FÜNF NACH ACHT – Ein Hörspiel von Diddi Meyer und Sirius Kestel

FÜNF NACH ACHT ist ein Hörspiel von Diddi Meyer und Sirius Kestel, das am 13. September 2019 bei Wolfy Office erscheint. Wir haben das Hörspiel als Rezensionsexemplar angefragt, da der “Klappentext” schon absolut spannend klang, dass wir es unbedingt hören wollten. Netterweise wurde uns das Hörspiel persönlich auf der HÖRMICH überreicht. Danke noch einmal dafür :-)! Da wir leider keinen Discman mit in Hannover hatten (wir besitzen auch in der Tat nur mobile Kassettenabspielgeräte), mussten leider noch Stunden ins Land gehen, bevor wir reinhören konnten.


Womit haben wir es bei FÜNF NACH ACHT zu tun?

Dienstagabends moderiert der Radiomoderator Harry Ossmann die Sendung “Fünf nach Acht”, in der Menschen anrufen, um über ihre Ängste und Sorgen zu sprechen. Harry hat in der Regel ein paar nette Worte auf Lager und gibt den Anrufern mehr oder minder hilfreiche Tipps und damit ein gutes Gefühl. Die Sendung findet Zuspruch, so auch an diesem Dienstagabend. Alles verläuft nach Plan, bis Emile anruft.

Emile ist ein ziemlich aufgeklärter Typ, der recht rational über sein Leben erzählt, in dem er bisher wiederum teilweise ziemlich irrationale Entscheidungen getroffen hat. Während des live im Radio übertragenden Gesprächs zwischen Harry und Emile, befindet sich letzterer auf einem Dach und kommuniziert, dass er vorhat, zu springen.

Das Gespräch zwischen Harry und Emile wird immer intensiver, auch weil Emile Fragen stellt, die Harry so nicht erwartet hätte – und schon gar nicht live im Radio. Plötzlich geht es gar nicht mehr um Emile und seine Probleme, sondern um Harry und seine Beziehung zu seiner Frau. Die stabile Funktion des Radiomoderators gerät ins Wanken und der Anrufer übernimmt die Kontrolle …


Fazit

Inhalt:

[Achtung Spoiler-Alarm: Bitte nicht weiterlesen, wenn du das Hörspiel noch hören möchtest.]

FÜNF NACH ACHT ist ein sehr intensives, aber auch kurzweiliges Hörspiel, auf das man sich definitiv einlassen muss und bei dem man bestenfalls nichts tut, außer zuzuhören. Das ist gar nicht immer so leicht, aber FÜNF NACH ACHT macht es einem an dieser Stelle einfach. Man hängt mit den Ohren am Abspielgerät und möchte zwingend wissen, wie es weitergeht.

Im Grunde haben wir es lediglich mit einem Gespräch zu tun mit der Besonderheit, dass es “on air” stattfindet, bei dem also hunderte Menschen am Radio zuhören können. Und genau das macht den Reiz aus und scheint der Grund dafür zu sein, dass Emile seinem Kontrahenten kritische Fragen stellt, bei denen Harry nicht ausweichen kann. Emile fordert Harry auf, nicht mehr zu lügen und Harry lässt sich von Emile so sehr um den Finger wickeln, dass er Antworten gibt, die er in jeder anderen Situation vermutlich nicht gegeben hätte. Das Gespräch entwickelt sich in eine für Harry sehr persönliche und private, vermutlich zu private Richtung. Denn Emile greift Harrys Beziehung zu seiner Frau auf. Es geht um Alltägliches, aber vor allem darum, ob sich Harry sein Leben so vorgestellt hat oder ob er sich nicht doch manchmal wünscht, andere Entscheidungen getroffen zu haben. Das wiederum lässt Harry vermutlich zweifeln.

Um Emile von seinem Vorhaben etwas abzulenken, lässt Harry ihn reden. Seine Monologe sind zum Teil sehr tiefsinnig. Emile resümiert sein Leben, vor allem aber sein Verhältnis zu seiner Familie und jede seiner Liebschaften. Er geht stellenweise so sehr ins Detail, dass Harry ihn bremsen muss. Sie befinden sich schließlich immer noch in einer Live-Radioshow. Emiles Standpunkt ist, dass Liebe und Leidenschaft mit der Zeit vergehen – ebenso das Glück, sobald man es denn gefunden hat. Im Grunde hat er Angst vor Alltag und Trott …

Wie das Hörspiel ausgeht, konnte man sich fast denken – wie es dann tatsächlich ausgegangen ist, war dann vielleicht doch überraschend. Für FÜNF NACH ACHT sollte man mindestens 16 Jahre alt sein. Es ist ein Hörspiel, für das man sich Zeit nehmen sollte – auch im Nachgang. Eventuell überdenkt man die ein oder andere eigene Entscheidung noch einmal. Und dennoch oder gerade deswegen sprechen wir  hierfür eine klare Hörempfehlung aus!

Sprecherleistung:

Tobias Häusler leiht nicht nur einem Radiomoderator (Harry Ossmann) im Hörspiel seine Stimme, sondern ist auch tatsächlich Radiomoderator – aktuell bei WDR2. Man hat doch gleich gewusst, dass der das öfter mal macht ;). In diesem Video erzählt er, was er sonst so macht und wieso er von FÜNF NACH ACHT überzeugt ist.

Emile wird von Sven Gielnik gesprochen. Zuerst haben wir gedacht: den Sprecher kennen wir. Denn der Synchronsprecher von Alex aus 13 reasons why (Jonas Frenz) klingt recht ähnlich, da haben wir uns aber wohl vertan. Sven Gielnik ist eigentlich Schauspieler (Film und Fernsehen), dreht aber auch selbst Filme. Er scheint jedenfalls für die Rolle als Emile wie gemacht zu sein.

Geräusche und Musik:

Geräusche und Musik spielen bei diesem Hörspiel eine eher untergeordnete Rolle. Der Fokus liegt unserer Meinung nach auf den Sprechern bzw. auf dem Gespräch zwischen den zwei Hauptcharakteren. Nichtsdestotrotz gibt es an der ein oder anderen Stelle natürlich Hinergrundgeräusche, die zeigen, dass wir uns bei einem Radiosender befinden oder dass Emile gerade dabei ist, auf ein Dach zu steigen o. ä. Der Sound ist ohnegleichen. Man konzentriert sich auf das, was wichtig ist. Der Klang ist ziemlich klar, was den Hörer umso mehr fesselt.

Cover und Titel:

Wenn du auf das Cover schaust, blickst du an zwei Häuserfronten mit Balkons vorbei, direkt in den Himmel. Das schwarz-weiße Bild verrät maximal etwas über die Stimmung im Hörspiel, aber nichts über das Geschehen. Auch der Titel FÜNF NACH ACHT lässt einen hier eher im Dunkeln stehen.


Fakten

Genre:

Drama/Thriller

Label:

Wolfy Office

Gesamtspiellänge:

ca. 90 Minuten

Erscheinungsdatum:

13.09.2019


Besetzung:

Harry | Tobias Häusler

Emile | Sven Gielnik

Jürgen | Bert Stevens

Tom | Gerd Beyer

Kim | Cornelia Waibel

Oli | Matthias Kick

Simone | Franziska Friede

Polizistin | Jasmin Lord

Polizist | Mario Pitz

Wettersprecherin | Franziska Grün

Nachrichtensprecher | Mario Belon

Jinglesprecherin | Cornelia Prescher

Anrufer | Horst Kurth


In eigener Sache:

Für diesen Blogbeitrag wurde uns das Rezensionsexemplar von Wolfy Office zur Verfügung gestellt. Der Text wurde in Eigenregie erstellt und spiegelt unsere persönliche Meinung wider. Sie wurde in keiner Weise von Autoren, Produzenten oder Labels beeinflusst.

Point Whitmark – Die rote Hand des Teufels (2)

Nachdem die Hörspielserie Point Whitmark nach längerer Zeit wieder per Stream angeboten wird, haben wir uns gleich mal Folge zwei zur Brust genommen und in “Die rote Hand des Teufels” reingelauscht. Worum es geht und wie wir die zweite Folge rund um Jay, Tom und Derek fanden, erfährst du jetzt …


Wir schreiben den Monat Juli, es ist sehr heiß – um genau zu sein ist es ein “langer und sehr heißer Sommer an der amerikanischen Atlantikküste” und die Touristen-Saison in Point Whitmark heizt gerade – ähnlich wie das Wetter – richtig ein. Doch so harmonisch das klingen mag, so gemütlich bleibt es nicht lange. In Point Whitmark werden vermehrt gefährliche Schlangen gesichtet. Auch Engel-artige Wesen treiben in Point Whitmark ihr Unwesen. Oder sind es Elfen? Als Jay, Derek und Tom davon erfahren, stellen sie sofort ihr Radio-Programm um und bringen eine Sonderberichterstattung über die jüngsten Ereignisse in der Stadt. Die Elfen-Geschichte rückt nach und nach in den Hintergrund, die Schlangen hingegen häufen sich immer mehr. Und wer zum Teufel ist eigentlich dieser Oxman? Jay, Tom und Derek gehen dem Ganzen nach und bringen auch sich selbst noch in Gefahr. Ob sie am Ende alle Fragen beantworten können?


Fazit

Inhalt:

Etwas mau beginnt die Folge rund um die Radiomacher Jay, Derek und Tom, doch gegen Ende nimmt sie noch einmal richtig Fahrt auf. Spannend ist die Folge allemal, auch wenn die Thematik etwas skurril daher kommt und nicht ganz überzeugt. Immer mal wieder bekommt man den Eindruck, dass man doch in Rocky Beach bei Justus, Peter und Bob gelandet ist, wenngleich man den Gedanken zu verdrängen versucht. Unserer Meinung nach kommt “Die rote Hand des Teufels” nicht an die Auftaktfolge “Die Bucht der 22 Schreie” heran.

Sprecherleistung:

Die Sprecher holen alles raus, was geht – vor allem bei den sehr brenzligen Situationen und Hörszenen. Jay Lawrence, gesprochen von Sven Plate, hat eine sehr markante Stimme, die – für uns – an der ein oder anderen Stelle ggf. zu prägnant ist. Möglicherweise erinnert uns die Stimme auch einfach zu sehr an Wil Wheaton, weshalb wir mit Jay nur bedingt klarkommen (das tut uns Leid, Jay!).

Tom Cole, gesprochen von Kim Hasper, hat es dahingehend auch nicht unbedingt leicht. Kim Hasper lieh seine Stimme u. a. Jason Biggs in American Pie oder Ryan Philippe in Eiskalte Engel oder Chuck Bass in Gossip Girl. Es ist doch immer wieder verrückt zu sehen, wie unterschiedlich gleiche Stimmen klingen können oder?

Auch Gerrit Schmidt-Foß, der Derek Ashby seine Stimme leiht, hat hier natürlich einiges zu bieten. Er ist u. a. die deutsche Stimme von Leonardo DiCaprio und Jim Parsons (Sheldon Cooper).

Wenn die drei Jungen untereinander kommunizieren, muss man sich erst einmal reinfuchsen, bis man raus hat, wer Tom und wer Derek spricht. Jay hat den Wil Wheaton-Bonus und damit zumindest für uns hohen Wiedererkennungswert. ;)

Geht dir das auch so? Schreib uns dazu gern in den Kommentaren … :).

Geräusche und Musik:

Auch in Folge zwei haben wir es mit sehr angenehmer und eingängiger Musik zu tun. Die Geräusche passen jederzeit gut zur Situation, was bei einem guten Hörspiel natürlich besonders wichtig ist. Und auch die Radiosequenzen lockern das Hörerlebnis immens auf: “Sie hören Point Whitmark  – der Sender, der heißt wie die Stadt”. Von uns gibt es hier die volle Punktzahl!

Cover und Titel:

Auf dem Cover ist eine Silhouette eines Mannes zu sehen, der eine Fackel trägt, im Hintergrund befindet sich eine überdimensionale rote Hand, die nach dem Mann zu greifen scheint. Im Hintergrund befindet sich zudem auf der einen Seite Feuer und auf der anderen Seite Gestrüpp bzw. Wald. Nach unserem Geschmack ist die Art und Weise der Point Whitmark Covers zu “trashig”. Sicherlich ist auch dieses Hörspiel noch zu einer Zeit produziert, in der man ggf. überdramatisiert und alles etwas übertriebener dargestellt hat. Allerdings passt das Cover nur bedingt zum Hörspiel. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für den Titel des Hörspiels.

Gesamtspiellänge:

ca. 58 Minuten

Produktionsjahr:

2001


Besetzung:

Erzähler | Jürg Löw

Jay Lawrence | Sven Plate

Tom Cole | Kim Hasper

Derek Ashby | Gerrit Schmidt-Foß

Sera Goodwinter | Isabella Lewandowski

Mrs. Chapman | Helga Uthmann

Mr. Chapman | Rolf Jülich

McCarthy | Michael von Rospatt

Mrs. Bushland | Ines Burkhardt

Kathy Goodwinter | Esther Münch

Sheriff Baxter | Andreas Becker

Cassandra Harris | Tanja Kunze

Deputy Nelson | Roger Trash

Vater Callerhan | Heinz Ostermann

Junge | Max Hofmann

Indianer | Hans Paetsch

u. v. m.

Folge der Woche: Point Whitmark – Die Bucht der 22 Schreie (1)

“Die Bucht der 22 Schreie” ist der Auftakt der Hörspielreihe “Point Whitmark”. Es geht um einen Radiosender, der in der gleichnamigen Stadt angesiedelt ist und von drei Freunden betrieben wird.


Turn the radio on

Die 1. Folge von Point Whitmark dient hauptsächlich der Vorstellung der drei Hauptcharaktere, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, einen kleinen Radiosender namens Point Whitmark zu betreiben und nach der Schule mysteriöse Fälle zu lösen.

Untergang der Albacore

Vor etlichen Zeiten ist vor der Küste Point Whitmarks ein Schiff untergegangen. Dieser Vorfall ist bis heute nie ganz aufgeklärt worden. Viele Mythen ranken sich um den Untergang der Albacore. Nachdem der Frachter vor 30 Jahren auf Grund gelaufen war, verloren 22 Seeleute ihr Leben.

Die drei Schüler Jay Lawrence (Sven Plate), Tom Cole (Kim Hasper) und Derek Ashby (Gerrit Schmidt-Foss) glauben, in den Untergangsgeschichten eine Themenreihe für ihren Radiosender gefunden zu haben. Schließlich liegt das Wrack des geheimnisvollen Frachters versunken vor der nordamerikanischen Küste. In den Tiefen des Atlantiks droht den Freunden ein furchtbares Schicksal …

Briefe aus dem Jenseits

Die drei Jungs beginnen mit der Recherche und versuchen, die näheren Umstände der Jahrezehnte zurückliegenden Tragödie zu ergründen. Doch damit scheinen sie die Seelen der 22 ertrunkenen Seeleute zur schrecklichen Rückkehr beschworen zu haben. Denn prompt erreichen sie schriftliche Ermahnungen, die die eindringliche Warnung enthalten, nicht weiter zu ermitteln. Das Unheimliche: Die Briefe scheinen aus dem Jenseits zu kommen und von den 22 toten Seeleuten verfasst worden zu sein. Gefahr aus dem Reich der Toten!

Hinzu kommt die anstehende Bürgermeisterwahl von Point Whitmark sowie zahlreiche Beschwerden über die Radio-Berichterstattung der drei Jungen.


Fazit

Inhalt:

Point Whitmark ist eine Hörspielreihe für Jugendliche bzw. Hörspielfreunde, die auf Atmosphäre und Brutalität gut und gerne verzichten können. Die drei Freunde – Jay Lawrence, Tom Cole und Derek Ashby – sind mitnichten ein schlechter Abklatsch von Die drei Fragezeichen – im Gegenteil: Die Serie Point Whitmark bietet an der einen oder anderen Stelle mehr Tiefgang und frische Ideen mit ordentlich Humor.

Kritisch anzumerken ist an dieser Stelle, dass die Zusammensetzung der Hauptdarsteller stark an den drei Detektiven Justus, Peter und Bob angelehnt scheint. Schließlich haben wir es mit drei Jungs zutun, die noch zur Schule gehen – darunter ein Sportler, ein technikaffiner Freak und ein ziemlich schlauer und etwas unsportlicher Dritter im Bunde. Hinzu kommt, dass sich die Geschichten in zwei Kleinstädten – sei es Point Whitmark oder Rocky Beach – mit Sheriff als ausführendem Organ der Justiz abspielen. Zufall oder Absicht?

Nichtsdestotrotz macht die Serie Lust auf mehr. “Die Bucht der 22 Schreie” ist gut durchdacht, die Spannungsbögen stringent aufgebaut und logisch nachvollziehbar. Die erste Folge ist klar ausbaufähig, zum Einstieg aber bestens geeignet. Dranbleiben – es wird spannender!

Sprecherleistung:

Bekannte Hörspiel- und Synchronsprecher machen die Hörspielgeschichte zu einer unterhaltsamen Krimistory. Die Sprecher transportieren das Unheimliche, vermitteln viel Action und machen aus “Die Bucht der 22 Schreie” ein stimmiges Gesamtkonzept.

Extrem störend ist jedoch die Tatsache, dass die drei Hauptprotagonisten stimmlich schwer auseinanderzuhalten sind. Weniger als bei den drei Fragezeichen, haben Jay, Tom und Derek keine expliziten Charaktereigenschaften, die für einen markanten Wiedererkennungswert sorgen würden. Damit verlieren die Figuren ihre Individualität. Durch die Konturlosigkeit werden die Figuren zu einer einzigen. Ziemlich schade!

Geräusche und Musik:

“Die Bucht der 22 Schreie” ist professionell produziert, gespickt mit schönen Effekten und angenehmer Hintergrundmusik. Besonders gefällt uns der Einstieg in die Folge, da wir die drei Jungen direkt hinter ihren Mikros im Radio erleben dürfen.

Cover und Titel:

Die Cover der Point Whitmark-Reihe sind Geschmacksache. Die Farbgebung ist recht grob. Der Zeichenstil ist unserer Meinung nach nicht für das allgemeine Auge gemacht – zu viel 90er-Jahre-Stil für eine Serie aus den 2000ern. Der Titel “Die Bucht der 22 Schreie” ist hingegend sehr mystisch und Spannung verheißend.

Gesamtspiellänge:

63min22

Produktionsjahr:

2001


Besetzung:
Erzähler Jürg Löw
Jay Lawrence Sven Plate
Tom Cole Kim Hasper
Derek Ashby Gerrit Schmidt-Foss
Direktor Reno Jürgen Uter
Matt Stinger Raimon Weber
Bürgermeister Morris Henning Schlüter
Stadtrat Riverdale C.-D. Clausnitzer
Sheriff Baxter Andreas Becker
Cassandra Harris Tanja Kuntze
Deputy Nelson Roger Trash
Mrs Bushland Ines Burkhard
Vater Callahan Heinz Ostermann
Arbeiter Christian Tasche

Folge der Woche: Radio-Hörspiel – Fast genial (WDR)

Fast genial ist auch unsere neue Folge der Woche. Es handelt sich hierbei um das Hörspiel zum gleichnamigen Roman von Benedict Wells. Das Hörspiel ist eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks Köln und wurde im Jahr 2012 aufgenommen (Regie und Bearbeitung: Anja Herrenbrück; Redaktion: Georg Bühren). Wieso die kassettenbox gerade dieses Stück ausgespuckt hat, lässt sich leicht beantworten: per Zufall. An dieser Stelle möchten wir noch den WDR Hörspielspeicher verlinken. Wenn du mal nicht weißt, was du hören willst, wirst du bei dieser Sammlung auf jeden Fall fündig!

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Ob das Hörspiel „Fast genial“ genauso gut ist wie das Werk von Wells, das erfährst du jetzt und hier.


Schwierige Familienverhältnisse

Francis lebt mit seiner Mutter im Trailerpark in Claymont bei New Jersey. Sie sind arm dran, aber das war nicht immer so. Jetzt wird es immer schlimmer. Francis Mutter geht es gesundheitlich gar nicht gut. Sie ist psychisch kaputt und muss sogar in eine Klinik eingewiesen werden. Francis lebt derweil allein im Trailerpark. Er ist 17 Jahre alt, was man ihm aber nicht ansieht, da er groß und muskulös ist. Er hat einen jüngeren Halbbruder Nicky (13), der bei seinem Vater Ryan lebt. Die beiden führen ein wohlhabendes Leben in New York. Ryan ist nicht Francis leiblicher Vater. Seinen richtigen Vater kennt Francis nicht. Er weiß auch nicht, wie er heißt.

Die Liebe und ein Abschiedsbrief

Während sich seine Mutter in der Klinik befindet, kommt ihn ihr Sohn oft besuchen. Dabei macht er die Bekanntschaft mit Anne-May, einem Mädchen, das sich umbringen wollte und daher ebenfalls Patientin in der Klinik ist. Francis ist sofort begeistert von ihr und kann gar nicht mehr von ihr lassen. Als seine Mutter versucht, sich in der Klinik das Leben zu nehmen, findet Francis eine Art Abschiedsbrief, in dem sie Andeutungen darüber macht, wer Francis Vater wirklich ist …

Ein Abenteuer unter drei Freunden

Daraufhin macht sich Francis mit seinem besten Kumpel Grover und der aus der Klinik ausgebüxten Anne-May, auf den Weg zur Westküste. Ohne zu wissen, was sie erwartet oder vorfinden werden, stürzen sich die zwei mit Francis in ein Abenteuer, das sie so schnell nicht vergessen werden. Auf dieser Reise kommen viele Wahrheiten ans Licht, die Liebe und Freundschaft im Allgemeinen spielen eine sehr große Rolle in dieser Geschichte – genauso wie das Glücksspiel. Ein Hörspiel vom Erwachsenwerden und von der wichtigen Rolle, die ein Vater in einem Leben einnimmt.


Fazit

Inhalt:

Das Hörspiel ist von 336 Seiten auf ca. 50 Minuten heruntergebrochen worden. Dennoch hat es die wichtigsten Einzelheiten der Geschichte mit aufgegriffen. Es gibt keinen Erzähler, sodass das Hörspiel nur vom Dialog lebt. Und es lebt definitiv. Durch die passende Musik und die Stimmen, kommt das Abenteuer im Allgemeinen und das Gefühlsleben von Francis im Speziellen sehr gut zur Geltung. Klar ist, dass es sich um eine Zusammenfassung handelt. Es gibt keine Ortsbeschreibungen oder ausufernden Dialoge (die gibt es im Buch aber auch nicht), sodass sich wirklich auf das Wesentliche konzentriert wird. Wer das Buch vorab liest, wird auch einen anderen Blick auf das Hörspiel haben. Du hast das Buch noch nicht gelesen, das Hörspiel aber gehört? Dann schreib uns gerne und sag uns, wie dir das Hörspiel gefallen hat.

Geräusche-Umsetzung:

Die Musik spielt im Hörspiel eine wichtige Rolle. Es werden viele Musikstücke abgespielt, die das Alter der drei Jugendlichen untermalen. Eminem ertönt ziemlich oft und das ist auch kein Zufall. Im Buch sieht der Protagonist oft Parallelen zwischen dem US-amerikanischen Rapper und seinem Leben. Die Zwischenszenenmusik ist teilweise dramatisch bzw. tiefgehend. Insgesamt macht es Spaß, zuzuhören.

Sprecherleistung:

Die Stimmen der Akteure wirken sehr echt und kommen authentisch rüber. Man hat das Gefühl, dass sie einem direkt in den Kopf steigen, weil sie sehr nah am Geschehen sind. Das ist nicht bei allen Hörspielen so. Hier denkt man, die Personen stehen direkt vor einem, weil die Stimmen laut und deutlich ohne störende Geräusche im Hintergrund wirken. Die Stimmen der einzelnen Charaktere sind sehr gut ausgewählt. Francis Stimme ist eher dunkel, die von Grover mehr verspielt und freundlich. Sie ist so, wie man sich eine Stimme eines besten Freundes, der für einen durchs Feuer gehen würde, vorstellt. Anne-Mays Stimme ist gleichzeitig verspielt und geheimnisvoll. Bei ihrem Charakter ist diese Mischung aber gerade richtig. Sowohl die Sprecherauswahl als auch deren Leistung bewerten wir daher als sehr gelungen.

Gesamtspiellänge:

48min13

Produktionsjahr:

2012


Hörspiel zum Nachhören:

Im WDR-Hörspielspeicher kannst du “Fast genial” unter folgendem Link nachhören.


Besetzung:
Francis Ole Lagerpusch
Anne-May Natalia Rudziewicz
Grover Jonathan Dümcke

kb-nachgefragt: Interview mit Anna Basener, Autorin von Be My Match

Liebe Anna Basener, wofür entscheidest Du Dich: für ein gut gemachtes Hörspiel oder einen durchschnittlichen Spielfilm mit deinem/er Lieblingsschauspieler/in?

Anna Basener: Ich gucke kaum Spielfilme, schon gar keine durchschnittlichen. Ich schalte Filme auch schnell aus, wenn sie mich langweilen oder mir nicht gefallen. Also definitiv das gute Hörspiel!

Von der fixen Idee bis zum Hörspielmanuskript – Gib uns Einblicke in den kreativen Entstehungsprozess einer Autorin.

Anna Basener: “Be My Match” war eine Auftragsarbeit, also war der Initiator Audible. Sie hatten einen Text von mir in der VICE gelesen und daraufhin gefragt, ob ich was Romantisches für sie schreiben will. Sie wollten was Junges, einen frischen Tonfall. Ich habe noch nie vorher ein Hörspiel geschrieben, sondern viel Prosa. Ich kam also zum Hörspielschreiben ein bisschen wie die Jungfrau zum Kinde. Aber ich schreib’ gern Dialoge und hatte sofort Lust drauf. Ich habe dann als erstes die Figuren konzipiert und mit Audible besprochen. Dann die ersten Folgen, dann besprochen, dann weiter schreiben. Und so ging das immer weiter, bis wir zehn Folgen hatten.

Mit welcher der Hauptfiguren in “Be My Match” würdest Du gerne einen Tag verbringen? Was würdet ihr zusammen unternehmen?

BeMyMatch_CoverAnna Basener: Ich würde gern mit Ludwig eine Führung im Spreepark (stillgelegter Freizeitpark in Berlin) machen. Und danach aufs Badeschiff (schwimmendes Freibad in der Spree), oder so. Er würde es dann wahrscheinlich komplett mieten. Dann hätten wir es für uns und unsere Freunde. Das wär bestimmt sehr fein. Und vielleicht würde ein bisschen was von Ludwigs hedonistischer Dandy-Ausstrahlung auf mich abfärben.

Die schillernde Welt der Online-Dating-Portale lässt uns glauben, dass Liebe algorithmisch kalkulier- und vorhersagbar sei. Was glaubst Du?

Anna Basener: Ich glaube nicht, dass Liebe vorhersehbar ist, aber sie ist zumindest wahrscheinlicher, wenn man ähnliche Interessen hat. Und das finden Dating-Plattformen ja für einen raus. Online-Dating ist eine weitere Möglichkeit, Menschen kennenzulernen, und das ist immer gut. Mir ging es in “Be My Match” auch weniger darum, dass mit Hilfe des Dating-Portals ein Paar entsteht, sondern, dass sich vier Menschen kennenlernen, die sich sonst größtenteils nicht begegnet wären. Und da prallen dann Welten aufeinander. Das finde ich spannend.

Jan und Sophie “matchen” so gar nicht, wollen es aber trotzdem – vielmehr gerade deswegen – miteinander versuchen und daten sich: zehn lange Wochen! Wie bist Du auf die Idee gekommen, ein Hörspielskript zu diesem Thema zu schreiben?

Anna Basener: Audible hat als Auftraggeber schon einen Rahmen gesetzt. Es sollte in der Serie um Dating gehen, Vorbild war ein bisschen das Projekt ’40 Days of Dating’ aus den USA. Es ist nicht fiktional und lebt von seiner visuellen Umsetzung. Dort versucht ein Paar seiner Beziehung mit einem Regelwerk zu begegnen. Das hat mich auf Online-Dating und Tinder gebracht, da geht es ja auch um Berechnungen, die angestellt werden, um ein gutes Match zu finden.

Weshalb hast du ein Radio-Setting für Deine Geschichte ausgewählt?

Anna Basener: Ich wollte einen auditiven Beruf für eine der Figuren. Radiomoderation und Hörspiel passen sehr gut zusammen. Man kann damit spielen, dass die Hörer des Hörspiels zu Hörern der Radioshow werden, und sie dann mit hinter die Kulissen nehmen. Ich fand das sehr spannend.  Außerdem hat mich Dating und Verlieben als Teil von Unterhaltungsshows interessiert. Auf jedem Privatsender sucht irgendwer eine Frau oder Schwiegertochter oder C-Promis planen ihre Hochzeiten … Meine Hauptfigur Jan findet so was total scheiße und muss trotzdem mitmachen. Der Konflikt hat mich interessiert.

BeMyMatch_Gruppenbild Cast+Regie+Autorin

Cast, Regie & Autorin von “Be My Match” (©Audible)

Die Macher von “Be My Match” versprechen eine „komplett andere Dating-Serie“, die unseren Hör- und Sehgewohnheiten zuwiderläuft. “Be My Match” sprenge die Grenzen zwischen Film und Hörspiel. Kannst Du das bestätigen? Inwiefern unterscheidet sich “Be My Match” von anderen Formaten?
Anna Basener: “Be My Match” ist aus zwei Gründen komplett anders. Zum einen ist es nicht im Studio aufgenommen, sondern an realen Orten. Wenn ich ins Skript Bikini Berlin oder Nachts, Straße geschrieben habe, dann haben sie auch dort aufgenommen. Die Geräusche sind echt, sie sind die des Ortes, also zum Beispiel einer Straße, die nachts anders klingt als tagsüber. Die Schauspieler standen auch nicht allein am Mikro und haben ihren Text abgelesen, sie haben fast völlig frei im Raum gespielt, sich bewegt und berührt. Sie waren wirklich mehr Schauspieler als Sprecher. Und deshalb ist es auch fast filmisch. Wir waren bei den Aufnahmen ja richtig an Sets mit Drehgenehmigungen, und das hört man auch. Die Athmo ist nicht künstlich reingebaut, die Location ist enorm wichtig für den Klang der Szene.

Und was den zweiten Grund für „komplett anders“ angeht: Dafür muss man das Hörspiel bis zu Ende hören. Das kann ich hier nicht spoilern.

Be My Match” spielt on location, also am ‘Ort des Geschehens’. Wieviel Berlin steckt im Hörspiel?

Anna Basener: Schon recht viel. Es wurde zum Beispiel im Bergmannkiez und im Lafayette aufgenommen. Es geht natürlich um die Geschichte und die Figuren, aber vielleicht spielt Berlin eine wichtige Nebenrolle, denn man kann die Stadt ja genauso hören wie die Figuren.

In der Rolle der Autorin: Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit der Regie, den Produzenten und Schauspielern?

Anna Basener: Sehr wichtig, besonders weil es ja mein erstes Hörspiel war. Johanna Steiner, die Regisseurin, und ich haben viel über die Figuren gesprochen, und dann habe ich ihr staunend beim Inszenieren zu gesehen. Ich war einfach baff, wie gut sie mich versteht und transportiert hat, wo ich auch hinwollte. Die Schauspieler waren allesamt großartig. Es ist einfach sehr spannend, den eigenen Text gesprochen und dann gespielt zu hören.

Was macht “hörspielgerechtes” Schreiben aus?

Anna Basener: Alles, was passiert, braucht ein Geräusch. Mir war klar, dass ich keinen Erzähler wollte. Also muss alles im Dialog passieren oder auditiv sein. Beschreibungen bringen einem gar nichts, das musste ich mir ein paar Mal sagen. Ich fand das aber auf eine gewisse Art auch befreiend. Es ist ja mit Regeln oft so, dass sie einen auf den ersten Blick zwar limitieren, einem es dann aber innerhalb der Regulierung wieder leicht machen. Ich musste mir auch nicht groß überlegen, wie Räume aussehen oder Möbel beschreiben, wie das bei Prosa manchmal ist. Davon war ich befreit. Das hat Spaß gemacht.

Planst Du weitere Hörspielprojekte?

Anna Basener: Ja, aber das ist alles noch nicht spruchreif …

Anna, wir danken Dir herzlich für dieses Gespräch.

Mehr Informationen zur Hörspielserie “Be My Match” gibt es in unserem kb-spezial.