Folge der Woche: Point Whitmark – Die Bucht der 22 Schreie (1)

“Die Bucht der 22 Schreie” ist der Auftakt der Hörspielreihe “Point Whitmark”. Es geht um einen Radiosender, der in der gleichnamigen Stadt angesiedelt ist und von drei Freunden betrieben wird.


Turn the radio on

Die 1. Folge von Point Whitmark dient hauptsächlich der Vorstellung der drei Hauptcharaktere, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, einen kleinen Radiosender namens Point Whitmark zu betreiben und nach der Schule mysteriöse Fälle zu lösen.

Untergang der Albacore

Vor etlichen Zeiten ist vor der Küste Point Whitmarks ein Schiff untergegangen. Dieser Vorfall ist bis heute nie ganz aufgeklärt worden. Viele Mythen ranken sich um den Untergang der Albacore. Nachdem der Frachter vor 30 Jahren auf Grund gelaufen war, verloren 22 Seeleute ihr Leben.

Die drei Schüler Jay Lawrence (Sven Plate), Tom Cole (Kim Hasper) und Derek Ashby (Gerrit Schmidt-Foss) glauben, in den Untergangsgeschichten eine Themenreihe für ihren Radiosender gefunden zu haben. Schließlich liegt das Wrack des geheimnisvollen Frachters versunken vor der nordamerikanischen Küste. In den Tiefen des Atlantiks droht den Freunden ein furchtbares Schicksal …

Briefe aus dem Jenseits

Die drei Jungs beginnen mit der Recherche und versuchen, die näheren Umstände der Jahrezehnte zurückliegenden Tragödie zu ergründen. Doch damit scheinen sie die Seelen der 22 ertrunkenen Seeleute zur schrecklichen Rückkehr beschworen zu haben. Denn prompt erreichen sie schriftliche Ermahnungen, die die eindringliche Warnung enthalten, nicht weiter zu ermitteln. Das Unheimliche: Die Briefe scheinen aus dem Jenseits zu kommen und von den 22 toten Seeleuten verfasst worden zu sein. Gefahr aus dem Reich der Toten!

Hinzu kommt die anstehende Bürgermeisterwahl von Point Whitmark sowie zahlreiche Beschwerden über die Radio-Berichterstattung der drei Jungen.


Fazit

Inhalt:

Point Whitmark ist eine Hörspielreihe für Jugendliche bzw. Hörspielfreunde, die auf Atmosphäre und Brutalität gut und gerne verzichten können. Die drei Freunde – Jay Lawrence, Tom Cole und Derek Ashby – sind mitnichten ein schlechter Abklatsch von Die drei Fragezeichen – im Gegenteil: Die Serie Point Whitmark bietet an der einen oder anderen Stelle mehr Tiefgang und frische Ideen mit ordentlich Humor.

Kritisch anzumerken ist an dieser Stelle, dass die Zusammensetzung der Hauptdarsteller stark an den drei Detektiven Justus, Peter und Bob angelehnt scheint. Schließlich haben wir es mit drei Jungs zutun, die noch zur Schule gehen – darunter ein Sportler, ein technikaffiner Freak und ein ziemlich schlauer und etwas unsportlicher Dritter im Bunde. Hinzu kommt, dass sich die Geschichten in zwei Kleinstädten – sei es Point Whitmark oder Rocky Beach – mit Sheriff als ausführendem Organ der Justiz abspielen. Zufall oder Absicht?

Nichtsdestotrotz macht die Serie Lust auf mehr. “Die Bucht der 22 Schreie” ist gut durchdacht, die Spannungsbögen stringent aufgebaut und logisch nachvollziehbar. Die erste Folge ist klar ausbaufähig, zum Einstieg aber bestens geeignet. Dranbleiben – es wird spannender!

Sprecherleistung:

Bekannte Hörspiel- und Synchronsprecher machen die Hörspielgeschichte zu einer unterhaltsamen Krimistory. Die Sprecher transportieren das Unheimliche, vermitteln viel Action und machen aus “Die Bucht der 22 Schreie” ein stimmiges Gesamtkonzept.

Extrem störend ist jedoch die Tatsache, dass die drei Hauptprotagonisten stimmlich schwer auseinanderzuhalten sind. Weniger als bei den drei Fragezeichen, haben Jay, Tom und Derek keine expliziten Charaktereigenschaften, die für einen markanten Wiedererkennungswert sorgen würden. Damit verlieren die Figuren ihre Individualität. Durch die Konturlosigkeit werden die Figuren zu einer einzigen. Ziemlich schade!

Geräusche und Musik:

“Die Bucht der 22 Schreie” ist professionell produziert, gespickt mit schönen Effekten und angenehmer Hintergrundmusik. Besonders gefällt uns der Einstieg in die Folge, da wir die drei Jungen direkt hinter ihren Mikros im Radio erleben dürfen.

Cover und Titel:

Die Cover der Point Whitmark-Reihe sind Geschmacksache. Die Farbgebung ist recht grob. Der Zeichenstil ist unserer Meinung nach nicht für das allgemeine Auge gemacht – zu viel 90er-Jahre-Stil für eine Serie aus den 2000ern. Der Titel “Die Bucht der 22 Schreie” ist hingegend sehr mystisch und Spannung verheißend.

Gesamtspiellänge:

63min22

Produktionsjahr:

2001


Besetzung:
Erzähler Jürg Löw
Jay Lawrence Sven Plate
Tom Cole Kim Hasper
Derek Ashby Gerrit Schmidt-Foss
Direktor Reno Jürgen Uter
Matt Stinger Raimon Weber
Bürgermeister Morris Henning Schlüter
Stadtrat Riverdale C.-D. Clausnitzer
Sheriff Baxter Andreas Becker
Cassandra Harris Tanja Kuntze
Deputy Nelson Roger Trash
Mrs Bushland Ines Burkhard
Vater Callahan Heinz Ostermann
Arbeiter Christian Tasche

Folge der Woche: Sherlock Holmes – Die Originale: Die fünf Orangenkerne (4)

Es ist mal wieder an der Zeit, die kassettenbox mit bester britischer Detektivarbeit zu füllen. Wie könnte uns dies besser gelingen als mit einer weiteren Folge der Woche aus der Sherlock Holmes-Sphäre. *Trommelwirbel* Hiermit präsentieren wir dir Die fünf Orangenkerne. Viel Spaß beim Lesen!


Ein nörgelnder, quengelnder, alter Mann

Oberst Openshaw (Eckart Dux) beklagt sich darüber, dass die heutigen Reichen für ihr Geld nicht hart arbeiten mussten, so wie er (auf den Plantagen damals … ). Ihm wurde der goldene Löffel nicht in die Wiege gelegt. Er hat hart geschuftet, um dort zu sein, wo er jetzt steht. Der Oberst scheint ein recht unzufriedener Mensch zu sein. Er motzt herum und schimpft ebenso mit seiner Haushälterin Mabel (Marina Erdmann), die schlechten Kaffee kocht.

Ein Brief mit Obstinhalten

Kurz darauf erhält Oberst Openshaw in Anwesenheit seines Neffen einen Brief. Er beinhaltet Obst, genauer gesagt: Überreste einer Orange. Fünf Orangenkerne! Der Oberst ist ganz außer sich und verfällt in Panik. Sein Neffe John Openshaw (Charles Rettinghaus) ist ganz verwundert, um nicht zu sagen schockiert, über dessen Reaktion. Er kann sich partout nicht erklären, wieso sein Onkel so scharf auf diesen Briefinhalt reagiert. „Ich bin tot“, sagt Oberst Openshaw. Welche Geschichte mag dahinterstecken?!

John Openshaw spricht in der Bakerstreet vor

John Openshaw sieht keinen anderen Ausweg, als bei Sherlock Holmes in der Bakerstreet anzuklopfen. Der junge Openshaw erklärt die Lage und zeigt das Kuvert, in dem die Orangenkerne abgegeben wurden. Auf der Innenseite des Kuverts findet sich ein Satz: „Leg die Papiere an die Sonnenuhr“. Vermutlich ist damit die Sonnenuhr im Garten der Openshaws gemeint. Was aber meint die Abkürzung KKK, die ebenfalls auf dem Kuvert steht?

Sherlock Holmes und Dr. Watson sind höchstmotiviert, um dieses Rätsel zu lösen. Gemeinsam mit John Openshaw fahren sie zum Anwesen der Openshaws. Doch da ist es schon passiert. Achtung Spoiler! Oberst Openshaw liegt im Gartenteich – tot.

Ein Fall für Sherlock Holmes & Dr. Watson

Viele offene Fragen ergeben sich: Was hat es mit den Orangenkernen auf sich? Wieso reagierte Oberst Openshaw so entgeistert, als er den Brief öffnete? Können Sherlock Holmes und sein Assistent Dr. Watson das Rätsel lösen? Und von wem wurde Oberst Openshaw umgebracht? Hat es etwas mit Openshaws Vergangenheit in den USA zu tun?


Kurzfazit

Inhalt:

Ein simpler Brief mit fünf Orangenkernen. Was kann dies schon bedeuten? Sollte dies etwa spannend sein? Zunächst kann man sich darunter keinen detektivischen Fall ableiten. Frei nach dem Motto „Die Vergangenheit holt uns alle irgendwann ein“ führt der vierte Fall von Sherlock Holmes – die Originale in die Geschichte von Oberst Openshaw.

Klassisch und rational wird der Inhalt des Hörspiels wiedergegeben. Spannung kommt dabei zunächst nicht auf; erst als auch John Openshaw in Gefahr gerät, wird der Hörer ein bisschen angefixt. Für den jungen Openshaw eröffnen sich ganz furchterregende Tatsachen aus der Vergangenheit seines Onkels. Zusätzlich kann man bei dieser Folge auch geschichtlich dazulernen. Und am Ende irrt sich sogar ein Sherlock Holmes, was tiefgreifende Folgen mit sich bringt …

Ganz abgesehen von diesem Fall sind wir der Meinung, dass ein Hörspiel nicht immer spannend sein muss, damit es sich lohnt, zuzuhören. Sherlock Holmes & Dr. Watson sind Grund genug, um ihren Fällen zu lauschen, da sie als Figuren hervorragend harmonieren und ein kleiner Schmunzler im Hörspiel auch sehr viel wert sein kann.

Sprecherleistung:

Eckart Dux als Oberst Openshaw übernimmt die Rolle des unzufriedenen alten Greises. Dies macht er brillant. Man kann die Sichtweisen des Obersts nachvollziehen, dennoch schafft Eckart Dux es, den Oberst unsympathisch erscheinen zu lassen.

Charles Rettinghaus, der John Openshaw seine Stimme leiht, hat in zahlreichen anderen Hörspielen mitgewirkt. So ist seine Stimme auch bekannt aus den Hörspielen Bibi & Tina, wo er die Stimme des Holger Martin einnimmt und Geisterjäger John Sinclair, wo er die Stimme für verschiedenste Charaktere darstellt. Im 21. Fall von Sherlock Holmes – Die Originale übernimmt Rettinghaus ebenfalls eine Figur.

Die Stimmen von Sherlock Holmes und seinem Kollegen Dr. Watson sind, wie gewohnt, 1A umgesetzt.

Geräusche-Umsetzung:

Die Geräusche stehen in diesem Hörspiel eher im Hintergrund, allerdings werden sie auf klassische Weise, wie man es bei Sherlock Holmes gewohnt ist, ins Geschehen integriert.

Gesamtspiellänge:

70min00


Lieblingszitat(e):

Sherlock Holmes: “Wie kann ich Ihnen behilflich sein, Mr Openshaw?”
John Openshaw: “Indem Sie sich mit Obstkernen genauso gut auskennen wie mit arabischen Pantoffeln!”

Ein unserer Meinung nach sehr schönes Zitat, das Sherlock Holmes erst mal genauso “doof” dastehen lässt, wie er das mit seinen wirren, für ihn rationalen, Gedanken bei manch anderem tut.

John Openshaw: “Wissen Sie, wer meinen Onkel ermordet hat?”
Sherlock Holmes: “Ja und Nein!”
Dr. Watson: “Holmes … HOLMES … was ist denn das schon wieder für eine Antwort. Jetzt rücken Sie schon raus mit der Sprache!”

Sherlock Holmes ist Justus Jonas in so vielen Dingen soo ähnlich! Oder umgekehrt?!


Besetzung:

Sherlock Holmes Christian Rode
Dr. Watson Peter Groeger
John Openshaw Charles Rettinghaus
Oberst Openshaw Eckart Dux
Mabel Marina Erdmann
Sergeant Pimbelton Udo Schenk
Zahlmeister Achim Schülke
Jim Henry König
Jed Peter Betram
Zeitungsjunge Till Endemann
Polizist Volker Bogdan