Und auf Erden Stille – Staffel 1 – Folgenreich

Am 29. Januar 2021 ist die erste Staffel der Hörspielserie “Und auf Erden Stille” bei Folgenreich / Universal Music erschienen. Buch und Regie stammen aus der Feder von Balthasar von Weymarn, für Sounddesign, Musik und Produktion ist Jochim-C. Redeker verantwortlich. Jede der zehn Episoden hat eine Spieldauer zwischen 20 und 30 Minuten.

Der Klappentext

Die 16jährige Rhiannon lebt mit 200 anderen Überlebenden der Großen Katastrophe tief unter der Erde in einem verlassenen Bergwerk. Mit ihrer Armbrust geht sie tagsüber auf die Jagd nach Luchsen, Rentieren und Hunden. Als ein Bericht des Informationstrupps Rhiannons verschollen geglaubten Vater anklagt, ein für die Große Katastrophe verantwortliches Virus geschaffen zu haben, wird sie verbannt. Sie darf nur zurückkehren, wenn sie ein Gegenmittel findet. Und so macht Rhiannon sich auf den gefahrvollen Weg zu dem Ort, der einmal Manhattan hieß …

Die Endzeit-Hörspielserie »Und auf Erden Stille« ist das neue Meisterwerk von Jochim-C.Redeker und Balthasar von Weymarn (INTERPLANAR Produktion GbR), den beiden Machern der erfolgreichen und mehrfach ausgezeichneten MARK BRANDIS-Hörspielserie. In zehn dicht gewebten Episoden begleiten wir die junge Heldin durch eine veränderte Welt, die sowohl vertraut als auch erschreckend fremd ist. Auf einer großen akustischen Leinwand erwarten die Hörer lebensnahe Figuren, intensive Dialoge, spektakuläres Sounddesign, epische Musik und die Antwort auf die Frage, warum »auf Erden Stille« ist …

Cover zur Hörspielserie “Und auf Erden Stille”

Zum Audiotrailer geht es >>> hier <<< entlang!
Hörprobe zur 1. Staffel

Unser Eindruck

Erzählt in zehn Episoden, erfahren wir immer mehr von dieser ungewöhnlichen Welt und wie sie so geworden ist — ohne Autos, Flugzeuge, Elektrizität und mit viel weniger Menschen auf dem Planeten. Gemeinsam mit der Heldin erleben wir die Gefahren, die auf dem Weg zu Fuß nach New York City auf Rhiannon lauern.

Die Endzeit-Hörspielserie ist das neue Werk der beiden Macher hinter der MARK BRANDIS-Serie. Die akustische Leinwand, die wir schon in Episode 1 kredenzt bekommen, hat es in sich. Die Figuren agieren lebensnah, die Dialoge sind intensiv, das Sounddesign ist beeindruckend und nicht zuletzt die Musik kommt episch ziemlich daher.

Die Hörspielserie behandelt ein Thema, das aktueller denn je ist: ein gefährliches Virus. Anfänglich waren wir etwas skeptisch, allerdings ist die Parallele zur aktuellen Krise auch spannend. Die Zukunft im Hörspiel ist jedoch weitaus düsterer und erzählt die Geschichte der jungen Rhiannon, die nach der Apokalypse als Waisenkind in einer Menschenkolonie aufgewachsen ist und nun, Jahre später, in die große weite Welt aufbricht, um die Spuren ihres Vaters zu suchen.

Klare Empfehlung unsererseits, allerdings muss man das Genre Science-Fiction mögen und sich auf dystopische Szenarien einlassen können. Übrigens: Folgenreich hat bereits verkündet, dass es eine zweite Staffel garantiert geben wird.

Besetzung:

Erzählerin | Vera Teltz
Rhiannon | Sarah Alles
Ranger | Björn Schalla
Max Bucerius | Konrad Bösherz
Jerome Beaucarte | Oliver Stritzel
Lisa | Derya Flechtner
Finn | Richard Barenberg
Anna | Ulrike Kapfer
Krzysztof |Detlef Bierstedt
Miguel | Daniel Montoya
Ben | Tilmar Kuhn
Lennart | Benno Lehmann
José | Tanya Kahana
Luke | Wolfgang Rositzka
Martinus | Uve Teschner
Malcolm | Dirc Simpson
Jeff | Arne Kapfer
Bud | Rene Otto
Garlef Roth | Daniel Claus
Kommissarin Bülker | Sabine Ehlers
Colonel Grech | Carlo Kitzlinger
Vanusa Schmidt | Luisa Wietzorek

u.v.m.

Weitere Informationen: www.folgenreich.de


In eigener Sache:

Für diesen Blogbeitrag wurde uns das CD-Boxset von Glücksstern-PR zur Verfügung gestellt. Der Text wurde in Eigenregie erstellt und spiegelt unsere persönliche Meinung wider. Sie wurde in keiner Weise von Autoren, Produzenten oder Labels beeinflusst.

Folge der Woche: Offenbarung 23 – Wer erschoss Tupac? (1)

Was in den Köpfen der Menschen bislang als bloße Verschwörungstheorie galt, wird in der Hörspielserie “Offenbarung 23” Wirklichkeit. Dabei verschwimmen Realität und Fiktion und werden zu einer spannenden und komplexen Story verwoben.

Bei dem folgenden Hörspiel handelt es sich um eine dramatische Aufarbeitung von Verschwörungstheorien. Die Handlung und auch die Personen dieser fiktiven Geschichte agieren unabhängig vom tatsächlichen Wahrheitsgehalt. Die Theorien jedoch basieren auf Tatsachen und auf einer gründlichen Recherche.

(Stimme der Wahrheit, in: “Offenbarung 23”)

Offenbarung 23 – Hörspiel, Hörbuch & Roman 

“Offenbarung 23” ist eine Hörspielserie und Roman-/Hörbuch-Reihe mit wortspielerischem Bezug zu einem apokalyptischen Text des Neuen Testaments. Im Verlag Bastei Lübbe erschienen die Romane in Form von Thrillern unter dem Autoren-Pseudonym Jan Gaspard, den ungelöste Geheimnisse, universelle Rätsel und die Verschwörungstheorien unserer Zeit faszinieren. Das Hörbuch zum ersten Roman “Machiavelli” (Lesung von Till Hagen) erschien im Lübbe Audio-Verlag.

Die Hörspielserie greift verschiedene Verschwörungstheorien fiktional mit Versatzstücken der Realität auf. Bis zur 57. Hörspielfolge wird die Rahmenhandlung von Jan Gaspard erzählt. Seit Folge 58 stammen die Manuskripte von der Autorin Catherine Fibonacci.

Folgen 1-29: Die großen Rätsel der Menschheit

Die ersten 29 Folgen von “Offenbarung 23” handeln vom Berliner Studenten und Hacker-Profi Georg Brand, der sich selbst T-Rex nennt und mit Hilfe seines alten Laptops zufällig auf das digitale Vermächtnis der im Jahre 1998 verstorbenen Hacker-Ikone Tron stößt. Der Held des Chaos Computer Clubs hatte seinerzeit eine ganze Reihe der großen Menschheitsrätsel gelöst und die Lösungen in Form von kleinen versteckten Rätseln, sogenannten Chiffren, der Nachwelt zur Entschlüsselung hinterlassen.

In “Offenbarung 23” geht es um klassische Verschwörungstheorien – etwa um den Mord an John F. Kennedy, den Untergang der Titanic, den Absturz der Hindenburg, den Unfall von Lady Diana – eben um Schlagzeilen, geheimnisvolle Tragödien und skrupellose Verbrechen.

Wer erschoss Tupac? (1)

Die erste Folge der Hörspielserie “Offenbarung 23”, “Wer erschoss Tupac?”, behandelt die Verschwörungstheorie um den 1996 verstorbenen Tupac Amaru Shakur. Bis heute sind die Todesumstände des US-amerikanischen Rap-Musikers ungeklärt.

Zahlreiche Mythen ranken sich um den Tod des Rappers, der durch mehrere Kugeln in Brust, Becken, Arm und den rechten Lungenflügel ums Leben gekommen sein soll. Angeheizt werden die Gerüchte durch Behauptungen, Tupac habe seinen Tod nur vorgetäuscht.


Ein ganz normales Hacker-Leben

Der Student und ambitionierte Hobby-Hacker Georg Brand (David Nathan) lebt seinen eintönigen Alltag hinter’m Rechner. Bis ein unveröffentlichter Song von Tupac (Torsten Michaelis) sein Leben verändern soll. Erste Nachforschungen ergeben eine heiße Spur zum Hacker Tron (Benjamin Völz), der scheinbar sämtliche Geheimnisse der Menschheit ver- und entschlüsselt hat. Was hat es mit dem Suizid der Hacker-Legende auf sich?

Zwei Morde

In Berlin wird Boris F., alias Tron, erhängt in einem Park vorgefunden. In Las Vegas wird der berühmte Rapper Tupac durch mehrere Schüsse getötet. Mehrere Hinweise deuten darauf, dass es offensichtlich eine Verbindung zwischen den beiden Morden geben soll.

Rapper-Geheimnisse

Eine unveröffentlichte CD wird dem studentischen Hacker Georg Brand, alias T-Rex, in die Hände gespielt. Was hat es mit den Liedzeilen auf sich? Oder handelt es sich lediglich um ein raffiniertes Täuschungsmanöver? Diverse Akteure heften sich an die Fährten von T-Rex. Was soll verschleiert werden, wer steckt hinter der kuriosen Affäre? Der schlagzeilenwütige Reporter Kai Sickmann (Detlef Bierstedt) legt T-Rex in regelmäßigen Abständen Geld für eine gute Story auf den Tisch. Dieser nimmt die Moneten jedoch gerne an sich. Laufen die Ermittlungen aus dem Ruder?

Gut zu wissen:

Wenn du erfahren willst, wie es weitergeht, hör dir direkt im Anschluss an die erste Folge “Tupacs Geheimnis” (2) an, da es sich strenggenommen um eine Doppelfolge handelt.


Fazit

Inhalt:

Wurde der Rapper Tupac tatsächlich ermordet? Wurde sein Tod womöglich nur inszeniert? Und was hat es mit dem unveröffentlichten Song, den er mit Tron aufgenommen hat, auf sich? Willkommen auf der Spielwiese der Verschwörungstheorien, Spekulationen und kuriosen Vorfälle.

“Offenbarung 23” muss sich hinter der Pilotfolge “Wer erschoss Tupac?” keinesfalls verstecken. Wenn du auf gut gemachte Hörspielkost stehst, können wir dir “Offenbarung 23” getrost ans Herz legen. Dabei musst du nicht unbedingt ein Faible für Verschwörungen haben oder dir täglich 9/11-Fake-Videos reinziehen. Wichtig ist nur, dass du die Serie nicht mit der Hoffnung verbindest, revolutionäre Offenbarungen bzw. bahnbrechende Erkenntnisse zu erhalten.

Der dramaturgische Handlungsbogen und die Verschwörungstheorien um Tupac haben genügend Tiefgang, um glaubwürdig und spannend zu sein. Die Geschichte ist genial recherchiert und aufgearbeitet. Leider sind die investigativen Recherchen von T-Rex an so mancher Stelle etwas dürftig und speisen sich aus zu langen Monologen bzw. Dialogpassagen mit dem Reporter, seinem Kumpel Kim Schmittke (Dietmar Wunder) oder der gut aussehenden Tatjana Junk, alias Nolo (Marie Bierstedt).

Was dennoch ausbleibt sind endgültige bzw. ausführliche oder gar wissenschaftliche Beweise für die vermeintlich aufgedeckten Verschwörungen. Dennoch eine interessante Darstellung des US-amerikanischen Rapper-Milieus mit dynamischem Spannungsaufbau – ein gelungener Auftakt!

Sprecherleistung:

Die Sprecher agieren durchweg überzeugend und sind größtenteils bekannte Persönlichkeiten aus der Szene.

Allen voran verdient Georg Brand (alias T-Rex), der durch David Nathan verkörpert wird, lobende Worte. Leider tritt der Synchron- und Hörspielsprecher jedoch etwas zu souverän auf, als dass er einen übergewichtigen Computer-Nerd im Studentenmilieu glaubhaft verkörpern könnte. David Nathan ist zwar eine wahre Hörfreude, jedoch stellt man sich bei längerem Hören einen anderen Charakter – als ursprünglich konzipiert – vor. Hier sollten der Fantasie jedoch keine Grenzen gesetzt sein. Kai Sickmann alias Detlef Bierstedt agiert als skrupelloser Reporter, dem keine Story zu schade ist, um sie nicht vor Aufdeckung aller Fakten zu veröffentlichen.

Hin und wieder hat man das Gefühl, dass die Personen allwissend oder bisweilen naiv agieren, um die Handlung sprunghaft voranzutreiben. Die Dialoge hingegen sind durch die Bank unterhaltsam. Funfact: Die Hacker-Legende Tron wird von der deutschen Synchronstimme des Fox Mulder (aus “Akte X”) gesprochen.

Geräusche und Musik:

Passende Hintergrundgeräusche und stimmige Musik. Der Tupac-Song wird immer wieder abgespielt. Das macht die Folge lebendig und bringt uns als Hörer dem Rapper-Milieu näher.

Cover und Titel:

Die Cover von “Offenbarung 23” sind stets düster und dunkel gehalten. Das spiegelt die Obskurität der Verschwörungstheorien gut wider. Wissen und Wahrheit sind die gefährlichsten Güter der Menschheit. Auf dem Cover zur 1. Folge “Wer erschoss Tupac” ist eine leere, blutverschmierte Patronenhülse auf dunklem Asphalt zu erkennen. Aus einer kleinen Blutlache stößt Rauch empor.


Fakten

Genre:

Fantasy/Mystery/Spannung

Label:

Highscore Music/Lübbe Audio

Gesamtspiellänge:

63min07

Produktionsjahr:

2005/2011


Besetzung:
Erzähler Helmut Krauss
Georg Brand (alias T-Rex) David Nathan
Tatjana Junk (alias Nolo) Marie Bierstedt
Kim Schmittke Dietmar Wunder
Stimme der Wahrheit Friedrich Schoenfelder
Nachrichtensprecherin Dagmar Berghoff
Kai Sickmann Detlef Bierstedt
Boris F. (alias Tron) Benjamin Völz
Tupac Amaru Shakur Torsten Michaelis
Tom (alias Mista Beat) Tilo Schmitz
DJ Andy Simon Jäger
Big Daddy Cool Udo Schenk
Bedienung Gerrit Schmidt-Foss
Hammer Jan Spitzer
 

kb-nachgefragt: Backstage-Interview mit Oliver Rohrbeck & Detlef Bierstedt

Am 8.12. waren wir mal wieder live vor Ort. Diesmal bei der restlos ausverkauften Prima Vista Lesung ® im Kölner GLORIA Theater mit den Sprecherlegenden Oliver Rohrbeck (Justus Jonas/Ben Stiller) und Detlef Bierstedt (George Clooney).

Kurz vor der Show hatten wir die Möglichkeit, mit den beiden ein äußerst sympathisches Gespräch zu führen. An dieser Stelle findest du das ganze Interview zum Nachhören und -lesen. Viel Spaß!


Was erwartet die Besucher heute Abend?

Oliver Rohrbeck: Ähm … Literatur, Lesung vom Feinsten … Nein also wir lesen alles, was das Publikum mitbringt. Wenn das langweilig ist, schmeißen wir es sofort wieder weg und nehmen uns den nächsten Text vor. Wir intepretieren die Texte, so wie wir Lust darauf haben und versuchen einen lustigen Leseabend hier zu gestalten zu zweit. Und das hat bisher eigentlich immer ganz gut geklappt. Also wir lesen alles prima vista – auf den ersten Blick -, weil wir kennen die Texte ja nicht. Und das Publikum wird versuchen, uns klein zu kriegen, indem wir uns dann ver-lesen – oft. Das wird ihm hoffentlich nicht gelingen!

Wie bereitet man sich auf so einen Abend vor? Das ist ja alles recht spontan. Kann man sich überhaupt vorbereiten?
Hinter der Bühne: Gleich geht's los!

Hinter der Bühne: Gleich geht’s los!

Detlef Bierstedt: Naja, man geht vorher in die Kneipe und trinkt ein bisschen was, damit man locker genug wird. Nee, aber man kann sich natürlich nicht vorbereiten, weil wir ja nicht wissen, was kommt. Das ist ja gerade das Schöne, das ist ja auch ein bisschen für uns das Spannende, das Aufregende und aber auch das Ent-spannende. Man muss jetzt nicht irgendwelche Trainingseinheiten machen, weil wenn man Zeit hat, sich vorzubereiten, dann wird auch Perfektion erwartet. Also, wenn man Theater spielt, dann hat man sechs oder acht Wochen Zeit, dann wollen die Leute ein perfektes Ergebnis. Wir wollen einfach nur versuchen, unser Genre auszuüben. Und das heißt Lesen und das so gut wie möglich, aber wenn es halt mal nicht so wirklich funktioniert, dann ist das auch sehr menschlich und von daher ist das für uns auch sehr entspannend.

Oliver Rohrbeck: Also wir bringen einfach die Lebenserfahrung jetzt mit, weil wir eben viel in unserem Leben beruflich lesen und insofern sind wir das der Hoffnung, dass man uns nicht kleinkriegt.

Gibt es Dinge, kann man sagen , die so bei jedem Publikum funktionieren, so ein prototypisches Publikum? Oder muss man sich immer wieder neu auf neue Situationen einlassen?

Oliver Rohrbeck: Eigentlich muss man sich immer wieder neu darauf einlassen. Wir singen auch manche Texte, das wird immer sehr goutiert. Also wir sehen einfach, wie die Stimmung jetzt ist und wie sie mitgehen und haben ja aber trotzdem keine andere Chance. Wir greifen uns Bücher aus dem Berg an Büchern heraus und gucken, wie es funktioniert.

An Lesestoff mangelt es nicht!

An Lesestoff mangelt es nicht!

Und wie ist das: Spielt ihr auch mit den Hörerwartungen? Also, wenn man z.B. irgendwie so eine Girlie-Zeitschrift nimmt oder so. Da würde man vielleicht eine gewisse Lesart erwarten. Inwieweit spielt ihr da vielleicht auch mit den Hörerwartungen?

Oliver Rohrbeck: Extrem spielen wir mit den Hörerwartungen. Wenn es nach einer schlechten Synchronisation klingen soll, dann werden wir es auch so machen. Wir versuchen da natürlich auch Klischees zu bedienen, aber wir machen auch manchmal überraschende Sachen. Und dann sind die plötzlich wie gebannt und sind ganz leise und hören gebannt zu, wenn wir da ganz ernste Texte liegen haben und dann versuchen wir sie runterzurocken.

Welche Textsorte lest ihr am liebsten oder seid ihr offen für alles?

Oliver Rohrbeck: Wir sind offen für alles, aber manches eignet sich dann doch nicht und ist sofort langweilig. Also wenn die uns dann da das Bundesgesetzbuch hinlegen, dann liest man da mal rein, aber dann werden wir das nicht 20 Minuten in der Hand behalten. Also das funktioniert dann einfach nicht, aber dann kann man ihnen mal zeigen: Das können wir auch lesen, aber das … interessiert keinen weiter (Detlef Bierstedt). Die wollen Unterhaltung haben und insofern müssen da erheiternde Sachen zwischen sein.

Volles Haus im Kölner GLORIA Theater.

Volles Haus im Kölner GLORIA Theater.

Erinnert ihr euch noch an einen spektakulären Text oder an einen Moment, wo ihr besonders Spaß hattet?

Oliver Rohrbeck: Ja, wir hatten zum Beispiel mal ein finnisches Kinderbuch. Das hast du gelesen, … nee gesungen, … ein schwedisches. Hast du gesungen und ich habe es simultan übersetzt. Obwohl wir natürlich weder Finnisch noch Schwedisch sprechen.

Detlef Bierstedt: Da waren auch keine Noten dabei!

Wo wir eben schon beim Alkohol waren: Welchen Einfluss hat denn so der Alkohol auf’s Lesen?

Oliver Rohrbeck: Naja, der macht das lockerer und wir wollen das ganze einfach nicht zu zwanghaft ernst machen. Also, das ist, wenn man zu einer Literaturlesung geht und der Autor setzt sich hin und hat ein Wasserglas da und … dann weiß ich schon, dass viele Leute dann denken: ‘Och Mensch, heute ist ja Champions League, hätte ich auch da gucken können.’ Und insofern … wir wollen einen unterhaltsamen Abend bieten und trinken dabei ein bisschen Wein und das Publkum findet das ganz spannend, weil sie dann denken, das bringt uns jetzt zum Stolpern.

Prima Vista Lesung im Kölner GLORIA Theater

Prima Vista Lesung im Kölner GLORIA Theater

Gibt es Texte, die euch peinlich sind?

Detlef Bierstedt: Wenn etwas Peinliches wäre, dann kann man es ja weglegen. Es gibt immer Sachen, wo man gleich merkt: Das ist jetzt irgendwie doof zu lesen, das macht irgendwann … Man merkt, es hat keinen Rhythmus, es hat keine Sprache oder es geht zu sehr unter die Gürtellinie, dass es auch nicht mehr komisch ist. Dann brechen wir es einfach ab und legen es zur Seite.

Die drei Fragezeichen-Frage muss natürlich noch sein: Was ist da denn noch so geplant in Zukunft? Also jetzt steuert es ja so langsam auf die 200. Folge zu. Müssen die Fans da vielleicht mit einer kleinen Pause rechnen oder geht es erst einmal munter weiter?

Oliver Rohrbeck: Also mit einer Pause müssen sie, glaube ich, nicht rechnen. Solange die Bücher dazu noch geschrieben werden, machen wir da auch weiter. Also wir haben jetzt nicht vor, das zu unterbrechen, weil wir sehen uns ja nur alle drei, vier Monate zu Aufnahmen und insofern haben wir ja immer Pause dazwischen. Es geht jetzt einfach weiter. Ob wir noch eine Tour machen, steht völlig in den Sternen. Das wissen wir noch nicht, aber werden wir jetzt mal in nächster Zeit darüber reden.

Und ansonsten geht es erst einmal weiter. Wir machen Record-Release-Partys regelmäßig weiter – zu jeder Folge in einer anderen Stadt und machen nächstes Jahr die Klassiker-Tour wieder. Das heißt also ich reise mit dem Geräuschemacher herum und wir machen das als Mitmachhörspiel mit Publikum. Dann suchen wir uns welche aus dem Publikum und machen dann alte wunderbare Klassikerfälle der drei ??? mit Publikum. Also, es passiert eine ganze Menge rund um Fragezeichen. Ich glaube, das Wuppertaler Vollplayback Theater (VPT) fährt auch wieder herum mit Fragezeichen, Ferienbande fährt bald wieder rum, mal mit einem Verarschungshörspiel à la Jugendhörspiele. Es geht weiter!

Das freut uns natürlich zu hören. Vielen Dank für das Interview!

Die Prima Vista Lesung ® ist eine Veranstaltung der Lauscherlounge. An dieser Stelle einen herzlichen Dank für die Ermöglichung des Interviews! :-)

Wir waren schon einmal bei einer Prima Vista Lesung in der Dresdner Schauburg. Hier gibt es den Bericht zum Nachlesen.

kb-mittendrin: Prima Vista Lesung (Dresden)

Am 20. April 2016 waren wir bei der Prima Vista Lesung in der Schauburg in Dresden. Was genau ist eine Prima Vista Lesung?

Eine besondere Art der Lesung

Oliver Rohrbeck und Detlef Bierstedt saßen auf altmodischen Sesseln auf der Bühne, jeder mit einem Glas Weißwein in der Hand und lasen allerlei Mitgebrachtes vor. Die Zuschauer hatten die Möglichkeit, eigene Literatur und Texte mitzubringen, die dann von den bekannten Sprechern von Justus Jonas (Ben Stiller) und George Clooney persönlich vorgetragen wurden.

Alles ist erlaubt! – Egal ob zeitgenössische Kurzgeschichte, klassische Dramendialoge oder Bedienungsanleitungen für koreanische Toaster… und Sie werden überrascht sein, wie viel spielerisches Talent die Synchrongrößen in den Texten unterbringen können (Prima Vista Lesung).

Eine Mischung aus Politik, Satire und Witz

Zu Beginn der Lesung liefen viele Zuschauer herunter zur Bühne, um ihre Texte auf dem großen Tisch abzulegen, aus denen die zwei Synchronsprecher Rohrbeck und Bierstedt per Zufallsprinzip dann vorlesen würden. Viele Texte und Bücher sammelten sich dort – es glich einer Art Flohmarkt-Tisch.

Mit unterschiedlichsten Tonlagen, Geräuschen, Ausdrücken und schauspielerischen Einlagen lasen die beiden Text für Text (nur markierte Stellen) und Buch für Buch vor. Wir hörten eine Mischung aus Politik, Satire, Witz und absolut skurrilen Geschichten: über Stoiber, von der Leyen, Charlie Chaplin oder uns bis dato unbekannten Schreiberlingen, Geschichten über Bären, Tauben, Joodok, Flughafen, Rhabarber Barbara oder analoges Twittern im Hinterhof. Kurzum: Rohrbeck und Bierstedt haben alles dafür getan, um diesen Abend unvergesslich zu machen.

Was soll es auch Schöneres geben, als ein Glas Wein zu genießen und dabei den beiden Hörspiel- bzw. Hörbuchgrößen zu lauschen?

Wir sagen: Daumen hoch für diesen großen Abend! & sprechen damit eine Empfehlung für die Prima Vista-Lesungen (übrigens eine Veranstaltungsreihe der Lauscherlounge!) aus.