Folge der Woche: Edgar Wallace – Der Zinker (1)

Die Folge “Der Zinker” markiert den Start in die Edgar-Wallace-Reihe, eine Hörspielserie von Maritim (hier gelangst du zum Gesamtkatalog des Hörspiellabels). Insgesamt veröffentlichte das Label zwölf Hörspiele, die auf den literarischen Vorlagen des englischen Schriftstellers und Krimiautors Edgar Wallace beruhen.

In letzter Zeit hat sich Maritim bzw. das Hörspiellabel Highscore Music mit der Veröffentlichung alter Hörspieljuwelen einen Namen gemacht – darunter auch die Maritim-Serie Edgar Wallace, die Anfang der 80er-Jahre unter der Produktion und Regie von Hans-Joachim Herwald entstanden ist.


Der gesichtslose Denunziant

Diebesgut zu Tiefstpreisen an sich reißen – das ist das Spezialgebiet des Zinkers. Bei den Gaunern in der Londoner Unterwelt ist er ein gefürchteter Hehler. Schließlich erpresst der Zinker die Diebe: Sie sollen ihm die gestohlene Ware für einen Bruchteil ihres eigentlichen Wertes verkaufen. Andernfalls werden die Ganoven bei Scotland Yard “verzinkt”, genauer denunziert.

Ein Mord mit Folgen

Ein aktenkundiger Unterweltler namens Larry (Konrad Halver) kennt jedoch die Identität des Erpressers und stellt diesem eine Falle. Kurz bevor er ihn verraten kann, wird er jedoch höchstselbst eiskalt ermordet. Der Mord geht eindeutig auf das Konto des Zinkers.

Dem Zinker auf der Spur

Die Spur führt Chefinspektor Joe Jenkins (Manfred Krug) und Inspektor Elfort (Günther Lüdke) zur Import-Export-Firma von Frank Sutton (Michael Weckler). Nicht nur die Inspektoren sind auf der Suche nach dem Zinker; auch der Reporter Josua (Rainer Schmidt) hat sich für eine Top-Story bereits an die Fährte des Zinkers geheftet. Ein Dickicht heißer Spuren …


Fazit

Inhalt:

In Bezug auf die Originalgeschichte wurde “Der Zinker” fürs Ohr leicht abgwandelt. Die Handlung des Hörspielkrimis ist recht ereignisreich und wird mit einem angenehmen Tempo vorangetrieben. Langeweile kommt zu keiner Zeit auf! Die Tatsache, dass das Hörspiel vor allem für Kinder und Jugendliche konzipiert wurde, tut der Geschichte keinen Abbruch – im Gegenteil. Die leichte Abwandlung bzw. Entschärfung des Plots ist gelungen. Ein Mord ist immerhin dabei. Kindgerechtes Storytelling auch für Erwachsene funktioniert! Die platten bzw. einfachen Dialoge an so mancher Stelle sind unseres Erachtens zu verkraften.

Einzige Wermutstropfen: Stellenweise liegt der charmvollen Produktion ein etwas schwaches Skript zugrunde. Die Dialoge sind stellenweise kindlich, was jedoch nicht den Hörspaß minimiert. Der Fall des Zinkers gestaltet sich bisweilen vorhersehbar, als beispielsweise Jenkins nicht bemerken soll, woher er das Schriftbild einer bestimmten Schreibmaschine kennt. Die Sprüche von Elfert sind irgendwann auch nervig, wenn er sich stets bemüht zeigt, die Aussagen seines Chefs mit Steigerungsformen zu belegen.

Sprecherleistung:

Durch die Bank haben wir es mit einer Handvoll sehr guter Sprecher zutun. Besonders Manfred Krug, in der Rolle des Chefinspektor Joe Jenkins, macht dieses Hörspiel zu einer gelungenen Hörspiel-Adaption – nicht nur für Fans von Edgar Wallace!

Das Highlight für die frühen Hörer von TKKG lässt nicht lange auf sich warten, denn Nick – mit der unverwechselbaren Stimme von Sascha Drager – tritt gleich zu Beginn der Folge auf. Der deutsche Synchronsprecher verlieh unter anderem Tim (früher auch Tarzan) seine Stimme. In “Der Zinker” spielt er den Neffen von Onkel Joe. Er arbeitet als Zeitungsbote und führt Jenkins bei der Suche nach dem Verbrecher auf eine heiße Spur.

Geräusche und Musik:

Geräusche und Musik sind bei dieser Folge absolut überzeugend. Die Tonqualität ist exzellent, zumal es sich um eine Klangrestauration handelt. Die Produktion hat da einen ordentlichen Sound herausgeholt, wenn man bedenkt, dass – so ist es im CD-Booklet vermerkt – kein Masterband vorlag und man von Vinyl remastern musste. Die Folge klingt frisch und dynamisch – ohne Rauschen und Geknister. Herrlich ist die fesche Radiomusik, die Nicky (Alexandra Doerk) zwischendurch immer in voller Lautstärke aufdreht. Das ist Widerholungskomik, die das gewisse Etwas mitbringt. Die Titelmusik lädt überdies zum shuffeln ein!

Cover und Titel:

Das Cover des Hörspiels ist ein richtiger Hingucker – nicht nur für 80er-Jahre-Fans! Der Titel entstammt der Jargon-Sprache und ist nicht unbedingt jedem geläufig. Die Substantiv-Form “Zinker” kann beim ersten Lesen verwirrend sein. Denkt man jedoch an die berühmten “gezinkten Karten” wird es schon klarer. Synonyme zu ‘jmdn. zinken’ sind laut DUDEN etwa anzeigen, melden, verraten, hochgehen lassen, denunzieren, verpfeifen, Strafanzeige erstatten, zur Polizei gehen, usw. …

Gesamtspiellänge:

ca. 41min

Produktionsjahr:

1982

Besetzung:
Joe Jenkins, Chefinspektor Manfred Krug
Nick Sascha Draeger
Nicky Alexandra Doerk
Inspektor Elfort Günther Lüdke
Josua, Reporter Rainer Schmidt
Frank Sutton Michael Weckler
Millie, Sekretärin Ursula Vogel
Lou Friedmann Lothar Zibell
Beryl Gaby Blum
Larry Konrad Halver

Folge der Woche: Geisterjäger John Sinclair – Im Nachtclub der Vampire (1)

Wir wagen uns mal wieder in unbekanntes Hörspiel-Terrain. Lauscher aufgesperrt für den Geisterjäger John Sinclair, eine Hörspielserie von Lübbe Audio.

Wer ist eigentlich dieser John Sinclair?

Der Ermittler John Sinclair ist eine Kult-Figur des Horror-Heftromans. Seit 1973 (erfahre hier mehr zum „Gespenster-Krimi“) mauserte er sich zum Helden im Kampf gegen das Unheilvolle. Seit 1978 ermittelt er als Titelheld der eigenen Serie. Schon seit einigen Jahren – bis heute gibt’s schon 111 Folgen! – können Fans den berühmt-berüchtigten Geisterjäger auch als Hörspiel entdecken. “Geisterjäger John Sinclair” – das ist Gruselambiente allererster Kajüte! Professionelle Sprecher erwecken die Gruselgeschichten zum Leben. Die Musik wird stimmungsvoll eingesetzt und auch der Action-Faktor kommt dabei nicht zu kurz.

Darf ich mich vorstellen? Oberinspektor bei Scotland Yard

Seit mehr als 40 Jahren ist das Rezept gleich geblieben: John Sinclair, nach außen hin Scotland Yard-Oberinspektor kämpft gegen das Böse, das sich in mannigfaltigen Kreaturen aus den Bereichen Horror, Fantasy und Mythologie zeigt. Als absolute Neulinge beginnen wir natürlich mit Folge 1 – “Im Nachtclub der Vampire”. Das entspricht dann wohl dem Gruselfaktor 10.000! John Sinclair ist nichts für schwache Nerven:

Das Jahrtausend war noch jung. Die Menschheit hatte der Natur viele Geheimnisse entrissen. Wissenschaft und Technik verdrängten den Glauben an das Übernatürliche. Doch das Böse existierte, und es war schlau. Aus dem Dunkeln griff es an und holte sich seine Opfer.

Geister, Dämonen, die Ausgeburten der Hölle sie alle warteten auf den Tag, an dem Satan die Herrschaft auf Erden übernehmen und die Menschheit in Unheil und Chaos stürzen würde. Doch einer war ausersehen, gegen die Mächte der Finsternis zu kämpfen. Dämonen nannten ihn den Sohn des Lichts. Seine Freunde nannten ihn den Geisterjäger. Sein Name war: John Sinclair.

© Lübbe Audio – aus: Geisterjäger John Sinclair, Hörspiel-Reihe


Grauen in London

London steht Kopf: Ein Krankenhaus vermeldet mehrere gestohlene Blutkonserven. Die deutsche Studentin Marina Held (Silke Haupt) beobachtet drei blutverschmierte Frauen, die dabei sind, eine Leiche zu beseitigen. Unverzüglich meldet sie es John Sinclair (Frank Glaubrecht), den sie auf der Durchreise im Flugzeug kennengelernt hatte. Kurz darauf fehlt von ihr jede Spur. Das Böse führt Sinclair in eine Bar nach Soho.

Vampir-Schwestern

Im Shoking Palace macht John Sinclair Bekanntschaft mit einer neuen Vampir-Generation, die einen uralten Dämon auf die Erde bringen wollen. Drei Vampirinnen eröffneten die Bar, um in Soho fortan ihr Unwesen treiben zu können. Zwei Männer machen sie durch ihre hinterlistige Art und ihre geschickte Verführungstechnik zu Vampiren. John Sinclair muss sie aufhalten, ehe es zu spät ist.

John Sinclair, Retter in der Not

John muss das Vampirnest ausheben, damit das Grauen in Soho ein Ende nimmt. Vorher gilt es jedoch, Marina zu retten. Es ist ein Kampf um Leben und Tod.


Fazit

Inhalt:

In der ersten Geschichte des Geiserjägers dreht sich alles um eine Bar inmitten des verrufenen Londoner Viertels Soho. Folge 1 bietet feinsten Gruseltrash, der akustisch bestens aufbereitet und damit unterhaltsam ist. Die Spannungsmomente sorgen dafür, dass beim Hören keine Langeweile aufkommt. Die Vampirgeschichte ist nicht sensationell. Betrachtet man sie ganz nüchtern, gleicht sie eher dem Genre Horrortrash (jedoch mit solider Umsetzung!). Wenn man seine literarisch-kulturellen Ansprüche ein wenig herunterschraubt, wird man bei diesem Hörspiel bestens unterhalten.

Auffallend ist, dass die Figur des John Sinclair in der ersten Folge der Hörspiel-Reihe noch nicht als Superman daherkommt, der die Welt vor unheilvollen Gestalten zu retten ersucht. Das wäre durchaus zu erwarten gewesen und ist umso überraschender und angenehmer, dass es – zumindest bei den früheren 2000-er Folgen – noch nicht der Fall ist.

Sprecherleistung:

Die Sprecherleistung ist beachtlich. Allen voran leisten der Erzähler Joachim Kerzel und Frank Glaubrecht in der Hauptrolle als Geisterjäger John Sinclair hervorragende Arbeit. Als Dritte im Bunde liefert Silke Haupt eine authentische Rolle ab. Einzig und allein Eva Spott schwächelt als Clara Sanders in ihrer Vampirrolle im zweiten Teil des Hörspiels an der ein oder anderen Stelle.

Geräusche-Umsetzung:

Musik und Effekte tragen in “Im Nachtclub der Vampire” erheblich dazu bei, dass die Folge akustisch gelingt. Da der Plot als solcher recht banal daherkommt – kb-Tipp: Grusel/Horror- und Vampir-Content sind schon recht speziell und muss man mögen! -, wertet ihn die stimmige Geräuschkulisse gehörig auf. Sensationell ist die, zu Beginn eines jeden Szenenwechsels platzierte, Preisgabe der Ortsangaben – einmalig spannungsgeladen umgesetzt in der Hörspielbranche!

Gesamtspiellänge:

48min04

Produktionsjahr:

2000


Lieblingszitat:

Marina Held: “Sie sind aber kein Steuerberater, oder?”
John Sinclair: “Nein, schlimmer! Ich bin … Beamter.”


Besetzung:
Erzähler Joachim Kerzel
John Sinclair Frank Glaubrecht
Sir Powell Karl-Heinz Tafel
AnsageFred Bogner Fred Bogner
Marcos Tumb Henning Bornemann
Fahrer Thomas Friebe
Marina Held Silke Haupt
Jörg Kernbach Doktor
Lara Friedericke Klebert
Mona Sibylle Kuhne
Zuhälter Klaus Nierhoff
Ted Willard Stephan Runge
Flugzeug-Durchsage Monika Rydell
Clara Sanders Eva Spott

Folge der Woche: Sherlock Holmes – Die Originale: Die drei Garridebs (11)

Der fiktive Detektiv Sherlock Holmes ist eine Kunstfigur, die vom britischen Schriftsteller Arthur Conan Doyle geschaffen wurde. Seine Romane spielen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Für die Kriminalliteratur ist Holmes revolutionär: Seine neuartige forensische Arbeitsmethode beruht schlichtweg auf detailgenauer Beobachtung und nüchterner Schlussfolgerung. Das erinnert stark an unseren Ersten Detektiv Justus Jonas!

Sherlock Holmes gilt bis heute als Vorzeigedetektiv, der durch seine analytisch-rationale Denkweise als Stereotyp des perfekten Privatdetektivs gilt. Der Kanon umfasst zahlreiche Erzählungen, darunter 56 Kurzgeschichten und vier Romane. Aufgrund des Erfolgs und der Bekanntheit von Sherlock gibt es unendlich viele Verfilmungen und Vertonungen. Die Hörspiel-Reihe “Sherlock Holmes – Die Originale” gibt es kostenlos bei Spotify.


“Die drei Garridebs” ist ein vom Maritim Verlag produziertes Hörspiel. Es erschien als Nr. 11 in seiner Sherlock Holmes-Reihe. Die Handlung basiert auf der Kanon-Erzählung Die drei Garridebs.


Ein seltsamer Brief

Sherlock Holmes (Christian Rode) erreicht ein “in finanzieller Hinsicht” höchst kurioser Brief. Der US-amerikanische Anwalt namens John Garrideb (Michael Schwarzmaier) berichtet darin von einem seltsamen Erbe, das er antreten könne, sobald er zwei weitere Männer mit dem Nachnamen Garrideb ausfindig gemacht habe. Nathan Garrideb (Edgar Bessen), einen alten Wissenschaftler, habe er bereits gefunden.

& ein noch seltsameres Erbe

Selten hat Sherlock Holmes von einem derart ungewöhnlichen Testament gehört: Der Amerikaner Alexander Hamilton Garrideb, schlichtweg begeistert von der Seltenheit seines Nachnamens, hinterlässt sein gesamtes Vermögen im zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich. John Garrideb, der weder verwandt noch bekannt ist mit dem ursprünglichen Garrideb, wird lediglich eine Bedingung gestellt: Er muss zwei weitere Garridebs ausfindig machen, mit denen er das Geld dann zu gleichen Anteilen aufteilen kann.

Das Garrideb-Mysterium

In England macht John schnell einen gewissen Nathan Garrideb ausfindig. Dieser schaltet schließlich Sherlock Holmes ein, da weitere Nachforschungen zum Scheitern verurteilt sind. John Garrideb reagiert höchst unerfreut auf diese Kontaktaufnahme. Die Suche nach dem letzten Garrideb gestaltet sich schwieriger als erwartet, trotzdem behagt es John Garrideb überhaupt nicht, dass Sherlock und Watson (Peter Groeger) sich an dieser ungewöhnlichen Suche beteiligen möchten.

Zu viele Garridebs

Einige Zeit vergeht als John Garrideb nunmehr eine Anzeige mit dem Namen des vermeintlichen dritten Garrideb findet. Daraufhin schickt er Nathan zum letzten unbekannten Garrideb in der Runde. Sherlock Holmes beweist schlussendlich sprachliches Talent, indem er den Verbrecher anhand sprachlicher Abweichungen zwischen britischem und amerikanischem Englisch entlarven kann.


Kurzfazit

Inhalt:

Brillantes Verwirrspiel um drei Garridebs und ein Millionenerbe.

Dies ist die erste von wenigen Sherlock-Holmes-Episoden (Die Originale), in denen ein Telefon in der Baker Street Erwähnung findet und tatsächlich auch benutzt wird. Ziemlich modern für diese Zeit ist auch die Nutzung des Londoner Telefonsbuchs.

In der Geschichte (Achtung Spoiler!) wird Watson angeschossen. Ein zugleich tragischer und schöner Moment! Denn die Wunde ist es ihm wert: Zum ersten Mal zeigt Sherlock Holmes in seiner Angst und Sorge um seinen alten Freund Watson seine wahre Zuneigung. Prädikat: äußerst hörenswert!

Sprecherleistung:

Sherlock Holmes und Dr. Watson laufen mit ihrer Sprechweise und ihrem Sprechwitz zur wahren Höchstform auf.

Geräusche-Umsetzung:

Klassisch-dezente Sherlock-Holmes-Musik sowie passende Geräusche in dramatischen Hörmomenten wie etwa die Überwältigung des Verbrechers und die Schusswunde von Dr. Watson.

Gesamtspiellänge:

67min13


Lieblingszitat(e):

Sherlock Holmes sichtet gemächlich seine Post.

Dr. Watson: “Und Holmes? Ist etwas Interessantes dabei?”
Sherlock Holmes: “Na das Übliche, Watson: Ersuchen um Hilfe bei der Vertuschung von Frauengeschichten, Bitten um Ratschläge, … Fanpost.”
Dr. Watson: “Also nichts, das der Größe Ihres Geistes angemessen wäre.”
Sherlock Holmes: “Sie sagen es, Watson …!”

Mit Sherlock Holmes haben wir wohl in unserer kassettenbox das ideale Pendant zu Justus Jonas gefunden!


Besetzung:
Sherlock Holmes Christian Rode
Dr. Watson Peter Groeger
Inspektor Lestrade Volker Brandt
John Garrideb Michael Schwarzmaier
Nathan Garrideb Edgar Bessen
Mr. Holloway Torsten Münchow
Polizist Manfred Erdmann