Oscar Wilde & Mycroft Holmes – Tod der Königin (4)

Die vierte Folge der Sonderermittler der Krone “Oscar Wilde & Mycroft Holmes” erschien im Juli 2016 bei Maritim. “Tod der Königin” verspricht einiges an Spannung, denn der Zirkel der Sieben, der sich zum Ziel gesetzt hat, das britische Königreich zu zerstören, steht mehr denn je im Fokus dieser Hörspielreihe.



Dr. Grell und der Zirkel der Sieben
Wir befinden uns im Jahr 1895, der Zirkel der Sieben hat Großes vor. Der Wissenschaftler Dr. Grell (K. Dieter Klebsch) wird daher angeheuert, um die Pläne in die Tat umzusetzen. Sie wollen nichts weniger als die Zerstörung des englischen Königshauses.

Ein dreckiger Bettler in Ägypten

Beim britischen Regierungspalast in Ägypten erscheint ein Obdachloser, der sich als der verschollene Forscher William Arkhurst ausgibt. Zuerst glaubt man ihm nicht, doch als er die entsprechenden Identitätsnachweise vorweist, lässt man ihn gewähren und direkt zum Konsul bringen. Dort angekommen, erzählt er seine Geschichte – von seinen Entdeckungen, die er in Afrika gemacht und den Diamanten, die er gefunden und von seinen Kameraden, die er verloren hat. Letztlich kann William Arkhurst einen Diamanten vorzeigen, der wohl bezeugt, dass seine Geschichte der Wahrheit entspricht. Er sorgt dafür, dass er ins britische Königreich zurückkehren kann.

Mycroft Holmes als Sicherheitsbeauftragter für die Queen
Im Buckingham Palace soll William Arkhurst von der Queen geehrt werden – nein, er soll sogar in den Ritterstand erhoben werden. Zu diesem Anlass wurde Holmes beauftragt für die Sicherheit der Queen zu sorgen. Holmes kommt nicht allein – im Schlepptau hat er Oscar Wilde, der sich als Frau verkleidet, um nicht aufzufallen.

Ein Attentat auf die Queen
Doch gerade als Arkhurst von der Queen zum Ritter geschlagen werden soll, kommt es zu Unruhen, Wachsoldaten werden niedergeschlagen und dann zückt Arkhurst plötzlich eine Pistole …

Fazit

Inhalt:

Achtung Spoiler!

Arkhurst ist nicht der, für den die Queen ihn gehalten hat. Er steht mit einer Waffe vor ihr und könnte sie aus kleinster Entfernung tödlich treffen – wenn nicht Oscar Wilde Kunststücke mit seinem Fächer ausführt hätte (das hätten wir doch glatt gern gesehen!). Die Königin scheint zunächst gerettet, doch Arkhurst Komplize sorgt immer noch für Unruhe. Er scheint unglaublich stark zu sein (hier muss der ein oder andere Marvel-Fan sicherlich an Luke Cage denken, der ebenso eine unglaubliche Kraft besitzt und nicht verwundet werden kann!) und keinen Schaden aufzunehmen, egal, ob er beschossen wird. Arkhurst wird letztlich doch zur Strecke gebracht. Bei seiner späteren Obduktion wird festgestellt, dass Teile seiner Organe durch mechanische Instrumente verbessert wurden. Wenn das Attentat auf den Zirkel der Sieben zurückzuführen ist, dann wurde mit diesen “Maschinenmenschen” ein neues Level erreicht.

Spoiler Ende!

In “Tod der Königin” geht es einmal ganz schön zur Sache. Bei eben diesem Empfang im Buckingham Palace. Einem wird abermals bewusst, dass der Zirkel der Sieben eine wahre Bedrohung für Großbritannien darstellt. Bis es aber zu ebendiesem Attentat kommt, vergeht in diesem Hörspiel einige Zeit. Es werden Geschichten erzählt, die letztlich für den Verlauf keine Rolle spielen. Daher stellt man sich hier und da durchaus die Frage, wieso Jonas Maas (Autor) die Geschichte so erzählt. Nichtsdestotrotz halten wir die vierte Folge aus dem Universum von  Oscar Wilde & Mycroft Holmes für gelungen. Sie gibt Einblick in die Machenschaften des Zirkels – zumindest bringt sie ein wenig Licht ins Dunkel und das ist ja schon was :). Wir sind gespannt auf Folge 5.

Sprecherleistung:

Sascha Rotermund und Reent Reins als Oscar Wilde und Mycroft Holmes machen ihre Sache auch in Folge 4 souverän und ansprechend. Es gibt viele Stimmen, die man zuvor noch nicht gehört hat, sodass es hier teilweise schwierig sein kann, den Überblick zu wahren. Auffällig ist natürlich auch – aber das gilt eigentlich für die ganze Hörspielreihe -, dass erstaunlich wenig weibliche Sprecher eingesetzt werden. Im Jahr 1895 hatte man als Frau womöglich noch nicht so viel zu sagen.

Geräusche und Musik:

Die Melodien sind gewohnt gut – hier und da hört man Ähnlichkeiten zum “Fluch der Karibik”-Soundtrack. Wahrscheinlich Zufall?

Cover und Titel:

“Tod der Königin” wirkt schon fast polarisierend. Man kann die Queen doch nicht einfach sterben lassen oder? “Attentat auf das Könighaus” wäre sicher auch ein guter Titel gewesen, aber hätte wahrscheinlich doch zu viel verraten. Zum Tod der Königin ist es ja glücklicherweise letztlich nicht gekommen. Das Cover ist im gewöhnlichen Stil der Hörspielreihe gehalten. Zu sehen ist eine Frau, die gewiss die Queen darstellen soll.


Fakten

Genre:

Krimi / Abenteuer

Label:

Highscore Music GmbH / Maritim

Gesamtspiellänge:

ca. 76 Min

Produktionsjahr:

2016


Besetzung:
Oscar Wilde Sascha Rotermund
Mycroft Holmes Reent Reins
Dr. Benjamin Payton Leonhard Mahlich
Dr. Alfons Grell K. Dieter Klebsch
Königin Victoria Luise Lunow
Reginald Plankert Martin Sabel
Sergeant Crowford Viktor Neumann
Ansage Lutz Mackensy

Folge der Woche: Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg – Entführung auf hoher See (1)

& noch ein weiteres Jules Verne-Abenteuer?

Wenn ihr glaubt, so langsam den Überblick über den Hörspiel-Dschungel zu verlieren, dann geben wir euch an dieser Stelle ein paar Infos zum Klassiker Jules Verne an die Hand.

Alles begann mit einer zündenden Idee beim MARITIM-Verlag (hier gelangt ihr zum Gesamtkatalog), genauer: beim Verleger Sebastian Pobot. Es sollte eine neue Jules Verne-Reihe geben, in der ein altbekannter Charakter als fester Hauptdarsteller fungiert.

Gestatten: Mein Name ist Phileas Fogg, Namensgeber & Held der Hörspielserie

Mit WinterZeit Audiobooks war schnell ein erfahrenes Studio für die Post-Produktion gefunden sowie zwei kreative Autoren – Markus Topf und Marc Freund -, die sich staffelweise abwechseln. 2014 begann man mit der Produktion der Hörspielreihe. Das Konzept, Vernes Geschichten als Eckpfeiler einer neuen Abenteuerserie zu nutzen, kann neue Perspektiven eröffnen.

Jules Verne & Co?

Der ursprüngliche Titel verrät uns ein wenig über die Konzeption der Hörspiel-Serie:

Der Titel sollte anzeigen, dass nicht nur JULES VERNE Charaktere Verwendung finden, sondern auch zahlreiche andere Schöpfungen zeitgenössischer Literatur. Die Idee wurde jedoch wieder verworfen.

(Quelle: WinterZeit Audiobooks)

Jüngst erschien mit “Im Angesicht der Bestien” (VÖ: 27.01.2017) bereits die 8. Folge der neuen Abenteuer des Phileas Fogg.

Doch worum geht’s nun in Folge 1, “Entführung auf hoher See”? Wir haben für euch reingelauscht …


Nach 80 Tagen um die Welt

Seitem der bisweilen eitle, aber äußerst elegant wirkende Abenteurer Phileas Fogg seine 80-tägige Weltreise beendet hat, genießt er von allen Seiten Ruhm und Ehre für seine spektakukäre Mission. Hohe Anerkennung erhält er auch von seiner Frau Aouda (Annina Braunmiller-Jest), die ihm stets den Rücken stärkt.

Ein rastender Weltenbummler?

Doch zum Ausruhen fühlt sich der charismatische Phileas Fogg nicht bereit – denn: Der bekannte Meeresforscher und renommierte Wissenschaftler Professor Aronnax (Michael Pan) wird vermisst. Seine Nichte Louise Aronnax (Marie Bierstedt) ist in großer Sorge um ihren Onkel und wendet sich hilfesuchend und vertrauensvoll an Phileas Fogg.

An Bord der Abraham Lincoln

Eines ist klar: Polizist ist Foggs mitnichten. Er soll nun jedoch mit seiner Erfahrung den verschwundenen Professor wieder aufspüren. Zusammen mit seiner Frau Aouda und seinem treuen Freund und Diener Passepartout (Marius Clarén) besteigt er die „Abraham Lincoln“ – jenes Schiff, das Professor Aronnax kurz zuvor betreten hatte und daraufhin spurlos verschwunden war.

An Bord verdichten sich die Anzeichen für ein Verbrechen. Als die Drei es obendrein noch mit einem Unterseebot und einem rätselhaften und kauzigen Kapitän zutun bekommen, treten die dunklen Geheimnisse aus den Tiefen der Meere langsam an die Oberfläche…


Fazit

Inhalt:

Wie erindet man Jules Verne neu? Gar nicht! Denn Jules Verne ist nicht zuletzt für Liebhaber von Science Fiction und phantastischen Welten ein Heiligtum. Mit einer originalgetreuen Hörspiel-Adaption des Werkes des alten französischen Meisters fährt man also nicht gut. Die sprachliche Eleganz bzw. die narrativen Feinheiten wird man ohnehin nicht nachahmen können.

Daher verstehen wir die Hörspielreihe eher als würdigende Hommage von Geschichten, die viele seit ihrer Kindheit und frühesten Jugend geprägt haben. Als Jules Verne-Kenner hat man es bei der Reihe “Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg” mit bekannten Figuren und Motiven zutun, die jedoch frei interpretiert und durch Betonung bestimmter Facetten neu entdeckt werden. Auch begegnen wir immer wieder anderen literarischen Schöpfungen bzw. berühmten Persönlichkeiten – etwa Dr. Jeckyl alias Mr. Hyde, Frankenstein und Edgar Allan Poe (Folgen 2, 3 und 5).

Handwerklich ist die 1. Folge nicht zu kritisieren. Leider kann die Story an sich nicht durchweg überzeugen. “Entführung auf hoher See” nimmt Motive des Jules Verne-Klassikers “20.000 Meilen unter dem Meer” wieder auf. Daher kommt einem vieles schon bekannt vor. Überraschungs- bzw. die berühmten Aha-Momente bleiben leider aus.

Spoiler! Lediglich der finale Kampf gegen die Krake ist eines der actionreichsten Szenen dieser Folge. Aber was haben das Unterseeboot Nautilus und der Kapitän Nemo mit dem Verschwinden des Professors zutun? Nicht viel. Schade ist, dass das Hauptthema – die vermeintliche Entführung des Professors – sehr schnell abgewickelt wird und es dann eigentlich um etwas ganz anderes geht. Nämlich: um ein schauriges Geheimnis, das sich in den Tiefen des Meeres versteckt hält. Die Ansprechhaltung ist für ein jüngeres und älteres Zielpublikum gleichermaßen gut geeignet.

Die hohe Erwartungshaltung an die 1. Folge kann wegen des hervorragenden Sprechercats und der astreinen klanglichen Umsetzung gestillt weden. Während das Skript stellenweise lahm ist, kann die Folge im Ganzen betrachtet dennoch überzeugen. Kenner von Jules Verne werden an dieser Stelle sicherlich widersprechen, die Serie möglicherweise als würdelose Zusammenstellung diverser Motive empfinden. Hörer, die Jules Verne nur am Rande kennen, könnten aber durchaus auf ihre Kosten kommen. Weiterer Pluspunkt: Am Ende gibt es einen Cliffhanger für die nächste Episode. kassettenbox bleibt also dran! :-)

Sprecherleistung:

Zahlreiche bekannte Stimmen sorgen für eine rundum akustisch überzeugende Umsetzung. Sprecher-Highlights sind Sascha Draeger, den wir bereits als die Figur des Tarzan/Tim aus TKKG kennen. Er gibt dem Globetrotter Phileas Fogg ein glaubwürdiges Stimmprofil. Annika Braunmiller-Jest (Synchronstimme von Kristen Stewart) hingegen verleiht Foggs Frau Aouda ein etwas zu zartes Stimmchen. Die Authentizität kann hier nicht so stark durchgehalten werden wie es bei Phileas Fogg der Fall ist.

Die Verpflichtung von Christian Brückner als Erzählstimme von Jules Verne und Klaus-Dieter Klebsch als argloser Kapitän Nemo sind ein absoluter Ohrenschmaus. Foggs Sidekick Passepartout ist durch Marius Clarén bestens besetzt worden – nebenbei ein herrlicher Name! Betrachtet man die Stimmen für sich, darf man sich auf weitere Abenteuer freuen.

Geräusche und Musik:

“Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Foggs” greift auf ein Repertoire feststehender Themes zurück, die durch den Komponisten Alexander Schiborr vorab arrangiert und produziert worden sind. Diese werden immer wieder eingesetzt, meist am Anfang, zwischen den Szenen und am Ende einer jeden Folge. Zusätzlich zum Rahmen-Soundtrack werden für die einzelnen Hörspiele verschiedene Musikstücke produziert. Geräusche und Musik bereiten viel Freude. Wir empfehlen, die Ohren zu spitzen und die Musik über Kopfhörer und nicht bloß im Hintergrund zu genießen.

Cover und Titel:

Das Cover zur 1. Folge ist detailreich und ästhetisch ansprechend gestaltet worden. Beim Titel zur Folge hingegen wurde jedoch der falsche Fokus gesetzt.


Fakten

Label:

Maritim / Winterzeit Studios

Gesamtspiellänge:

ca. 62min

Produktionsjahr:

2015


Lieblingszitat:

Louise Aronnax: “Nennen Sie mich Louise.”
Phileas Fogg: “Ich bedaure, Madame. Aber ich kenne nur eine einzige Sorte Frau, die man bei der ersten Begegnung mit dem Vornamen anredet. Und wenn Sie zu ebendieser Sorte gehören, dann habe ich mich getäuscht und wünsche einen guten Abend.”
Louise Aronnax: “Ich wollte Sie nicht kränken, Mr Fogg. Der kontinentale Umgang wird Ihnen zu jovial erscheinen …”


Besetzung:
Erzähler / Jules Verne Christian Brückner
Phileas Fogg Sascha Draeger
Aouda Fogg Annina Braunmiller-Jest
Ned Land Manfred Lehmann
Passepartout Marius Clarén
Kapitän Nemo Klaus-Dieter Klebsch
Professor Pierre Aronnax Michael Pan
Louise Aronnax Marie Bierstedt
Joseph (Butler) Bodo Wolf
Matrosen 1-4 Alexander Turrek, Martin Sabel, Leonhard Mahlich, Oliver Baumann
Fregattenkapitän Helmut Krauss
Steuermann Lutz Mackensy
Matrose Nautilus 1 Frank Felicetti
Ausguck 1-4 Rainer Fritzsche, Konrad Bösherz, Sascha Rotermund, Christian Stark
 Maschinist  André Beyer

Folge der Woche: Edgar Wallace – Der Zinker (1)

Die Folge “Der Zinker” markiert den Start in die Edgar-Wallace-Reihe, eine Hörspielserie von Maritim (hier gelangst du zum Gesamtkatalog des Hörspiellabels). Insgesamt veröffentlichte das Label zwölf Hörspiele, die auf den literarischen Vorlagen des englischen Schriftstellers und Krimiautors Edgar Wallace beruhen.

In letzter Zeit hat sich Maritim bzw. das Hörspiellabel Highscore Music mit der Veröffentlichung alter Hörspieljuwelen einen Namen gemacht – darunter auch die Maritim-Serie Edgar Wallace, die Anfang der 80er-Jahre unter der Produktion und Regie von Hans-Joachim Herwald entstanden ist.


Der gesichtslose Denunziant

Diebesgut zu Tiefstpreisen an sich reißen – das ist das Spezialgebiet des Zinkers. Bei den Gaunern in der Londoner Unterwelt ist er ein gefürchteter Hehler. Schließlich erpresst der Zinker die Diebe: Sie sollen ihm die gestohlene Ware für einen Bruchteil ihres eigentlichen Wertes verkaufen. Andernfalls werden die Ganoven bei Scotland Yard “verzinkt”, genauer denunziert.

Ein Mord mit Folgen

Ein aktenkundiger Unterweltler namens Larry (Konrad Halver) kennt jedoch die Identität des Erpressers und stellt diesem eine Falle. Kurz bevor er ihn verraten kann, wird er jedoch höchstselbst eiskalt ermordet. Der Mord geht eindeutig auf das Konto des Zinkers.

Dem Zinker auf der Spur

Die Spur führt Chefinspektor Joe Jenkins (Manfred Krug) und Inspektor Elfort (Günther Lüdke) zur Import-Export-Firma von Frank Sutton (Michael Weckler). Nicht nur die Inspektoren sind auf der Suche nach dem Zinker; auch der Reporter Josua (Rainer Schmidt) hat sich für eine Top-Story bereits an die Fährte des Zinkers geheftet. Ein Dickicht heißer Spuren …


Fazit

Inhalt:

In Bezug auf die Originalgeschichte wurde “Der Zinker” fürs Ohr leicht abgwandelt. Die Handlung des Hörspielkrimis ist recht ereignisreich und wird mit einem angenehmen Tempo vorangetrieben. Langeweile kommt zu keiner Zeit auf! Die Tatsache, dass das Hörspiel vor allem für Kinder und Jugendliche konzipiert wurde, tut der Geschichte keinen Abbruch – im Gegenteil. Die leichte Abwandlung bzw. Entschärfung des Plots ist gelungen. Ein Mord ist immerhin dabei. Kindgerechtes Storytelling auch für Erwachsene funktioniert! Die platten bzw. einfachen Dialoge an so mancher Stelle sind unseres Erachtens zu verkraften.

Einzige Wermutstropfen: Stellenweise liegt der charmvollen Produktion ein etwas schwaches Skript zugrunde. Die Dialoge sind stellenweise kindlich, was jedoch nicht den Hörspaß minimiert. Der Fall des Zinkers gestaltet sich bisweilen vorhersehbar, als beispielsweise Jenkins nicht bemerken soll, woher er das Schriftbild einer bestimmten Schreibmaschine kennt. Die Sprüche von Elfert sind irgendwann auch nervig, wenn er sich stets bemüht zeigt, die Aussagen seines Chefs mit Steigerungsformen zu belegen.

Sprecherleistung:

Durch die Bank haben wir es mit einer Handvoll sehr guter Sprecher zutun. Besonders Manfred Krug, in der Rolle des Chefinspektor Joe Jenkins, macht dieses Hörspiel zu einer gelungenen Hörspiel-Adaption – nicht nur für Fans von Edgar Wallace!

Das Highlight für die frühen Hörer von TKKG lässt nicht lange auf sich warten, denn Nick – mit der unverwechselbaren Stimme von Sascha Drager – tritt gleich zu Beginn der Folge auf. Der deutsche Synchronsprecher verlieh unter anderem Tim (früher auch Tarzan) seine Stimme. In “Der Zinker” spielt er den Neffen von Onkel Joe. Er arbeitet als Zeitungsbote und führt Jenkins bei der Suche nach dem Verbrecher auf eine heiße Spur.

Geräusche und Musik:

Geräusche und Musik sind bei dieser Folge absolut überzeugend. Die Tonqualität ist exzellent, zumal es sich um eine Klangrestauration handelt. Die Produktion hat da einen ordentlichen Sound herausgeholt, wenn man bedenkt, dass – so ist es im CD-Booklet vermerkt – kein Masterband vorlag und man von Vinyl remastern musste. Die Folge klingt frisch und dynamisch – ohne Rauschen und Geknister. Herrlich ist die fesche Radiomusik, die Nicky (Alexandra Doerk) zwischendurch immer in voller Lautstärke aufdreht. Das ist Widerholungskomik, die das gewisse Etwas mitbringt. Die Titelmusik lädt überdies zum shuffeln ein!

Cover und Titel:

Das Cover des Hörspiels ist ein richtiger Hingucker – nicht nur für 80er-Jahre-Fans! Der Titel entstammt der Jargon-Sprache und ist nicht unbedingt jedem geläufig. Die Substantiv-Form “Zinker” kann beim ersten Lesen verwirrend sein. Denkt man jedoch an die berühmten “gezinkten Karten” wird es schon klarer. Synonyme zu ‘jmdn. zinken’ sind laut DUDEN etwa anzeigen, melden, verraten, hochgehen lassen, denunzieren, verpfeifen, Strafanzeige erstatten, zur Polizei gehen, usw. …

Gesamtspiellänge:

ca. 41min

Produktionsjahr:

1982

Besetzung:
Joe Jenkins, Chefinspektor Manfred Krug
Nick Sascha Draeger
Nicky Alexandra Doerk
Inspektor Elfort Günther Lüdke
Josua, Reporter Rainer Schmidt
Frank Sutton Michael Weckler
Millie, Sekretärin Ursula Vogel
Lou Friedmann Lothar Zibell
Beryl Gaby Blum
Larry Konrad Halver

Folge der Woche: Geisterjäger John Sinclair – Im Nachtclub der Vampire (1)

Wir wagen uns mal wieder in unbekanntes Hörspiel-Terrain. Lauscher aufgesperrt für den Geisterjäger John Sinclair, eine Hörspielserie von Lübbe Audio.

Wer ist eigentlich dieser John Sinclair?

Der Ermittler John Sinclair ist eine Kult-Figur des Horror-Heftromans. Seit 1973 (erfahre hier mehr zum „Gespenster-Krimi“) mauserte er sich zum Helden im Kampf gegen das Unheilvolle. Seit 1978 ermittelt er als Titelheld der eigenen Serie. Schon seit einigen Jahren – bis heute gibt’s schon 111 Folgen! – können Fans den berühmt-berüchtigten Geisterjäger auch als Hörspiel entdecken. “Geisterjäger John Sinclair” – das ist Gruselambiente allererster Kajüte! Professionelle Sprecher erwecken die Gruselgeschichten zum Leben. Die Musik wird stimmungsvoll eingesetzt und auch der Action-Faktor kommt dabei nicht zu kurz.

Darf ich mich vorstellen? Oberinspektor bei Scotland Yard

Seit mehr als 40 Jahren ist das Rezept gleich geblieben: John Sinclair, nach außen hin Scotland Yard-Oberinspektor kämpft gegen das Böse, das sich in mannigfaltigen Kreaturen aus den Bereichen Horror, Fantasy und Mythologie zeigt. Als absolute Neulinge beginnen wir natürlich mit Folge 1 – “Im Nachtclub der Vampire”. Das entspricht dann wohl dem Gruselfaktor 10.000! John Sinclair ist nichts für schwache Nerven:

Das Jahrtausend war noch jung. Die Menschheit hatte der Natur viele Geheimnisse entrissen. Wissenschaft und Technik verdrängten den Glauben an das Übernatürliche. Doch das Böse existierte, und es war schlau. Aus dem Dunkeln griff es an und holte sich seine Opfer.

Geister, Dämonen, die Ausgeburten der Hölle sie alle warteten auf den Tag, an dem Satan die Herrschaft auf Erden übernehmen und die Menschheit in Unheil und Chaos stürzen würde. Doch einer war ausersehen, gegen die Mächte der Finsternis zu kämpfen. Dämonen nannten ihn den Sohn des Lichts. Seine Freunde nannten ihn den Geisterjäger. Sein Name war: John Sinclair.

© Lübbe Audio – aus: Geisterjäger John Sinclair, Hörspiel-Reihe


Grauen in London

London steht Kopf: Ein Krankenhaus vermeldet mehrere gestohlene Blutkonserven. Die deutsche Studentin Marina Held (Silke Haupt) beobachtet drei blutverschmierte Frauen, die dabei sind, eine Leiche zu beseitigen. Unverzüglich meldet sie es John Sinclair (Frank Glaubrecht), den sie auf der Durchreise im Flugzeug kennengelernt hatte. Kurz darauf fehlt von ihr jede Spur. Das Böse führt Sinclair in eine Bar nach Soho.

Vampir-Schwestern

Im Shoking Palace macht John Sinclair Bekanntschaft mit einer neuen Vampir-Generation, die einen uralten Dämon auf die Erde bringen wollen. Drei Vampirinnen eröffneten die Bar, um in Soho fortan ihr Unwesen treiben zu können. Zwei Männer machen sie durch ihre hinterlistige Art und ihre geschickte Verführungstechnik zu Vampiren. John Sinclair muss sie aufhalten, ehe es zu spät ist.

John Sinclair, Retter in der Not

John muss das Vampirnest ausheben, damit das Grauen in Soho ein Ende nimmt. Vorher gilt es jedoch, Marina zu retten. Es ist ein Kampf um Leben und Tod.


Fazit

Inhalt:

In der ersten Geschichte des Geiserjägers dreht sich alles um eine Bar inmitten des verrufenen Londoner Viertels Soho. Folge 1 bietet feinsten Gruseltrash, der akustisch bestens aufbereitet und damit unterhaltsam ist. Die Spannungsmomente sorgen dafür, dass beim Hören keine Langeweile aufkommt. Die Vampirgeschichte ist nicht sensationell. Betrachtet man sie ganz nüchtern, gleicht sie eher dem Genre Horrortrash (jedoch mit solider Umsetzung!). Wenn man seine literarisch-kulturellen Ansprüche ein wenig herunterschraubt, wird man bei diesem Hörspiel bestens unterhalten.

Auffallend ist, dass die Figur des John Sinclair in der ersten Folge der Hörspiel-Reihe noch nicht als Superman daherkommt, der die Welt vor unheilvollen Gestalten zu retten ersucht. Das wäre durchaus zu erwarten gewesen und ist umso überraschender und angenehmer, dass es – zumindest bei den früheren 2000-er Folgen – noch nicht der Fall ist.

Sprecherleistung:

Die Sprecherleistung ist beachtlich. Allen voran leisten der Erzähler Joachim Kerzel und Frank Glaubrecht in der Hauptrolle als Geisterjäger John Sinclair hervorragende Arbeit. Als Dritte im Bunde liefert Silke Haupt eine authentische Rolle ab. Einzig und allein Eva Spott schwächelt als Clara Sanders in ihrer Vampirrolle im zweiten Teil des Hörspiels an der ein oder anderen Stelle.

Geräusche-Umsetzung:

Musik und Effekte tragen in “Im Nachtclub der Vampire” erheblich dazu bei, dass die Folge akustisch gelingt. Da der Plot als solcher recht banal daherkommt – kb-Tipp: Grusel/Horror- und Vampir-Content sind schon recht speziell und muss man mögen! -, wertet ihn die stimmige Geräuschkulisse gehörig auf. Sensationell ist die, zu Beginn eines jeden Szenenwechsels platzierte, Preisgabe der Ortsangaben – einmalig spannungsgeladen umgesetzt in der Hörspielbranche!

Gesamtspiellänge:

48min04

Produktionsjahr:

2000


Lieblingszitat:

Marina Held: “Sie sind aber kein Steuerberater, oder?”
John Sinclair: “Nein, schlimmer! Ich bin … Beamter.”


Besetzung:
Erzähler Joachim Kerzel
John Sinclair Frank Glaubrecht
Sir Powell Karl-Heinz Tafel
AnsageFred Bogner Fred Bogner
Marcos Tumb Henning Bornemann
Fahrer Thomas Friebe
Marina Held Silke Haupt
Jörg Kernbach Doktor
Lara Friedericke Klebert
Mona Sibylle Kuhne
Zuhälter Klaus Nierhoff
Ted Willard Stephan Runge
Flugzeug-Durchsage Monika Rydell
Clara Sanders Eva Spott

Folge der Woche: Sherlock Holmes – Die Originale: Die fünf Orangenkerne (4)

Es ist mal wieder an der Zeit, die kassettenbox mit bester britischer Detektivarbeit zu füllen. Wie könnte uns dies besser gelingen als mit einer weiteren Folge der Woche aus der Sherlock Holmes-Sphäre. *Trommelwirbel* Hiermit präsentieren wir dir Die fünf Orangenkerne. Viel Spaß beim Lesen!


Ein nörgelnder, quengelnder, alter Mann

Oberst Openshaw (Eckart Dux) beklagt sich darüber, dass die heutigen Reichen für ihr Geld nicht hart arbeiten mussten, so wie er (auf den Plantagen damals … ). Ihm wurde der goldene Löffel nicht in die Wiege gelegt. Er hat hart geschuftet, um dort zu sein, wo er jetzt steht. Der Oberst scheint ein recht unzufriedener Mensch zu sein. Er motzt herum und schimpft ebenso mit seiner Haushälterin Mabel (Marina Erdmann), die schlechten Kaffee kocht.

Ein Brief mit Obstinhalten

Kurz darauf erhält Oberst Openshaw in Anwesenheit seines Neffen einen Brief. Er beinhaltet Obst, genauer gesagt: Überreste einer Orange. Fünf Orangenkerne! Der Oberst ist ganz außer sich und verfällt in Panik. Sein Neffe John Openshaw (Charles Rettinghaus) ist ganz verwundert, um nicht zu sagen schockiert, über dessen Reaktion. Er kann sich partout nicht erklären, wieso sein Onkel so scharf auf diesen Briefinhalt reagiert. „Ich bin tot“, sagt Oberst Openshaw. Welche Geschichte mag dahinterstecken?!

John Openshaw spricht in der Bakerstreet vor

John Openshaw sieht keinen anderen Ausweg, als bei Sherlock Holmes in der Bakerstreet anzuklopfen. Der junge Openshaw erklärt die Lage und zeigt das Kuvert, in dem die Orangenkerne abgegeben wurden. Auf der Innenseite des Kuverts findet sich ein Satz: „Leg die Papiere an die Sonnenuhr“. Vermutlich ist damit die Sonnenuhr im Garten der Openshaws gemeint. Was aber meint die Abkürzung KKK, die ebenfalls auf dem Kuvert steht?

Sherlock Holmes und Dr. Watson sind höchstmotiviert, um dieses Rätsel zu lösen. Gemeinsam mit John Openshaw fahren sie zum Anwesen der Openshaws. Doch da ist es schon passiert. Achtung Spoiler! Oberst Openshaw liegt im Gartenteich – tot.

Ein Fall für Sherlock Holmes & Dr. Watson

Viele offene Fragen ergeben sich: Was hat es mit den Orangenkernen auf sich? Wieso reagierte Oberst Openshaw so entgeistert, als er den Brief öffnete? Können Sherlock Holmes und sein Assistent Dr. Watson das Rätsel lösen? Und von wem wurde Oberst Openshaw umgebracht? Hat es etwas mit Openshaws Vergangenheit in den USA zu tun?


Kurzfazit

Inhalt:

Ein simpler Brief mit fünf Orangenkernen. Was kann dies schon bedeuten? Sollte dies etwa spannend sein? Zunächst kann man sich darunter keinen detektivischen Fall ableiten. Frei nach dem Motto „Die Vergangenheit holt uns alle irgendwann ein“ führt der vierte Fall von Sherlock Holmes – die Originale in die Geschichte von Oberst Openshaw.

Klassisch und rational wird der Inhalt des Hörspiels wiedergegeben. Spannung kommt dabei zunächst nicht auf; erst als auch John Openshaw in Gefahr gerät, wird der Hörer ein bisschen angefixt. Für den jungen Openshaw eröffnen sich ganz furchterregende Tatsachen aus der Vergangenheit seines Onkels. Zusätzlich kann man bei dieser Folge auch geschichtlich dazulernen. Und am Ende irrt sich sogar ein Sherlock Holmes, was tiefgreifende Folgen mit sich bringt …

Ganz abgesehen von diesem Fall sind wir der Meinung, dass ein Hörspiel nicht immer spannend sein muss, damit es sich lohnt, zuzuhören. Sherlock Holmes & Dr. Watson sind Grund genug, um ihren Fällen zu lauschen, da sie als Figuren hervorragend harmonieren und ein kleiner Schmunzler im Hörspiel auch sehr viel wert sein kann.

Sprecherleistung:

Eckart Dux als Oberst Openshaw übernimmt die Rolle des unzufriedenen alten Greises. Dies macht er brillant. Man kann die Sichtweisen des Obersts nachvollziehen, dennoch schafft Eckart Dux es, den Oberst unsympathisch erscheinen zu lassen.

Charles Rettinghaus, der John Openshaw seine Stimme leiht, hat in zahlreichen anderen Hörspielen mitgewirkt. So ist seine Stimme auch bekannt aus den Hörspielen Bibi & Tina, wo er die Stimme des Holger Martin einnimmt und Geisterjäger John Sinclair, wo er die Stimme für verschiedenste Charaktere darstellt. Im 21. Fall von Sherlock Holmes – Die Originale übernimmt Rettinghaus ebenfalls eine Figur.

Die Stimmen von Sherlock Holmes und seinem Kollegen Dr. Watson sind, wie gewohnt, 1A umgesetzt.

Geräusche-Umsetzung:

Die Geräusche stehen in diesem Hörspiel eher im Hintergrund, allerdings werden sie auf klassische Weise, wie man es bei Sherlock Holmes gewohnt ist, ins Geschehen integriert.

Gesamtspiellänge:

70min00


Lieblingszitat(e):

Sherlock Holmes: “Wie kann ich Ihnen behilflich sein, Mr Openshaw?”
John Openshaw: “Indem Sie sich mit Obstkernen genauso gut auskennen wie mit arabischen Pantoffeln!”

Ein unserer Meinung nach sehr schönes Zitat, das Sherlock Holmes erst mal genauso “doof” dastehen lässt, wie er das mit seinen wirren, für ihn rationalen, Gedanken bei manch anderem tut.

John Openshaw: “Wissen Sie, wer meinen Onkel ermordet hat?”
Sherlock Holmes: “Ja und Nein!”
Dr. Watson: “Holmes … HOLMES … was ist denn das schon wieder für eine Antwort. Jetzt rücken Sie schon raus mit der Sprache!”

Sherlock Holmes ist Justus Jonas in so vielen Dingen soo ähnlich! Oder umgekehrt?!


Besetzung:

Sherlock Holmes Christian Rode
Dr. Watson Peter Groeger
John Openshaw Charles Rettinghaus
Oberst Openshaw Eckart Dux
Mabel Marina Erdmann
Sergeant Pimbelton Udo Schenk
Zahlmeister Achim Schülke
Jim Henry König
Jed Peter Betram
Zeitungsjunge Till Endemann
Polizist Volker Bogdan