian Kock und Kai-Peter Boysen (bis 2016 Jan Hendrik Steinfeldt). 2005 wagten die drei Ermittler den Sprung ins Kriminalgenre und lernten sich in der Erzählung “Das Diamantenamulett” kennen. Hauptspielort ist das New York der 1930er Jahre, aber es verschlägt Jefferson, Weinstein und Steinberg auch auf ferne Kontinente, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Seit 2011 hat das Trio auch die Bühne für sich entdeckt. Vor allem in ihrer Heimat Kiel, aber auch über die Stadtgrenze Kiels hinaus, ist die Live-Lesung elementarer Bestandteil des Labels.

Den Stoff für die “3 Herren” liefert der kreative Kopf Christian Kocks; geschrieben und produziert werden die meist klassisch arrangierten Whodunnit-Stories (Hä?) daraufhin gemeinsam, um am Ende unter dem Label “RoKoSt” für die Hörspielreihe “Ein Fall für die 3 Herren” veröffentlicht zu werden. Im Laufe der Jahre haben sich Textarbeit und Produktion beständig professionalisiert – und das hört man auch.

Ein neuer Fall für die kassettenbox: “Ein Fall für die drei Herren – Das Diamantenamulett” (1).


Die 3 Herren

Eines rauen englischen Herbstes im Jahre 1925 treffen die 3 Herren das erste Mal aufeinander. Das Ermittlertrio besteht fortan aus Detektiv Isaak Weinstein, Inspektor Walther Jefferson sowie dem renommierten Physiker Julius Steinberg.

Eine ausweglose Gefangenschaft

Ihr gemeinsames Schicksal schweißt die drei Ermittler schließlich zusammen. Die schier verzwickte Lage in einer Friedhofskatakombe ist weder Zufall, noch eine Verkettung unglücklicher Umstände …

Der 1. Fall

Weinstein, Jefferson und Steinberg sind – ohne es zu Wissen – Opfer eines perfiden Planes geworden. Ein Verbrechen führt die Wege des Detektivs, des Inspektors und des Physikers zusammen. In ihrem 1. Fall geht es um Gut und Böse, einen alten Land­sitz, eine adlige Cou­sine, ein kost­ba­res Juwel, einen per­fide kon­stru­ier­ten Zufall. Die drei mit kri­mi­na­lis­ti­schem Spür­sinn ver­an­lagten Typen, tun sich schließlich zusammen, um ihren ers­ten gemein­sa­men Fall zu lösen – ein möderisches Unterfangen!


Fazit

Inhalt:

Wir befinden uns akustisch im New York der 1930-er Jahre: Mordlüsterne Verbrecher, unerklärliche Leichen, bizarre Wirrungen, die die Polizei ratlos zurücklässt. Die 3 Herren, Wahl-New Yorker mit harter Schale und weichem Kern, haben noch jedes unlösbare Rätsel geknackt – mit ihrer nonchalanten Art, ihrem bissigen Humor und ihrem großen Hunger begeben sie sich auf Verbrecherjagd im verwobenen New Yorker Untergrundmilieu. “Das Diamantenamulett” bietet vom Erzählstoff eine insgesamt runde Dar­bie­tung, dichte Atmo­sphäre und eine anspruchs­volle Kriminalgeschichte.

Sprecherleistung:

Beim Erstlingswerk haben wir es sprecherseitig eindeutig mit einer Low-Budget-Produktion zutun. Die Stimmen sind schwer zu unterscheiden, es mangelt ihnen hier und da an Klangfarbe und Tiefe. Und dennoch ist das Ermittler-Trio stimmliches Highlight, verkörpert von den drei “Label-Herren”:

  • W a l t h e r  J e f f e r s o n, amerikanischer Inspektor der New Yorker Polizei, wird von Christian Kock als brummbäriger und scharfsinniger Analytiker repräsentiert. Die stimmliche Adaption gelingt, denn Jefferson gewinnt man lieb mit seinem harten linken Haken und seinem Faible für kalten Kakao.
  • Ingo Rot­kow­sky verleiht dem Engländer und gewitzten Detektiv I s a a k  W e i n s t e i n seine Stimme. Bei seinem Erscheinen schlagen Herzen höher und auch die Kneipenwirte in seinem Viertel sind entzückt.
  • J u l i u s  S t e i n b e r g, deutscher Physiker und Mathematiker, ist ein formelschwerer Naturwissenschaftler mit einer ziemlich rationalen Sicht auf die Dinge. Sein Ruf als Klugscheißer eilt ihm voraus. Und doch weiß er tatsächlich vieles besser. Jan Hendrick Stein­feldt mimt ihn perfekt nach!
Geräusche und Musik:

„Ein Fall für die 3 Herren“ ist eine Mischung aus szenischer Lesung, Krimi-Hörspiel und Comedy. Die drei Kieler beherrschen ihre Rollen sehr gut und dennoch merkt man, dass das Hörspiel wohl eher live funktioniert. Denn die Stimmen der anderen Sprecher, Geräusche und Atmo werden lediglich dazugemischt. Dabei liegt die gesamte Produktion – von der Idee zum Skript, über Sprecheraufnahmen bis hin zur Post-Produktion und Musik in den Händen der drei Herren. Der Stil erinnert an Sherlock Holmes. Und dennoch haben wir es beim Erstlingswerk eher mit einer Hobbyproduktion zutun.

Cover und Titel:

Cover und Titel bilden eine perfekte Symbiose. Das Coverbild ist mit viel kreativem Spürsinn illustriert worden. Der Titel macht Lust auf mehr. Wir sind gespannt auf Folge 2!


Fakten

Genre:

Krimi

Label:

RoKoSt Hörspiele

Gesamtspiellänge:

25min + Bonus

Produktionsjahr:

2005 | Neuaufnahme 2013/2015


In eigener Sache:

Für diesen Blogbeitrag haben wir ein Rezensionsexemplar von RoKoSt Hörspiele erhalten. Der Text wurde in Eigenregie erstellt und spiegelt unsere persönliche Meinung wider. Sie wurde in keiner Weise von Autoren, Produzenten oder Labels beeinflusst.

Folge der Woche: Geisterjäger John Sinclair – Im Nachtclub der Vampire (1)

Wir wagen uns mal wieder in unbekanntes Hörspiel-Terrain. Lauscher aufgesperrt für den Geisterjäger John Sinclair, eine Hörspielserie von Lübbe Audio.

Wer ist eigentlich dieser John Sinclair?

Der Ermittler John Sinclair ist eine Kult-Figur des Horror-Heftromans. Seit 1973 (erfahre hier mehr zum „Gespenster-Krimi“) mauserte er sich zum Helden im Kampf gegen das Unheilvolle. Seit 1978 ermittelt er als Titelheld der eigenen Serie. Schon seit einigen Jahren – bis heute gibt’s schon 111 Folgen! – können Fans den berühmt-berüchtigten Geisterjäger auch als Hörspiel entdecken. “Geisterjäger John Sinclair” – das ist Gruselambiente allererster Kajüte! Professionelle Sprecher erwecken die Gruselgeschichten zum Leben. Die Musik wird stimmungsvoll eingesetzt und auch der Action-Faktor kommt dabei nicht zu kurz.

Darf ich mich vorstellen? Oberinspektor bei Scotland Yard

Seit mehr als 40 Jahren ist das Rezept gleich geblieben: John Sinclair, nach außen hin Scotland Yard-Oberinspektor kämpft gegen das Böse, das sich in mannigfaltigen Kreaturen aus den Bereichen Horror, Fantasy und Mythologie zeigt. Als absolute Neulinge beginnen wir natürlich mit Folge 1 – “Im Nachtclub der Vampire”. Das entspricht dann wohl dem Gruselfaktor 10.000! John Sinclair ist nichts für schwache Nerven:

Das Jahrtausend war noch jung. Die Menschheit hatte der Natur viele Geheimnisse entrissen. Wissenschaft und Technik verdrängten den Glauben an das Übernatürliche. Doch das Böse existierte, und es war schlau. Aus dem Dunkeln griff es an und holte sich seine Opfer.

Geister, Dämonen, die Ausgeburten der Hölle sie alle warteten auf den Tag, an dem Satan die Herrschaft auf Erden übernehmen und die Menschheit in Unheil und Chaos stürzen würde. Doch einer war ausersehen, gegen die Mächte der Finsternis zu kämpfen. Dämonen nannten ihn den Sohn des Lichts. Seine Freunde nannten ihn den Geisterjäger. Sein Name war: John Sinclair.

© Lübbe Audio – aus: Geisterjäger John Sinclair, Hörspiel-Reihe


Grauen in London

London steht Kopf: Ein Krankenhaus vermeldet mehrere gestohlene Blutkonserven. Die deutsche Studentin Marina Held (Silke Haupt) beobachtet drei blutverschmierte Frauen, die dabei sind, eine Leiche zu beseitigen. Unverzüglich meldet sie es John Sinclair (Frank Glaubrecht), den sie auf der Durchreise im Flugzeug kennengelernt hatte. Kurz darauf fehlt von ihr jede Spur. Das Böse führt Sinclair in eine Bar nach Soho.

Vampir-Schwestern

Im Shoking Palace macht John Sinclair Bekanntschaft mit einer neuen Vampir-Generation, die einen uralten Dämon auf die Erde bringen wollen. Drei Vampirinnen eröffneten die Bar, um in Soho fortan ihr Unwesen treiben zu können. Zwei Männer machen sie durch ihre hinterlistige Art und ihre geschickte Verführungstechnik zu Vampiren. John Sinclair muss sie aufhalten, ehe es zu spät ist.

John Sinclair, Retter in der Not

John muss das Vampirnest ausheben, damit das Grauen in Soho ein Ende nimmt. Vorher gilt es jedoch, Marina zu retten. Es ist ein Kampf um Leben und Tod.


Fazit

Inhalt:

In der ersten Geschichte des Geiserjägers dreht sich alles um eine Bar inmitten des verrufenen Londoner Viertels Soho. Folge 1 bietet feinsten Gruseltrash, der akustisch bestens aufbereitet und damit unterhaltsam ist. Die Spannungsmomente sorgen dafür, dass beim Hören keine Langeweile aufkommt. Die Vampirgeschichte ist nicht sensationell. Betrachtet man sie ganz nüchtern, gleicht sie eher dem Genre Horrortrash (jedoch mit solider Umsetzung!). Wenn man seine literarisch-kulturellen Ansprüche ein wenig herunterschraubt, wird man bei diesem Hörspiel bestens unterhalten.

Auffallend ist, dass die Figur des John Sinclair in der ersten Folge der Hörspiel-Reihe noch nicht als Superman daherkommt, der die Welt vor unheilvollen Gestalten zu retten ersucht. Das wäre durchaus zu erwarten gewesen und ist umso überraschender und angenehmer, dass es – zumindest bei den früheren 2000-er Folgen – noch nicht der Fall ist.

Sprecherleistung:

Die Sprecherleistung ist beachtlich. Allen voran leisten der Erzähler Joachim Kerzel und Frank Glaubrecht in der Hauptrolle als Geisterjäger John Sinclair hervorragende Arbeit. Als Dritte im Bunde liefert Silke Haupt eine authentische Rolle ab. Einzig und allein Eva Spott schwächelt als Clara Sanders in ihrer Vampirrolle im zweiten Teil des Hörspiels an der ein oder anderen Stelle.

Geräusche-Umsetzung:

Musik und Effekte tragen in “Im Nachtclub der Vampire” erheblich dazu bei, dass die Folge akustisch gelingt. Da der Plot als solcher recht banal daherkommt – kb-Tipp: Grusel/Horror- und Vampir-Content sind schon recht speziell und muss man mögen! -, wertet ihn die stimmige Geräuschkulisse gehörig auf. Sensationell ist die, zu Beginn eines jeden Szenenwechsels platzierte, Preisgabe der Ortsangaben – einmalig spannungsgeladen umgesetzt in der Hörspielbranche!

Gesamtspiellänge:

48min04

Produktionsjahr:

2000


Lieblingszitat:

Marina Held: “Sie sind aber kein Steuerberater, oder?”
John Sinclair: “Nein, schlimmer! Ich bin … Beamter.”


Besetzung:
Erzähler Joachim Kerzel
John Sinclair Frank Glaubrecht
Sir Powell Karl-Heinz Tafel
AnsageFred Bogner Fred Bogner
Marcos Tumb Henning Bornemann
Fahrer Thomas Friebe
Marina Held Silke Haupt
Jörg Kernbach Doktor
Lara Friedericke Klebert
Mona Sibylle Kuhne
Zuhälter Klaus Nierhoff
Ted Willard Stephan Runge
Flugzeug-Durchsage Monika Rydell
Clara Sanders Eva Spott