Jan Tenner kommt zur HÖRMICH 2018

Die Tage bis zur Hörspielmesse in Hannover sind gezählt … Naja, leider müssen wir uns noch ein wenig gedulden, aber am 30. Juni 2018 öffnet das Kulturzentrum Pavillon seine heiligen Pforten, um für einen Tag zum Hörspielmekka Deutschlands zu werden.

Die HÖRMICH im Zeichen der 80er-Jahre

Wie im letzten Jahr wird die Talker-Lounge, der Hörspielpodcast unseres Vertrauens, auch diesmal offizieller Partner der HÖRMICH sein. Und sie kommen nicht alleine: Als Gäste haben sie Lutz Riedel und Marianne Groß – die Sprecher von Jan und Laura – im Gepäck. Auf der Bühne wird sich also alles rund um die 80er-Jahre-Hörspielserie drehen. Mit an Bord: die Jan Tenner-Action-Figuren vom kreativen Schöpfer Kevin Kosse. Schon im letzten Jahr war Kevin Kosse auf der HÖRMICH, um seine Figuren den neugierigen Besuchern zu zeigen.

Was es mit dem Institut Futura auf sich hat und warum es die Figuren der Kultserie zum Anfassen gibt, kannst du hier nachlesen.

Alle Infos rund um die HÖRMICH 2018, Aussteller und Bühnenprogramm unter: hoermichhannover.de

#4 Monster-Woche: Interview mit Anette Strohmayer und Raimon Weber

Noch … 5 Tage!

Die beiden Co-Autoren von “Monster 1983” haben der kassettenbox einen Besuch abgestattet. Das Interview kannst Du hier in voller Länge nachlesen. Viel Spaß!

Die 3. Staffel von Monster 1983 steht in den Startlöchern: Worauf freut ihr Euch am meisten?

Anette Strohmayer: Wie bestimmte Szenen (welche darf ich noch nicht verraten!) umgesetzt werden von den Sprechern und in der gesamten Inszenierung. Es wird ja diesmal viel Action geben. Und ich bin tierisch gespannt darauf, wie die Hörer unser Finale finden werden.

Raimon Weber: Ich verrate mal soviel: Ich liebe klaustrophobische Szenarien. Da kam mir eine Insel ganz recht.

Gibt es irgendeine Entwicklung aus Staffel 1 und 2, die ihr gerne ungeschehen machen wolltet oder im Nachhinein anders gelöst hättet?

Anette Strohmayer: Na ja, eigentlich gibt es nichts, was ich im Nachhinein als nicht gelungen erachte. Ich finde, jede Figur und jeder Handlungstrag hat etwas für sich. Über das Ende beziehungsweise den Cliffhanger in Staffel 1 könnte man diskutieren. Den würde ich heute vielleicht nicht ganz so krass ansetzen. Andererseits arbeiten die meisten US-Serien auch damit.

Welchen Charakter aus dem “Monster 1983”-Universum habt ihr so richtig ins Herz geschlossen und warum?

Anette Strohmayer: Ach, da gibt es einige. Als Erstes ist da allerdings Landers. Der wird so toll von Ekki Belle gesprochen, dass man ihn einfach liebhaben muss. Für mich ist er der heimliche Held der Geschichte. Dann kommt bei mir Bacon, der ist auch richtig klasse. Ich mag auch den Reverend, selbst wenn er ein schrulliger Charakter ist. Den Vertreter Dexter Loman mag ich auch. Nicht, weil er so nett ist, sondern weil der so genial gut gesprochen wird. Da fällt mir noch etwas zur zweiten Frage ein: Vielleicht hätten wir den einen oder anderen Charakter nicht so schnell hoppsgehen lassen sollen. So wie den besagten Loman. Der hatte viel mehr Potential.

Raimon Weber: In Bezug auf Landers kann ich Anette nur zustimmen. Diese Figur macht eine interessante und sympathische Entwicklung durch. Mein Herz schlägt immer für die „einfachen“ Leute, die, wenn es darauf ankommt, über sich hinauswachsen. Wie Mike, der Mechaniker, oder die fürsorgliche Lucy aus Nero’s Diner. Da würde ich mich doch gern an die Theke setzen und bei ihr einen Hamburger mit extra Zwiebeln bestellen. Für einen Autor hat das Böse natürlich einen besonderen Reiz. Ohne einen richtigen Fiesling funktioniert es nicht. Bürgermeister White! Ich hasse dich! Aber gleichzeitig brauchen wir dich und deine Schergen unbedingt.

Was macht in Euren Augen die Monster-Reihe eigentlich so besonders?
Anette Strohmayer

Anette Strohmayer: “Allein im dunklen Wald ist für mich das Schlimmste.”

Anette Strohmayer: Hmm, besonders … Besonders ist vielleicht das Interesse der Hörerschaft an den 80er Jahren. Und besonders finde ich den Zufall, dass “Monster 1983” und “Stranger Things” als Idee beinahe gleichzeitig entstanden sind. Das ist das beste Beispiel dafür, dass Ideen unabhängig voneinander irgendwo auf der Welt entstehen können. Dass die Zeit sozusagen reif war für ein solches Genre. Besonders ist vielleicht auch noch, dass wir Harmony Bay mit wirklich vielen Einwohnern bestücken durften. Dass wir die Spielzeit und die Sprecher bekommen haben, um ein solches Universum aufbauen zu können. Wir haben es Audible zu verdanken, dass wir ein Hörspiel wie eine TV-Serie erzählen durften, was es möglich macht, die Charaktere tiefgründiger anzulegen. Das macht, denke ich, den Reiz von “Monster 1983” aus, dass die Charaktere wirklich leben.

Wie definiert ihr Eure Rolle aus Co-Autoren? Seid ihr für bestimmte Handlungsstränge verantwortlich?

Anette Strohmayer: Nein, jeder hatte seine Folgen, dabei haben sich die Handlungsstränge durchaus überschnitten. Da wir aber vorher gemeinsam alle Figuren und Szenen bis ins Detail geplant hatten, wusste jeder, wo er ansetzen und weitermachen konnte. Natürlich hat Ivar am Ende dem Ganzen einen letzten Schliff gegeben und das Wording überprüft. Das heißt, ob auch alle Figuren immer die gleiche Sprache benutzen. Alles in allem war es eine super Zusammenarbeit, weil wir drei einfach auf derselben Welle schwimmen und im Kopf oft dieselben Bilder hatten. Wobei jeder schon so seine Besonderheiten mit in den Text gebracht hat.

Raimon Weber: Es ist eine großartige, dreiköpfige Teamarbeit. Ein Glück, dass wir uns getroffen haben und so gut ergänzen. Anette schreibt manchmal so herrlich böse Sachen, während ich dann mal meinen Hang zum Skurrilen freilassen kann. Und Ivar passt auf, dass wir nicht komplett aus dem Ruder laufen. ;-)

Aus dem Nähkästchen geplaudert: Wie arbeitet es sich so mit Ivar Leon Menger zusammen? Wie würdet ihr ihn beschreiben?

Anette Strohmayer: Ivar ist ein unglaublich impulsiver und kreativer Mensch, der es schafft, auch in anderen die Flamme der Begeisterung zu entfachen. Das ist sehr mitreißend. Eine Eigenschaft, die man als Headautor haben muss. Er hat uns die beste Arbeitsatmosphäre geboten und es hat riesigen Spaß gemacht, mit ihm und auch mit Raimon zusammenzuarbeiten. Wir sind einfach ein klasse Team.

Raimon Weber: Anette hat es auf den Punkt gebracht. Hinzufügen möchte ich, dass Ivar auch immer für hervorragende Verpflegung gesorgt hat. Hessische Küche … Schmatz!

Hört ihr privat eigentlich auch Hörspiele? Wenn ja, was könntet ihr unseren Lesern empfehlen?

Anette Strohmayer: Klar, ich bin ein Kassettenkind. Mochte damals lieber Hörspiele hören als ein Buch lesen, was meine Eltern zur Verzweiflung gebracht hat. Meine Highlights damals wie heute sind “Die drei ???”, “TKKG” (ja, ich geb’s zu), “Fünf Freunde”. Von dem Trichter bin ich auch nie runtergekommen. Es gibt aber auch ein paar neuere, die mich gefesselt haben: “Darkside Park”, “Das Lufer Haus”, “Der Prinzessin”. Dazu kommen diverse Hörbücher.

Raimon Weber

Raimon Weber fasziniert “Das Böse”.

Raimon Weber: Ich war in meiner Kindheit und Jugend eher der Bücherwurm. Aber die klassische Kinderliteratur habe ich komplett ausgelassen, nachdem man mir ein „altersgerechtes“ Buch geschenkt hatte, in dem eine drollige Kinderbande samt Terrier einen Bonbondieb überführte. Gähn! Zum Glück konnte ich mich dank unserer erstklassigen Stadtbibliothek schnell Themen wie finsteres Mittelalter, Pestilenz und Katastrophen zuwenden. Wir besaßen aber auch ein paar Schallplatten mit Märchenhörspielen. Ich erinnere mich noch an Rotkäppchen, mit dem legendären Hans Paetsch als Erzähler. Allerdings fiel es mir schon im Alter von sieben Jahren schwer, daran zu glauben, dass der Wolf einfach weiterpennt, während man ihm den Bauch aufschneidet, Rotkäppchen und Oma rausholt und durch Wackersteine ersetzt. Als Jugendlicher, und auch noch heute, verehrte ich den englischen Autor John Christopher. Ich besitze alle seine Werke. Daher empfehle ich die Hörbuch-Version der “Tripods”-Trilogie. Ein Klassiker!

Und zu guter Letzt noch die entscheidende Frage: Macht Euch „das Böse“ Angst?

Anette Strohmayer: Ich bin der totale Schisser im Dunkeln. Das springt bei mir sofort das Kopfkino an. Allein im dunklen Wald ist für mich das Schlimmste. Aber diese Angst ist eher unbestimmt. Böse Menschen machen mir hingegen keine Angst. Das „Böse“ an sich finde ich auch eher faszinierend. Liegt vermutlich daran, dass ich noch nie etwas wirklich Bösem begegnet bin. Gott sei Dank.

Raimon Weber: Die Recherche für meine Krimis machte mich mit den Abgründen der menschlichen Psyche vertraut. Ich sprach mit Serientätern, jenen, die sie jagten und den Spezialisten der Gerichtsmedizin. Daher bin ich davon überzeugt, dass das Böse überall und in jeder noch so harmlos wirkenden Person lauern kann. Angst macht mir das nicht, aber ich lasse eine gewisse Vorsicht walten. Passt immer gut auf euch auf …!

Liebe Anette, lieber Raimon, wir danken Euch herzlich für dieses Gespräch.

 

#3 Monster-Woche: Was geschah eigentlich 1983?

Noch … 6 Tage!

Erinnern Sie sich noch an den Sommer 1983? An die ersten BMX-Räder, an “Duran Duran” auf Ihrem Walkman, an Pepsi in Dosen, als Magnum im Fernsehen lief, an E.T. – Den Außerirdischen, die ersten Videotheken, an die erste Liebe, den ersten Kuss?

Intro Monster 1983, 1. Staffel

All diese schönen Erinnerungen an die Popkultur der 80er Jahre begegnen uns in “Monster 1983” immer wieder. Mal ganz offensichtlich – etwa wenn wir an den US-amerikanischen Abenteuerfilm “Stand by Me” erinnert werden – oder aber auf subtile Art und Weise – wenn uns das Anlassen des Motors an analoge Klänge aus alter Vorzeit erinnert. In diesen Zeiten waren Polaroids noch High-Tech, die meisten Telefone hatten eine Wählscheibe und vor allem noch Kabel und Hörspiele wurden auf Kassetten gehört – das ist ganz nach unserem Geschmack. Musik und Style haben die 80er Jahre immens geprägt. Als der King of Pop noch zu “Thriller” tanzte und Kultfilme wie “Poltergeist”, “Gremlins” und “Goonies” die Massen begeisterten – diese Stimmung und den Sound der 80er erweckt “Monster 1983” zu neuem Leben. Mach mit uns eine Zeitreise in die 80er!

Generation Turnschuhe

Für die 80er gibt es viele Bezeichnungen. Diese Generation wird rückblickend auch als “Turnschuhgeneration” bezeichnet, denn die Unbekümmertheit der Jugendlichen kam besonders durch das ständig getragene – und obendrein auch noch bequeme – Schuhwerk zum Ausdruck. Die 80er Jahre waren das Jahrzehnt der wilden und verrückten Trends und zwar ganz besonders in der Popmusik. “Alles neu!” lautete seinerzeit das Motto. Neben der in Deutschland grassierenden “Neuen Deutschen Welle”, die für denkwürdige Auftritte zur besten Sendezeit sorgte, dominierten die “New Romantics” und “New Wave” aus dem Vereinigten Königreich international die Charts. Aber die 80er waren auch das Zeitalter, in dem Jugendbewegungen wie Punk oder Hip-Hop das Licht der Welt erblickten. Zusammen mit einer Protesthaltung gegenüber der Gesellschaft und durch ihre Musik revolutionierten Acts wie die “Sex Pistols” oder Grandmaster Flash die Popwelt und haben sie bis heute nachhaltig geprägt.

Diese Vielfalt an neuen Tönen brachte Hits wie “Take On Me” von a-ha, “Der Kommissar” von Falco, “People Are People” von Depeche Mode und “Der goldene Reiter” von Joachim Witt hervor. Gleichzeitig waren die 80er die Geburtsstunde des Musikvideos, die ungeahnte Bilderwelten hervorbrachte.

Das Mixtape als Liebeserklärung

Musik spielte in den 80ern eine große Rolle. Durch den Gebrauch der Kompaktkassette und den für die Zeit herausragenden und einzigartigen Walkman von Sony hat Musik einen ganz anderen Stellenwert eingenommen. Man konnte Musik eigens aufnehmen, für seinen Freund, seine Freundin oder gar den Schwarm das beste Mixtape aller Zeiten zusammenstellen. Und das Wichtigste dabei war, dass man die Mixtapes unterwegs hören konnte. Großartig! Das war schon etwas Besonderes – nicht nur für die Kinder aus den 80ern. Auch in “Monster 1983” wird fröhlich mit dem Walkman Musik gehört. Man fühlt sich – vielleicht etwas übertrieben gesagt – wie zu Hause angekommen.

“Früher war alles besser”

Die 80er geben einem ein bestimmtes Gefühl, dass vielleicht früher alles besser war. So war es sicherlich nicht. Wir, die nur zu Hälfte und gerade so, in den 80ern geboren sind, können das sicher nur bedingt einschätzen. Aber das, was wir immer so hören über die Zeit, ist nostalgisch angehaucht. Man ist mit ausgefransten Jeans auf dem Skateboard oder dem BMX-Rad unterwegs, in der Tasche steckt der Walkman und die Welt ist irgendwie ok. In einigen Sequenzen erhält man auch bei “Monster 1983” genau dieses Gefühl. Früher war nicht alles besser, aber vielleicht hat man das Drumherum nicht so eng gesehen. Vielleicht war man optimistischer? Ohne die ständige Erreichbarkeit, die das Internet geschaffen hat, das gläserne Ich, konzentrierte man sich möglicherweise mehr auf das Wesentliche oder man hat die Dinge mehr wertgeschätzt. Wer weiß das schon?

Was geschah 1983 in Deutschland?

Helmut Kohl war Bundeskanzler, das Wort des Jahres war “Heißer Herbst” und deutscher Meister im Fußball war der Hamburger SV. Das klingt alles sehr skurril – vor allem letzteres. Aber natürlich ist noch so einiges mehr passiert: Der erste Deutsche ist ins All geflogen, die Breakdance-Welle schwappte in Europa an, die erste “Die drei Fragezeichen”-Folge in diesem Jahr war “und das Narbengesicht” und der erfolgreichste Film war Star Wars Episode VI, wobei auch eine ganz besondere Buchverfilmung im Jahr 1983 in die Kinos kam: “Die Outsider”. Mit dabei große Schauspieler wie etwa Patrick Swayze, Matt Dillon und der von uns nicht so sehr geschätzte Tom Cruise.

All diese Erinnerungen an das Jahr 1983 oder allgemein an die 80er Jahre macht die Hörspielserie “Monster 1983” besonders. Man taucht ein in eine Zeit, an die man sich gern zurückerinnert, weil sie viele – kulturell betrachtet – positive Aspekte mit sich gebracht hat.

Folge der Woche: Edgar Wallace – Der Zinker (1)

Die Folge “Der Zinker” markiert den Start in die Edgar-Wallace-Reihe, eine Hörspielserie von Maritim (hier gelangst du zum Gesamtkatalog des Hörspiellabels). Insgesamt veröffentlichte das Label zwölf Hörspiele, die auf den literarischen Vorlagen des englischen Schriftstellers und Krimiautors Edgar Wallace beruhen.

In letzter Zeit hat sich Maritim bzw. das Hörspiellabel Highscore Music mit der Veröffentlichung alter Hörspieljuwelen einen Namen gemacht – darunter auch die Maritim-Serie Edgar Wallace, die Anfang der 80er-Jahre unter der Produktion und Regie von Hans-Joachim Herwald entstanden ist.


Der gesichtslose Denunziant

Diebesgut zu Tiefstpreisen an sich reißen – das ist das Spezialgebiet des Zinkers. Bei den Gaunern in der Londoner Unterwelt ist er ein gefürchteter Hehler. Schließlich erpresst der Zinker die Diebe: Sie sollen ihm die gestohlene Ware für einen Bruchteil ihres eigentlichen Wertes verkaufen. Andernfalls werden die Ganoven bei Scotland Yard “verzinkt”, genauer denunziert.

Ein Mord mit Folgen

Ein aktenkundiger Unterweltler namens Larry (Konrad Halver) kennt jedoch die Identität des Erpressers und stellt diesem eine Falle. Kurz bevor er ihn verraten kann, wird er jedoch höchstselbst eiskalt ermordet. Der Mord geht eindeutig auf das Konto des Zinkers.

Dem Zinker auf der Spur

Die Spur führt Chefinspektor Joe Jenkins (Manfred Krug) und Inspektor Elfort (Günther Lüdke) zur Import-Export-Firma von Frank Sutton (Michael Weckler). Nicht nur die Inspektoren sind auf der Suche nach dem Zinker; auch der Reporter Josua (Rainer Schmidt) hat sich für eine Top-Story bereits an die Fährte des Zinkers geheftet. Ein Dickicht heißer Spuren …


Fazit

Inhalt:

In Bezug auf die Originalgeschichte wurde “Der Zinker” fürs Ohr leicht abgwandelt. Die Handlung des Hörspielkrimis ist recht ereignisreich und wird mit einem angenehmen Tempo vorangetrieben. Langeweile kommt zu keiner Zeit auf! Die Tatsache, dass das Hörspiel vor allem für Kinder und Jugendliche konzipiert wurde, tut der Geschichte keinen Abbruch – im Gegenteil. Die leichte Abwandlung bzw. Entschärfung des Plots ist gelungen. Ein Mord ist immerhin dabei. Kindgerechtes Storytelling auch für Erwachsene funktioniert! Die platten bzw. einfachen Dialoge an so mancher Stelle sind unseres Erachtens zu verkraften.

Einzige Wermutstropfen: Stellenweise liegt der charmvollen Produktion ein etwas schwaches Skript zugrunde. Die Dialoge sind stellenweise kindlich, was jedoch nicht den Hörspaß minimiert. Der Fall des Zinkers gestaltet sich bisweilen vorhersehbar, als beispielsweise Jenkins nicht bemerken soll, woher er das Schriftbild einer bestimmten Schreibmaschine kennt. Die Sprüche von Elfert sind irgendwann auch nervig, wenn er sich stets bemüht zeigt, die Aussagen seines Chefs mit Steigerungsformen zu belegen.

Sprecherleistung:

Durch die Bank haben wir es mit einer Handvoll sehr guter Sprecher zutun. Besonders Manfred Krug, in der Rolle des Chefinspektor Joe Jenkins, macht dieses Hörspiel zu einer gelungenen Hörspiel-Adaption – nicht nur für Fans von Edgar Wallace!

Das Highlight für die frühen Hörer von TKKG lässt nicht lange auf sich warten, denn Nick – mit der unverwechselbaren Stimme von Sascha Drager – tritt gleich zu Beginn der Folge auf. Der deutsche Synchronsprecher verlieh unter anderem Tim (früher auch Tarzan) seine Stimme. In “Der Zinker” spielt er den Neffen von Onkel Joe. Er arbeitet als Zeitungsbote und führt Jenkins bei der Suche nach dem Verbrecher auf eine heiße Spur.

Geräusche und Musik:

Geräusche und Musik sind bei dieser Folge absolut überzeugend. Die Tonqualität ist exzellent, zumal es sich um eine Klangrestauration handelt. Die Produktion hat da einen ordentlichen Sound herausgeholt, wenn man bedenkt, dass – so ist es im CD-Booklet vermerkt – kein Masterband vorlag und man von Vinyl remastern musste. Die Folge klingt frisch und dynamisch – ohne Rauschen und Geknister. Herrlich ist die fesche Radiomusik, die Nicky (Alexandra Doerk) zwischendurch immer in voller Lautstärke aufdreht. Das ist Widerholungskomik, die das gewisse Etwas mitbringt. Die Titelmusik lädt überdies zum shuffeln ein!

Cover und Titel:

Das Cover des Hörspiels ist ein richtiger Hingucker – nicht nur für 80er-Jahre-Fans! Der Titel entstammt der Jargon-Sprache und ist nicht unbedingt jedem geläufig. Die Substantiv-Form “Zinker” kann beim ersten Lesen verwirrend sein. Denkt man jedoch an die berühmten “gezinkten Karten” wird es schon klarer. Synonyme zu ‘jmdn. zinken’ sind laut DUDEN etwa anzeigen, melden, verraten, hochgehen lassen, denunzieren, verpfeifen, Strafanzeige erstatten, zur Polizei gehen, usw. …

Gesamtspiellänge:

ca. 41min

Produktionsjahr:

1982

Besetzung:
Joe Jenkins, Chefinspektor Manfred Krug
Nick Sascha Draeger
Nicky Alexandra Doerk
Inspektor Elfort Günther Lüdke
Josua, Reporter Rainer Schmidt
Frank Sutton Michael Weckler
Millie, Sekretärin Ursula Vogel
Lou Friedmann Lothar Zibell
Beryl Gaby Blum
Larry Konrad Halver

kb-nachgefragt: Interview mit Ivar Leon Menger – Monster 1983

Ivar Leon Menger ist Autor und Regisseur der Audible-Hörspielserie „Monster 1983“. Die zweite Staffel erscheint dieses Jahr pünktlich zu Halloween. Wir haben mit ihm über die gefürchteten Monster unter unseren Betten gesprochen und hinter die Kulissen einer Hörspiel-Produktion geblickt.

Lieber Herr Menger, sind Sie ein Kassettenkind?

Ivar Leon Menger: Ja, auf jeden Fall! Darf ich Ihnen unsere Karte geben? Wie viele aus meiner Generation bin auch ich als Kind zu den Detektivgeschichten von Justus, Peter und Bob eingeschlafen. Und natürlich lief auch tagsüber mein kleiner, schwarzer Kassettenrekorder, während ich mit Lego und Playmobil gespielt habe. Meistens leierten auch noch die Fünf Freunde, TKKG oder EUROPA Gruselgeschichten über den Lautsprecher.

Wie geht es Ihnen kurz vor Veröffentlichung der zweiten Staffel von „Monster 1983“?

I. L. Menger: Offen gestanden bin ich sehr aufgeregt. Über zehn Monate liefen ja jetzt die gesamten Vorbereitungen, inklusive der kompletten Produktion – von der Ideenfindung, über das Schreiben von 10 neuen Folgen, mit den Aufnahmen von über 50 Sprechern, der Schnitt und die Geräusche, die komponierte Musik – da steckt so viel Herzblut und Engagement von so vielen kreativen Menschen drin, dass ich natürlich sehr hoffe, alle HörerInnen mit einer spannenden und überraschenden Fortsetzung glücklich zu machen.

Monster 1983“ ist eine Hörspielserie von Audible. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

I. L. Menger: Als ich vor drei Jahren die Idee zur dieser 80er Jahre-Monster-Serie hatte, sollte sie eigentlich „nur“ als kleine, sechsteilige Miniserie erscheinen. Als eBook und Hörbuch. So hatte ich es zumindest mit meinen Co-Autoren Anette Strohmeyer und Raimon Weber geplant. Für die Frankfurter Buchmesse hatte ich einen kurzen Videotrailer produziert, um drei bekannten Labels/Verlagen vor Ort meine Serien-Idee zu präsentieren. Und dann geschah das große Glück: Kaum war der Trailer zu Ende, wollten alle drei Interessenten die Serie sofort kaufen. Und alle hatten lustigerweise die gleiche Idee: Ich sollte daraus eine 10-teilige Hörspiel-Serie machen.

Die Idee gefiel mir, da ich selbst schon lange nicht mehr geschrieben hatte und entschied mich letztendlich für Audible, weil sie mir für dieses Projekt als der beste Partner erschienen. Heute kann ich sagen, dass es die beste Entscheidung war, denn Audible lässt mir komplett freie Hand und ich kann die Serie genau so erzählen, wie ich sie mir vorgestellt habe. Eine großartige Partnerschaft mit viel Vertrauen.

Welchem Genre würden Sie „Monster 1983“ zuordnen?

I. L. Menger: Mystery-Thriller-Horror-Teen-Drama. Oder kurz: „Popcorn“-Hörspielserie.

Glauben Sie an das zutiefst Böse im Menschen, das den Einwohnern von Harmony Bay, einer idyllischen Küstenstadt Oregons, in Gestalt des Monsters begegnet?

I. L. Menger: Ich glaube an Gut und Böse, Tag und Nacht, Yin und Yang und an Licht und an Schatten. Auch wenn ich weiß, dass alles im Universum reine Energie ist und deshalb eigentlich als neutral zu bewerten sein sollte, steht zumindest für meine Geschichten fest, dass es das „Böse“ gibt. Mich zieht die dunkle Seite einfach magisch an. Das liegt wahrscheinlich auch an meinem Sternzeichen.

Monster 1983“ ist teilweise schwer verdauliche Hörspielkost. Da läuft es einem in so mancher Szene eiskalt den Rücken hinunter. Überhaupt steht Ihr Name für Mystery und Thrill. Wo sammeln Sie die Ideen für garantierten Gruselfaktor in 80er Jahre-Nostalgie, wie wir es in „Monster 1983“ erleben dürfen?

I. L. Menger: Das ist unterschiedlich. Bei „Monster 1983“ war zuerst die Idee da, mit der Urangst zu spielen, etwas Böses läge unter dem Bett und warte dort auf einen – da, wo man völlig ausgeliefert ist, wenn man tief schläft. Dann hatte ich zur der Zeit viele 80er Jahre Filme gesehen wie z.B. die „Goonies“, „Der weiße Hai“, „The Lost Boys“ und „Stand by me“ und mir hat die Naivität der Filme gefallen. Alles war klischeehafter, es gab mehr Humor und nicht alles war so realistisch und bierernst. Ja, und natürlich war alles irgendwie fantastischer. In diesem Geist und Stil der 80er wollte ich die Serie dann erzählen.

Monster 1983“ entstand gemeinsam durch die Feder ihrer Co-Autoren Raimon Weber und Anette Strohmeyer. Verraten Sie uns die Ingredienzen eines gut funktionierenden Autoren-Trios?

I. L. Menger: Seit „Darkside Park“ und „Porterville“ haben wir als sechsköpfiges Autorenteam schon über 30 Folgen zusammen entwickelt und verstehen uns deshalb fast schon blind. Wichtig ist mir, dass ich als Headwriter jedem Autor seine/ihre künstlerischen Freiheiten lasse und jeder Autor seine eigenen Ideen und seinen Stil in die jeweilige Serie einbringt. Im Team achten wir dann darauf, ob die jeweiligen Ideen für die Serie funktionieren oder nicht. Meine Arbeit dabei kann man gut mit einem Fußballtrainer vergleichen. Wir trainieren alle zusammen, haben ein gemeinsames Ziel, ich gehe mit ihnen vorher die Strategie – den großen Plan – durch, aber wenn das Spiel dann losgeht, dann läuft jeder Mannschafts-Autor für sich alleine auf dem Platz und entscheidet sich, wie er das Tor schießt.

Eine Monster-Staffel – das sind rund 10 Stunden Hörspiel. Das klingt nach einer ‘monstermäßigen’ Aufgabe. Schließlich müssen die vielen Figuren, Handlungsstränge und Wendungen erst einmal erdacht werden. Nehmen Sie uns mal mit in den prototypischen Produktionsprozess eines Hörspiels.

I. L. Menger: Am Beispiel der zweiten Staffel: Anette, Raimon und ich haben uns für drei Tage in einem abgelegenen Hotel im Odenwald zu einer ersten Autorenrunde getroffen, um den groben Ablaufplan der zweiten Staffel zu besprechen. Ich bin mit den beiden dann meine ersten Ideen durchgegangen – für den Anfang, die groben Figurenentwicklungen und das Staffelende. Das haben wir dann untereinander diskutiert und dann die Plots für die einzelnen Folgen entwickelt.

©Audible - Cover zur 2. Staffel von "Monster 1983"

©Audible – Cover zur 2. Staffel von “Monster 1983”

Nach drei Wochen haben wir uns dann wieder für ein Wochenende in einem Hotel getroffen und gemeinsam detailliert jede einzelne Szene von Raimons und Anettes Folgen entwickelt. Danach ist dann jeder von uns nach Hause gegangen und hat seine Manuskripte geschrieben. Gegen Ende Mai, also circa drei Wochen später, haben mir dann Anette und Raimon ihre fertigen Folgen geschickt und ich bin als Headwriter noch einmal über die Dialoge aller Figuren gegangen, um die Sprache, das „Wording“ in allen zehn Folgen anzugleichen. Nach der Freigabe von Audible ging es dann schon fünf Tage später für einen Monat nach Berlin für die Tonaufnahmen …

Mit welcher der Hauptfiguren in „Monster 1983“ würden Sie gerne einen Tag verbringen? Was würden Sie zusammen unternehmen?

I. L. Menger: Das ist aber eine spannende Frage. Mmmh, mal überlegen. Mit Deputy Landers würde ich gerne mal Essen gehen, der weiß auf jeden Fall, wo es die besten Donuts in Harmony Bay gibt. Mit Sheriff Cody würde ich mich auf ein Glas Milch bei Sharky’s treffen und mit Taylor eine Runde in der dunklen Geisterbahn fahren. Aber am wahrscheinlichsten wäre, dass ich zusammen mit Mr Briggs an fremden Türen klingen und Kugelschreiber verteilen würde. Ja, ich glaube, das macht Spaß!

Ivar Leon Menger, wohnhaft in Harmony Bay – eine schaurige Vorstellung?

I. L. Menger: Nun ja, ich könnte mir schlimmere Orte zum Leben vorstellen. Aber warum eigentlich nicht? Ich hab gehört, das Haus von Sheriff Cody ist angeblich wieder frei – vielleicht könnte ich da ja einziehen …

Mit seinen zahlreichen Cliffhangern und der filmischen Erzählweise erinnert „Monster 1983“ an eine Netflix-Serie. Gefällt Ihnen dieser Vergleich?

I. L. Menger: Ja, vielen Dank. Das sehe ich als Kompliment. Ich liebe Netflix-Serien wie z.B. „House of Cards“. Es ist gut möglich, dass sich unsere Sehgewohnheiten durch die neue Art von Serien stark verändert haben und uns Autoren natürlich erzähltechnisch damit prägen. Und Cliffhanger und Geheimnisse wie bei „Lost“ oder „24“ habe ich schon immer geliebt.

Der Hörspielmarkt ist hart umkämpft. Trotz des Erfolges vieler Hörspiele sind manche Produktionen nicht finanzierbar. Streaming-Dienste und On-demand-Mentalität bestimmen die Preise. Befindet sich der Hörspielmarkt noch in der Krise?

I. L. Menger: Das ist eine schwierige Frage. Ich persönlich könnte unter den gegebenen Umständen kein Hörspiel mehr produzieren, um wirtschaftlich davon zu leben. Deshalb freue ich mich umso mehr, dass es noch Kollegen und Labels gibt, die weiterhin tolle Sachen produzieren.

In der Rolle des Autors und Regisseurs: Wie wichtig ist es, dass man sich mit den Sprechern – hinter den Kulissen im Tonstudio – gut versteht? Schließlich versammelt „Monster 1983“ bekannte Köpfe aus der deutschen Schauspiel- und Synchronsprecherszene …

I. L. Menger: Das ist für mich besonders wichtig, da ich immer Spaß bei der Arbeit haben möchte. Aus diesem Grund versammle ich immer mein „Ensemble“ um mich herum, also alle SprecherInnen mit denen ich seit zehn Jahren einfach gerne zusammenarbeite, wie z.B. Luise Helm, David Nathan, Simon Jäger, Ekki Belle, Patrick Bach, Katja Brügger, Peter Flechtner, Udo Schenk, Gerrit Schmidt-Foß, Nana Spier, Detlef Bierstedt, Florian Halm und einige andere. Besonders schön ist, wenn ich durch neue Produktionen neue Sprecher kennenlernen darf und sie dann in meinen „inneren Kreis“ aufnehme, hehe. Wie z.B. Ozan Ünal, Luisa Wietzorek, Kim Hasper, Yvonne Greitzke, Tim Sander, Florian Krüger-Shantin oder Aaron H. P. Le.

Bleiben Sie auch zukünftig der Hörspielszene treu?

I. L. Menger: Solange ihr rätselhafte und geheimnisvolle Geschichten von mir hören möchtet, solange werde ich dem Hörspiel treu bleiben. Aber so was von.

Herr Menger, wir danken Ihnen herzlich für dieses Gespräch.

I. L. Menger: Gern geschehen. Und vielen Dank für die außergewöhnlichen Fragen. :-)


Wollt ihr mehr über Ivar Leon Menger erfahren? Hier gelangt ihr zu seiner offiziellen Webseite.