kb-nachgefragt: Interview mit Anna Basener, Autorin von Be My Match

Liebe Anna Basener, wofür entscheidest Du Dich: für ein gut gemachtes Hörspiel oder einen durchschnittlichen Spielfilm mit deinem/er Lieblingsschauspieler/in?

Anna Basener: Ich gucke kaum Spielfilme, schon gar keine durchschnittlichen. Ich schalte Filme auch schnell aus, wenn sie mich langweilen oder mir nicht gefallen. Also definitiv das gute Hörspiel!

Von der fixen Idee bis zum Hörspielmanuskript – Gib uns Einblicke in den kreativen Entstehungsprozess einer Autorin.

Anna Basener: “Be My Match” war eine Auftragsarbeit, also war der Initiator Audible. Sie hatten einen Text von mir in der VICE gelesen und daraufhin gefragt, ob ich was Romantisches für sie schreiben will. Sie wollten was Junges, einen frischen Tonfall. Ich habe noch nie vorher ein Hörspiel geschrieben, sondern viel Prosa. Ich kam also zum Hörspielschreiben ein bisschen wie die Jungfrau zum Kinde. Aber ich schreib’ gern Dialoge und hatte sofort Lust drauf. Ich habe dann als erstes die Figuren konzipiert und mit Audible besprochen. Dann die ersten Folgen, dann besprochen, dann weiter schreiben. Und so ging das immer weiter, bis wir zehn Folgen hatten.

Mit welcher der Hauptfiguren in “Be My Match” würdest Du gerne einen Tag verbringen? Was würdet ihr zusammen unternehmen?

BeMyMatch_CoverAnna Basener: Ich würde gern mit Ludwig eine Führung im Spreepark (stillgelegter Freizeitpark in Berlin) machen. Und danach aufs Badeschiff (schwimmendes Freibad in der Spree), oder so. Er würde es dann wahrscheinlich komplett mieten. Dann hätten wir es für uns und unsere Freunde. Das wär bestimmt sehr fein. Und vielleicht würde ein bisschen was von Ludwigs hedonistischer Dandy-Ausstrahlung auf mich abfärben.

Die schillernde Welt der Online-Dating-Portale lässt uns glauben, dass Liebe algorithmisch kalkulier- und vorhersagbar sei. Was glaubst Du?

Anna Basener: Ich glaube nicht, dass Liebe vorhersehbar ist, aber sie ist zumindest wahrscheinlicher, wenn man ähnliche Interessen hat. Und das finden Dating-Plattformen ja für einen raus. Online-Dating ist eine weitere Möglichkeit, Menschen kennenzulernen, und das ist immer gut. Mir ging es in “Be My Match” auch weniger darum, dass mit Hilfe des Dating-Portals ein Paar entsteht, sondern, dass sich vier Menschen kennenlernen, die sich sonst größtenteils nicht begegnet wären. Und da prallen dann Welten aufeinander. Das finde ich spannend.

Jan und Sophie “matchen” so gar nicht, wollen es aber trotzdem – vielmehr gerade deswegen – miteinander versuchen und daten sich: zehn lange Wochen! Wie bist Du auf die Idee gekommen, ein Hörspielskript zu diesem Thema zu schreiben?

Anna Basener: Audible hat als Auftraggeber schon einen Rahmen gesetzt. Es sollte in der Serie um Dating gehen, Vorbild war ein bisschen das Projekt ’40 Days of Dating’ aus den USA. Es ist nicht fiktional und lebt von seiner visuellen Umsetzung. Dort versucht ein Paar seiner Beziehung mit einem Regelwerk zu begegnen. Das hat mich auf Online-Dating und Tinder gebracht, da geht es ja auch um Berechnungen, die angestellt werden, um ein gutes Match zu finden.

Weshalb hast du ein Radio-Setting für Deine Geschichte ausgewählt?

Anna Basener: Ich wollte einen auditiven Beruf für eine der Figuren. Radiomoderation und Hörspiel passen sehr gut zusammen. Man kann damit spielen, dass die Hörer des Hörspiels zu Hörern der Radioshow werden, und sie dann mit hinter die Kulissen nehmen. Ich fand das sehr spannend.  Außerdem hat mich Dating und Verlieben als Teil von Unterhaltungsshows interessiert. Auf jedem Privatsender sucht irgendwer eine Frau oder Schwiegertochter oder C-Promis planen ihre Hochzeiten … Meine Hauptfigur Jan findet so was total scheiße und muss trotzdem mitmachen. Der Konflikt hat mich interessiert.

BeMyMatch_Gruppenbild Cast+Regie+Autorin
Cast, Regie & Autorin von “Be My Match” (©Audible)

Die Macher von “Be My Match” versprechen eine „komplett andere Dating-Serie“, die unseren Hör- und Sehgewohnheiten zuwiderläuft. “Be My Match” sprenge die Grenzen zwischen Film und Hörspiel. Kannst Du das bestätigen? Inwiefern unterscheidet sich “Be My Match” von anderen Formaten?
Anna Basener: “Be My Match” ist aus zwei Gründen komplett anders. Zum einen ist es nicht im Studio aufgenommen, sondern an realen Orten. Wenn ich ins Skript Bikini Berlin oder Nachts, Straße geschrieben habe, dann haben sie auch dort aufgenommen. Die Geräusche sind echt, sie sind die des Ortes, also zum Beispiel einer Straße, die nachts anders klingt als tagsüber. Die Schauspieler standen auch nicht allein am Mikro und haben ihren Text abgelesen, sie haben fast völlig frei im Raum gespielt, sich bewegt und berührt. Sie waren wirklich mehr Schauspieler als Sprecher. Und deshalb ist es auch fast filmisch. Wir waren bei den Aufnahmen ja richtig an Sets mit Drehgenehmigungen, und das hört man auch. Die Athmo ist nicht künstlich reingebaut, die Location ist enorm wichtig für den Klang der Szene.

Und was den zweiten Grund für „komplett anders“ angeht: Dafür muss man das Hörspiel bis zu Ende hören. Das kann ich hier nicht spoilern.

Be My Match” spielt on location, also am ‘Ort des Geschehens’. Wieviel Berlin steckt im Hörspiel?

Anna Basener: Schon recht viel. Es wurde zum Beispiel im Bergmannkiez und im Lafayette aufgenommen. Es geht natürlich um die Geschichte und die Figuren, aber vielleicht spielt Berlin eine wichtige Nebenrolle, denn man kann die Stadt ja genauso hören wie die Figuren.

In der Rolle der Autorin: Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit der Regie, den Produzenten und Schauspielern?

Anna Basener: Sehr wichtig, besonders weil es ja mein erstes Hörspiel war. Johanna Steiner, die Regisseurin, und ich haben viel über die Figuren gesprochen, und dann habe ich ihr staunend beim Inszenieren zu gesehen. Ich war einfach baff, wie gut sie mich versteht und transportiert hat, wo ich auch hinwollte. Die Schauspieler waren allesamt großartig. Es ist einfach sehr spannend, den eigenen Text gesprochen und dann gespielt zu hören.

Was macht “hörspielgerechtes” Schreiben aus?

Anna Basener: Alles, was passiert, braucht ein Geräusch. Mir war klar, dass ich keinen Erzähler wollte. Also muss alles im Dialog passieren oder auditiv sein. Beschreibungen bringen einem gar nichts, das musste ich mir ein paar Mal sagen. Ich fand das aber auf eine gewisse Art auch befreiend. Es ist ja mit Regeln oft so, dass sie einen auf den ersten Blick zwar limitieren, einem es dann aber innerhalb der Regulierung wieder leicht machen. Ich musste mir auch nicht groß überlegen, wie Räume aussehen oder Möbel beschreiben, wie das bei Prosa manchmal ist. Davon war ich befreit. Das hat Spaß gemacht.

Planst Du weitere Hörspielprojekte?

Anna Basener: Ja, aber das ist alles noch nicht spruchreif …

Anna, wir danken Dir herzlich für dieses Gespräch.

Mehr Informationen zur Hörspielserie “Be My Match” gibt es in unserem kb-spezial.

 

Schreibe einen Kommentar