kb-spezial: Das Kassetten-Manifest

In eigener Sache

Warum es sich lohnt, an der guten alten Analogtechnik festzuhalten.
Unser Kassetten-Manifest.

Bist auch du durch das laute Klackern, das uns das Ende von Seite A anzeigte, aus dem Schlaf hochgeschreckt? & kennst du noch den verfluchenswerten Bandsalat, den man am besten mit dem Zeigefinger oder einem gewöhnlichen Bleistift wieder in den Griff bekommen hat? Im “besten” Falle hat uns die Freundin oder der Freund, der/dem wir eine Kassette von uns geliehen haben, den Bandsalat auch noch verschwiegen und gleich mit in die Kassettenhülle gepackt … – Aber Spaß beiseite: Hier lest ihr unsere Worte der Anerkennung!


Eine Kassette ist für manch einen von uns viel mehr als nur ein Tonträger zur Aufzeichnung und Wiedergabe von akustischen Signalen. Ein richtiges Kassettenkind ist mit ihr aufgewachsen. Daher ist es schade, dass “die Kinder von heute” schon lange nicht mehr wissen, was eigentlich eine Kassette ist. (In gleicher klischeehafter Weise, wie wir “Kinder von damals” nicht mehr wussten, was überhaupt eine Schallplatte ist.)

Die klassische Kompaktkassette – wie wir sie noch kennen – enthält ein Tonband, das zur einfachen Handhabung und zum Schutz meistens in ein Kunststoff- oder Metallgehäuse eingeschlossen ist. Abspielen und Aufnehmen erfolgte im Kassettenrekorder. Bis in die späten 1990er, & übrigens seit den frühen 1970er-Jahren, war die Kompaktkassette eines der meistgenutzten Audio-Medien neben Vinyl und später der sogenannten Compact Disc, die nur einen kurzen Hype hatte.

Aber das Abspielen von Kassetten stand nicht allein dem Kassettenrekorder zu. Für ein mobiles Hören sorgte Sony im Jahr 1979 mit seiner Marke Walkman. So konnten Kassettenkinder auch unterwegs ihre Kassetten hören. “Walkman” wurde schnell zum allgemeinen Begriff für den tragbaren Kassettenspieler. Für manch einen unter uns eine wahre Innovation!

Kindheit und Kassette – das ist für uns, die in den Nullerjahren aufgewachsen sind, auf jeden Fall etwas, das zusammengehört. Provokant gefragt: Wer möchte seinem Kind schon einen iPod kaufen oder ein Spotify-Abo und ihm damit so viele Erkenntnisse vorenthalten, die manch einer von uns nicht missen möchte? Wir lieben den digitalen Wandel und seine unerschöpflichen Möglichkeiten, aber wir lieben nunmal auch die gute alte Audio-Kassette.

Immer weniger Kassetten-Konsum im Haushalt & unterwegs

Früher hat man sehr viel Kassette gehört. Heute wird die Kassette mehr zum Einschlafen herausgeholt. Das ist schon seit langer Zeit zu einem festen Ritual geworden. Ohne Kassette ist an Schlaf gar nicht zu denken. Vielleicht wird sie auch heute hier und da noch zwischendurch eingeworfen, zum Beispiel beim Putzen. Schon lange wird sie im Auto nicht mehr gebraucht, was für Kassettenkinder, wie wir es sind, sehr schade ist. Es ist sicher nur noch eine Frage der Zeit bis auch der CD-Player in den Autos verschwindet (aber darüber wollen wir uns gerade nicht auslassen!).

Denn es geht doch nichts über ein selbstgemachtes Mixtape, das man idealerweise von seiner besten Freundin oder seinem besten Freund geschenkt bekommen hat und das sich am besten dann und wann im Ton überschlägt und einen kurzen Bandsalat überwinden muss. Glücklichweise werden Die drei Fragezeichen noch immer auf MC vertrieben; für Hörspielsammler ein Muss!

Unsere letzten Worte widmen wir unserer guten alten Hörspiel-Kassette.

Liebe Kassette,

trau Dich, den harten digitalen Wandel in Zeiten von Streaming- und On-demand-Mentalität ein Stück mitzulaufen. Wir geben Dich nicht auf, halten an Dir fest, solang es Rekorder gibt, die Dich abspielen. & solang es EUROPA gibt. Lass Dich nicht als überholt abstempeln. Nutze die Chancen, die in Dir stecken. Denn Du bist das einzige Medium, das pausieren kann ohne Strom zu verbrauchen.

Hochachtungsvoll & Dir in ewiger Liebe verbunden
Deine Kassettenkinder

& zum Schluss ein schöner Link zum Schmunzeln:
Old School track search

2 Kommentare bei „kb-spezial: Das Kassetten-Manifest“

  1. Ein sehr schöner nostalgischer Artikel!

    Ich finde es interessant, dass ihr als “Nuller”-Kinder noch mit Kassetten aufgewachsen seid. Aber halt, nein, so interessant nun auch wieder nicht, denn mein Sohn (und seine Kindergartengefährten) sind das vielfach auch noch.

    Die Kassette hat nämlich gegenüber der CD einen entscheidenden Vorteil: Sie ist unglaublich robust! Eine Kassette kann man problemlos mehrfach erfolglos versuchen einzulegen, dabei abrutschen, sie über den Fußboden schieben, und sie in die Ecke schleudern. Eine CD macht das nur bedingt mit :-)

    Abschließend noch ein Link zum Schmöckern: http://tapedeck.org/

    Und noch abschließender ein Musikhinweis zum Thema »Mixtape«: https://www.youtube.com/watch?v=wSBpcXRY5-Y

    1. Hi Gregor,

      erst mal danke für deinen Kommentar und deine Links. Einfach klasse!
      Das beruhigt uns, dass doch noch ein paar Kinder von heute mit Kassetten aufwachsen! Das ist doch irgendwie eine schöne Sache!

      Hoch lebe die Kassette (so lange wir sie lassen! :))

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